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Nach dem Skandal-Finale gegen Osaka: Serena legt noch einmal nach

09.09.2018|10:15 Uhr|von Dennis Ebbecke
Nach dem Skandal-Finale gegen Osaka: Serena legt noch einmal nach

Harter Tobak: Williams wirft Schiedsrichter Ramos Sexismus vor.

Die Chronologie der Ereignisse 

Eines steht fest: Das Finale der US Open 2018 wird für alle Zeiten in den Köpfen bleiben und hat es geschafft, dass Tennis an diesem Wochenende weltweit die Schlagzeilen beherrscht – auch über die Grenzen dieser Sportart hinaus. Das war es aber dann auch schon an „positiven“ Auswirkungen des Serena-Duells mit Schiedsrichter Carlos Ramos. Mit Sport hatte das ganze Theater ab einem bestimmten Zeitpunkt nichts zu tun. Und noch schlimmer: Der herausragende und hochverdiente Sieg der erst 20-jährigen Naomi Osaka geriet zwischenzeitlich in den Hintergrund.

Das Duell Serena vs. Ramos in drei Akten 

Erster Akt: Zu Beginn des zweiten Satzes wird Serena Williams wegen des vermeintlichen Coachings ihres Trainers Patrick Mouratoglou verwarnt. Die US-Amerikanerin fühlt sich ungerecht behandelt und macht dem Portugiesen ihren Standpunkt klar: „Ich betrüge nicht, um zu gewinnen. Lieber verliere ich!“

Zweiter Akt: Die US-Amerikanerin kassiert ein Re-Break zum 3:2, zertrümmert daraufhin den Schläger. Die Folge: Ramos erteilt ihr die nächste Verwarnung, die einem Punktabzug (0:15) gleichkommt. Die Reaktion von Serena, die immer noch das Thema Coaching im Hinterkopf hat, lässt nicht lange auf sich warten: „Ich habe eine Tochter. Ich habe noch nie in meinem Leben betrogen! Sie schulden mir eine Entschuldigung!“ 

Dritter Akt: Bei der ehemaligen Nummer eins der Welt geht nicht mehr viel zusammen. Nach dem Break zum 3:4 aus ihrer Sicht findet sie in dem Schiedsrichter den Schuldigen – und überspannt den Bogen mit folgender Aussage: „Du wirst nie, nie, nie mehr ein Spiel von mir leiten, solange du lebst. Du bist ein Lügner! Wann wirst du mir eine Entschuldigung geben? Du schuldest mir eine Entschuldigung! Sag es! Sag, dass es dir leid tut! Du hast mir einen Punkt gestohlen. Ein Dieb bist du also auch!“ Ramos hat keine andere Wahl und verhängt eine Spielstrafe – es steht 3:5. Der Rest ist beaknnt.

Mourataglou gibt Coaching zu, Serena dementiert energisch 

Auch nach dem Match waren die Wogen noch lange nicht geglättet. Die Siegerehrung wurde zu einer Farce, das angestachelte US-amerikanische Publikum pfiff den ersten Grand-Slam-Erfolg der 20-Jährigen zunächst in Grund und Boden – bis Serena die richtige Entscheidung traf und ihre Anhänger unter Tränen darum bat, die Siegerin zu würdigen.

Doch auch im Anschluss daran überschlugen sich die Ereignisse. Während Serena Williams weiterhin nichts von einem Coaching wissen wollte, gab ihr Trainer zu, Hinweise aus der Box gegeben zu haben. Die Finalistin der US Open konnte es kaum fassen, erklärte im Rahmen der Pressekonferenz: „Ich habe gerade gehört, was Patrick gesagt hat. Ich habe ihm sofort eine Nachricht geschickt und ihn gefragt: ‚Was redest du da?‘ Wir haben keine Signale.“ Hier scheint das letzte Wort ebenfalls noch nicht gesprochen.

Sexismus-Vorwurf: Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf 

Darüber hinaus machte Serena auf der PK einen weiteren Aspekt zum Gespräch. Sie unterstellte Carlos Ramos Sexismus. Ihre Schlussfolgerung: „Ich habe andere Männer gesehen, die andere Dinge zu anderen Schiedsrichtern gesagt haben. Ich bin hier, um für Frauenrechte, Gleichberechtigung und all das zu kämpfen. Ich habe ihn als Dieb bezeichnet, weil er mir ein Spiel weggenommen hat, das fühlt sich für mich sexistisch an. Einem Mann hätte er dafür nie ein Spiel weggenommen.“

Unser Fazit: Emotionen sind wichtig und machen den Tennissport so lebendig. Doch hier wurde der Bogen eindeutig überspannt. Man würde gut daran tun, das Finale der US Open 2018 auf das zu reduzieren, was es war: nämlich ein Tennismatch. Oder wie es Eurosport-Experte Boris Becker bereits während des Spiels ausdückte: „Es geht hier nicht um Mord und Totschlag, es ist einfach ’nur‘ Tennis.“ Letztlich wurde alles auf dem Rücken der großartigen Siegerin Naomi Osaka ausgetragen, die es verdient gehabt hätte, für ihren großen Triumph gefeiert zu werden. Die Entscheidungen des Schiedsrichters waren allesamt regelkonform, jetzt gilt es, das bestehende Regelwerk dringend zu überdenken.

(Bild (c) imago)

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Dennis Ebbecke
am 09.09.2018 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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