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Nick Kyrgios sieht sich als Top-10-Kandidat

13.01.2019|18:00 Uhr|von Henrike Maas
Nick Kyrgios sieht sich als Top-10-Kandidat

Der 23-Jährige zeigt sich vor den Australian Open sehr fokussiert.

"Ich kann in die Top 10 kommen. Das ist realistisch. Das ist ein Fakt", sagt Nick Kyrgios in seiner Auftakt-Pressekonferenz vor den Australian Open. Klare Frage, klare Antwort. Das kennt man so von Kyrgios. Eine Eigenschaft, die ihm nicht nur Fans eingebracht hat. Kritiker sehen ihn ihm einen verzogenen Bengel, der seinen Job nicht ernst nimmt. Denn zu oft hat der Australier seinen großen Worten, eben dann nicht die gleichgroßen Taten folgen lassen. Da wurden von Nick Kyrgios schon mal Matches abgeschenkt oder Bälle vertändelt.

"Ich habe mir Hilfe geholt"

Alles also nur Schall und Rauch? Wieder so eine großspurige Aussage von einem, der zwar garantiert das Talent für die Top 10 hat, aber eben nicht die Einstellung? So zumindest wirkt die ehemalige Nummer 13 vor den Australian Open nicht. Ein erstaunlich aufgeräumter, ehrlicher und gereift wirkender Nick Kyrgios sitzt da vor der Presse und spricht über seine auch persönlich schwierige letzte Saison. Das Jahr 2018 war nicht das Beste für den Australier. Gut gestartet, warfen ihn verschiedene Verletzungen an der Hüfte und Ellenbogen zurück. Das gab dem 23-Jährigen auch psychisch einen mächtigen Dämpfer.

"Letztes Jahr war ich manchmal an richtigen Tiefpunkten. Ich habe mir Hilfe geholt. Aber darüber möchte ich nicht sprechen, denn es ist sehr persönlich. Aber momentan fühle ich mich mental sehr gut. Ich weiß, dass viele sagen "Oh, du hast so ein schweres Draw erwischt". Ganz ehrlich, das interessiert mich nicht. Ich bin gesund, glücklich und will raus gehen und spielen. Was dann passiert, passiert eben", zeigt sich Nick Kyrgios entspannt.

Milos Raonic in Runde 1

Das erste Mal seit den US Open 2015 ist er bei einem Grand Slam nicht gesetzt. Da kann man dann ganz schnell einen harten Weg erwischen. So wartet auf den Australier in Runde eins ein Duell mit der Nummer 16 des Turniers Milos Raonic. Gewinnt Kyrgios dieses Match, kommt es danach entweder zu einem Treffen mit Stan Wawrinka oder Ernests Gulbis. Doch das interessiert die Nummer 51 der Welt nicht. Er freue sich einfach auf sein Heimturnier und das Match gegen Raonic. "Wir beide kennen uns gut, kennen unser beider Spiel gut. Wir wissen, was auf uns zukommt. Es wird schwer werden. Aber um ehrlich zu sein, ich freue mich schon sehr. Im australischen Sommer vor Heimpublikum gegen einen schweren Gegner zu spielen, ist für mich eine gute Sache", sieht er seiner ersten Runde gelassen entgegen. 

Es scheint wirklich so, als habe Nick Kyrgios für sich eine andere Perspektive auf die Dinge gefunden. "Ich möchte einfach nur aufwachen und mich darüber freuen, dass ich auf den Platz gehe. Letztes Jahr hatte ich das nicht".

Positiv für Kumpel Andy Murray sein

Das mag auch daran liegen, dass eine große Stütze von Nick Kyrgios sich nun vom Tennis verabschiedet. Andy Murray, ein Vorbild für den Australier, hatte bekannt gegeben, dass für ihn spätestens nach Wimbledon Schluss sei. Die anhaltenden Hüftschmerzen machen ein dauerhaftes Weiterspielen für Murray unmöglich. Der 31-Jährige Schotte war immer einer, der mit Kyrgios auch außerhalb des Tennissports Zeit verbracht hat. Etwas, woran sich der 23-Jährige gerne erinnert. "Es ist ein trauriger Tag für den Sport. [Andy] war immer einer meiner engsten Freunde auf der Tour. Wir sind zusammen Achterbahn gefahren und solche Sachen. Ich denke er ist ein Typ, mit dem sich jeder immer irgendwie identifizieren konnte", beschreibt Kyrgios seine Beziehung zu Murray. Trotzdem will er seinen Kumpel noch nicht abschreiben. "Er könnte hier viel erreichen. Ich möchte für ihn positiv bleiben und nicht zu sehr auf das Negative eingehen".

Lob für Sascha Zverev

Weise Worte von einem, dem das nicht jeder zugetraut hätte. Nick Kyrgios scheint in den letzten Monaten wirklich ein wenig nachgedacht zu haben. Er hat viel Zeit zu Hause bei seiner Familie in Canberra verbracht und sich gesammelt. So wundert auch seine Antwort auf die Frage, ob er denn nedisch sei, auf zum Beispiel Alexander Zverev. Gegen Zverev habe er ja mehrfach gewonnen und trotzdem ist es der junge Deutsche, der sich in den Top 10 etabliert hat und nicht der Australier. "Ich bin kein Typ, der neidisch ist. Zverev hat jetzt schon eine unglaubliche Karriere. Er ist ein unglaublicher Spieler, der noch besser werden wird. Er hat viele Sachen, die er noch verbessern kann. Wenn ich ihn spielen sehe, sehe ich diese Sachen. Und es ist erschreckend, wenn man bedenkt, wie gut er jetzt schon ist", lobt der Australier seinen Kontrahenten. 

Man darf gespannt sein, auf die Entwicklung von Nick Kyrgios in diesem Jahr. Wenn er gesund bleibt und diese einstellung beibehält, dann ist es durchaus realistisch, dass er am Ende der Saison, unter den Top 10 der Welt steht. 

(Bild © imago)

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Henrike Maas
am 13.01.2019 gepostet von:
Henrike Maas
Redakteur
Henrike hat ihre Liebe zum Tennis erst später entdeckt, ist seitdem aber sowohl auf und neben dem Court immer dabei. In den Bereichen Technik, Taktik und Ausrüstung etwas detailverliebt, kann man mit ihr über alles rund um die gelbe Filzkugel reden.

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