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Nach der Hüft-OP: Kann Murrays Wimbledon-Traum wahr werden?

30.01.2019|13:15 Uhr|von Christian Schwell
Nach der Hüft-OP: Kann Murrays Wimbledon-Traum wahr werden?

Andy Murray hat sich am Montag einer Operation an seiner lädierten rechten Hüfte unterzogen. Diese bereitete ihm seit geraumer Zeit Probleme und brachte ihn dazu, im Vorfeld der Australian Open im Rahmen einer emotionalen Pressekonferenz sein Karriereende spätestens beim Wimbledon-Turnier in Aussicht zu stellen. Anschließend fightete er in der ersten Runde von Melbourne gegen Roberto Bautista Agut über fünf Sätze. Seine körperlichen Probleme waren dem Schotten aber auch dabei deutlich anzumerken. Jetzt also als Konsequenz die Operation.


Murrays Problem ist der Knorpelverschleiß in der Hüfte

Murray leidet unter einer Arthrose im Hüftgelenk, bei der der Knorpel von Hüftpfanne und Hüftkopf - bei ihm wahrscheinlich durch eine Überbelastung oder auch zusätzlich durch eine Fehlstellung der Hüfte verursacht - geschädigt wird. Dieser Verschleiß führt zu belastungsabhängigen starken Schmerzen im Bereich des Hüftgelenks.

Otto-Normal-Patient würde nun, wenn der Leidensdruck zu hoch ist und die Schmerzen auch den Alltag abseits des Sports zu stark beeinträchtigen, ein klassisches künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden. Eine Operation, die alleine in Deutschland mehr als 150 000 Mal im Jahr durchgeführt wird. Moderater Sport ist auch mit so einem kompletten künstlichen Gelenk möglich. Was in diesem Zusammenhang an Einschränkungen und beweglichen Verhaltensmaßregeln genannt wird, schließt Tennis im Leistungs- oder gar Hochleistungsbereich aber aus, wenn man die Haltbarkeit des neuen Gelenks nicht wissentlich extrem minimieren will. 

Teilprothese statt eines kompletten künstlichen Hüftgelenks

Murray hat sich nun aber, auch wohl nach Rücksprache mit dem Doppelspezialisten Bob Bryan, zu einer anderen Methode entschlossen. Ihm wurde jetzt wie Bryan, der nach seiner OP in Melbourne wieder ins Doppel-Geschäft eingestiegen ist, eine sogenannte Hüftkappen-Prothese eingesetzt. Das ist eine Teilprothese, die als Oberflächenersatz der Hüfte fungiert.

Solche Operationen werden wesentlich seltener durchgeführt und benötigen auch eine sehr exakte Anpassung durch den Operateur an die Gegebenheiten beim jeweiligen Patienten, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Nimmt man diese und andere Risiken erfolgreich in Kauf ist es aber möglich, bei einem auch mit der Prothese hohen Aktivitätsniveau eine lange Haltbarkeit dieser Lösung zu erreichen. Deswegen kommt diese Methode gerade für jüngere Patienten wie Andy Murray in Frage.

Die Zeit bis Wimbledon wird knapp

Wird der zweifache Champion nun seine Karriere Anfang Juli in Wimbledon einigermaßen leistungsfähig auf dem Platz beenden können? Oder hat er nach dem Eingriff nun sogar die Chance, seine Karriere noch weiter zu verlängern? In Bezug auf beide Fragestellungen ist durchaus Skepsis angebracht. Selbst bei optimalem Verlauf sollte Murray eigentlich erst nach drei Monaten wieder anfangen, sportlich aktiv zu werden. Dass Bob Bryan in Melbourne fünf Monate nach seinem Eingriff wieder auf dem Platz stehen konnte, ist eher sehr ungewöhnlich. Die Belastungen in seinen Doppel-Matches sind aber auch nicht mit denen eines „Grundlinien-Arbeiters“ der Marke Murray im Einzel vergleichbar. Schwierig also für den 31-Jährigen, sich bis zum 1. Juli auf ein akzeptables Leistungsniveau zu bringen.

Keine Erfahrungswerte im Einzel auf Profi-Niveau 

Und auch die Chancen auf ein längerfristiges Comeback sind nur sehr schwer einzuschätzen. Es gibt tatsächlich Beispiele aus dem professionellen Sport für eine erfolgreiche Fortsetzung der Karriere nach diesem Eingriff. Der Radsportler Floyd Landis z.B. unterzog sich ebenfalls im Alter von 31 Jahren der „Murray-OP“ und fuhr danach noch viele Jahre mehr als 50 Profi-Radrennen pro Saison.

Auch der russische Fechter Artur Akhmatkhuzin kehrte auf die Planche zurück und holte mit einer Teilprothese sogar olympisches Gold in Rio. Ob Murray es allerdings riskiert, nach diesem Eingriff dauerhaft ins Profitennis (das mit seinen ständigen Richtungswechseln und Drehbewegungen eine Höchstbelastung für das Implantat bedeutet) zurückzukehren und ob er im Fall der Fälle sein Leistungsniveau wieder annähernd erreichen kann, bleibt abzuwarten. Erfahrungswerte im Einzel auf Profi-Level gibt es jedenfalls bisher nicht.

(Bild © imago)

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Christian Schwell
am 30.01.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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