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ATP Acapulco: Im Final-Duell zwischen Zverev und Kyrgios ist viel Prestige im Spiel

02.03.2019|17:50 Uhr|von Christian Schwell
ATP Acapulco: Im Final-Duell zwischen Zverev und Kyrgios ist viel Prestige im Spiel

Wenn sich heute Nacht (nicht vor 04.00 Uhr deutscher Zeit) die Wege von Alexander Zverev (ATP 3) und Nick Kyrgios (ATP 72) im Finale von Acapulco kreuzen, geht es für beide um mehr als nur 500 ATP-Punkte, auch wenn gerade der Australier diese sehr gut gebrauchen kann. Es ist auch ein Prestige-Duell zweier Spieler unter 25 Jahren, die beide von der Leistung her absolut aus dieser Altersgruppe herausstechen. Zuletzt aber eben stand ihre Leistungsentwicklung zumeist unter umgekehrten Vorzeichen.

Frühe Erfolge ohne Nachhaltigkeit bei Kyrgios 

Kyrgios, der schon ganz früh 2014 und 2015 in Wimbledon und bei den Australian Open das Viertelfinale erreicht hat, konnte an diese Erfolge danach unerwartet selten anknüpfen. Die Ergebnisse bei den Grand Slam-Turnieren wurden – das hat er seitdem mit Zverev gemein – eher durchschnittlich, vor allen Dingen gelang es Kyrgios aber im Tour-Alltag überhaupt nicht, oft genug sein Potential abzurufen. Gerade mal vier Titel stehen bei ihm zu Buche. Schlimmer noch: Zeitweise reihte der 23-Jährige lustlose Auftritte aneinander, um dann auch schon mal Saisons einfach vorzeitig zu beenden.

Das schlug sich nach und nach auch auf der Weltrangliste nieder. Nach dem Karriere-High ( Nummer 13) im Jahr 2016 schien es so, als würde sich Kyrgios über kurz oder lang fest unter den besten Spielern der Welt etablieren. Stattdessen begann – beschleunigt dann ab 2018 – der Ranglisten-Abstieg bis heraus aus den Top 70. Bevor Kyrgios jetzt in Acapulco mit Siegen über Nadal, Wawrinka und Isner so etwas wie eine kleine Wiederauferstehung feiern konnte, sah es sogar so aus, als würde sich ein Abschied aus den ersten 100 anbahnen. Viel zu wenig für einen, der sich als Kandidat für die Top 10 bezeichnet, auch wenn er wahrscheinlich sogar selbst erkannt hat, dass er sich dieses Ziel in den letzten Jahren vor allen Dingen höchstpersönlich verbaut hat.

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Zverev ist dort, wo Kyrgios gerne hin will

In den Top 10 ist der zwei Jahre jüngere Alexander Zverev dagegen schon ein recht fester Bestandteil. Auch bei ihm wird manche Aktion auf dem Platz und mache Aussage im Interview kritisch begleitet, es gibt aber einen für ihn äußerst positiven Unterschied zum Finalgegner Kyrgios: Zverev hat sich weder durch überraschende Grand Slam-Niederlagen noch durch Diskussionen um seine Person bisher dauerhaft davon abhalten lassen, sehr erfolgreich Tennis zu spielen. Insgesamt zehn Turniersiege, darunter drei Master-Titel und der bei den ATP Tour Finals sprechen eine deutliche Sprache. Ganz im Gegensatz zu Kyrgios gelingt es ihm sehr regelmäßig, sein Potential unter der Woche auch in Siege umzuwandeln, was den großen Unterschied in der Weltrangliste zwischen den beiden erklärt.

Kyrgios führt den direkten Vergleich an

Bezogen auf ihr nächstes Duell scheint dies aber nicht unbedingt ausschlaggebend zu sein. Nick Kyrgios spielt erstens allgemein oft sein bestes Tennis, wenn es gegen die bekannten und großen Gegner geht. Und hat zweitens auch schon bewiesen, dass er speziell den Deutschen mit seiner Herangehensweise an den Tennissport aus dem Konzept bringen kann. Auch wenn Zverev die letzten beiden Duelle gegen Kyrgios für sich entscheiden konnte: insgesamt führt der umstrittene Australier den Vergleich der beiden mit 5:3 an. Gerade wenn Zverev sich auf zu viele Spielereien einließ und nicht seine eigene Linie verfolgte, ging er gegen Kyrgios als zweiter Sieger vom Platz.

Prognose? Schwierig!

Eine Finalprognose fällt deswegen schwer, auch weil beide Spieler in diesem Turnier bisher auf ihre eigene und ganz unterschiedliche Art und Weise überzeugt haben. Zverev als eigentlich immer souverän agierender Top-Spieler, Kyrgios als einer, der genau diesen Spielertyp in dramatischen Matches entnervt und niederringt. Auch die Bedeutung eines Erfolges könnte unterschiedlich ausfallen: Ein Sieg für Kyrgios könnte tatsächlich eine Art neue Initialzündung für seine Karriere sein, während ein Turniersieg für Zverev wahrscheinlich nur ein erster Schritt in eine möglichst erfolgreiche Saison 2019 sein würde.

Das Prestige, einen der oft als sogar noch talentierter gehandelt wird, im direkten Vergleich zu besiegen und damit auch auf Distanz halten zu können, wird sich Zverev aber sicher nicht nehmen lassen wollen. Sein festes Ziel wird sein, als strahlender Turniersieger von Acapulco ins Doppelfinale zu gehen, das er anschließend an der Seite seines Bruders Mischa gegen Austin Krjicek und Artem Sitak bestreitet.

(Bild © imago)

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Christian Schwell
am 02.03.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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