Jetzt die App myTennis runterladen!

Auch unterwegs immer informiert bleiben & die Welt des Tennis entdecken.

Pro

Hawk-Eye auch auf Sand?

17.04.2019|09:00 Uhr|von Christian Schwell
Hawk-Eye auch auf Sand?

Auf allen anderen Belägen werden Linienrichter-Entscheidungen elektronisch überprüft. Auf Sand gilt weiter Augenmaß.

Im Unterschied zu den Hartplatz-Turnieren der ersten Monate des Jahres wird nun in der europäischen Sandplatz-Saison auch für die Stuhlschiedsrichter Tennis wieder ein echter Laufsport. Strittige Linienrichter-Entscheidungen werden offiziell nicht bequem per Challenge unter Zuhilfenahme des elektronischen Hawk-Eye-Systems überprüft. Stattdessen begibt sich der Regelhüter direkt zum „Tatort“: Runter vom Stuhl und hin zum Ballbadruck, um diesen dann persönlich aus der Nähe in Augenschein zu nehmen.

Schiedrichter überprüft bei Rublev-Fognini den falschen Abdruck

Kurioserweise werden dem Fernsehzuschauer aber trotzdem entsprechende Grafiken, die den Aufsprung des Balls dokumentieren sollen, präsentiert. Was zu etwas skurrilen Situationen und heißen Internet-Diskussionen führt, wenn diese dann der Schiedsrichter-Entscheidung diametral entgegen stehen.

Gestern kam es zum Beispiel beim Masters-Turnier in Monte Carlo beim Spiel zwischen Andrey Rublev und Fabio Fognini zu so einer Widersprüchlichkeit. Der Russe sah einen Schlag seines italienischen Gegners klar im Aus und wurde durch die TV-Grafik auch bestätigt – der Schiedsrichter wählte aber ganz offensichtlich schlicht und einfach den falschen Abdruck zur Überprüfung aus und gab den Ball gut. Eine ähnlich klare Fehlentscheidung hatte im letztjährigen Semifinale an gleicher Stelle einen in Führung liegenden David Goffin gegen Rafael Nadal komplett aus der Bahn geworfen.

Das Hawk-Eye irrt auf Sand zu oft

Sollte man das Hawk-Eye also nicht auch auf Sand trotz des sichtbaren Ballabdrucks auch offiziell zur Überprüfung heranziehen? Nun, ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, fällt die Beantwortung dieser Frage dann doch nicht aus. Der britische Hersteller der elektronischen Hilfe räumt nämlich selber ein, dass das System speziell auf Sand so seine Schwierigkeiten hat.

Der unebene Untergrund macht die Messungen fehleranfälliger und unzuverlässiger. Um überhaupt einigermaßen verlässlich agieren zu können, müsste auf Sand das Hawk-Eye zwischen den Matches jeweils erst mal wieder neu kalibriert werden. Was 30 Minuten dauert, also bei den eng getakteten Zeitplänen der Turniere kaum praktikabel ist.

Und so kann man sich eben auch nicht vollkommen sicher sein, dass die Grafiken, die dem Fernsehzuschauer aus Monte Carlo präsentiert werden, den Schiedsrichter in jedem Fall tatsächlich zu recht widerlegen. Es könnte auch sein, dass der physische Ballabdruck eine andere und wahrheitsgemäßere Sprache spricht. Jedenfalls, wenn der richtige zur Überprüfung ausgewählt wird und es um die ganz knappen Entscheidungen geht.

Alternative Foxtenn?

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Einblendungen, die im Zweifel eine gar nicht vorhandene Beweiskraft suggerieren, wird da natürlich aufgeworfen. Zumal es mittlerweile mit dem Konkurrenzprodukt "Foxtenn" eine Alternative zum Hawk-Eye gibt, die einen gerade in dieser Causa sehr interessanten anderen Ansatz hat. Das Foxtenn-System setzt  auf echte Bilder von rund um den Court platzierten Hochgeschwindigkeits-Kameras, um den Ballaufsprung zu dokumentieren und dann auch dem Zuschauer als echtes Bewegtbild zu präsentieren. Zumindest die Veranstalter des Sandplatz-Events von Barcelona werden in diesem Jahr schon auf Foxtenn zurückgreifen.

(Bild © imago)

WAS IST DEINE MEINUNG?
Lustig

LUSTIG

0

Liebe

LIEBE

0

Oh man...

OH MAN...

0

Wow

WOW

0

Traurig

TRAURIG

0

Wütend

WüTEND

0

Christian Schwell
am 17.04.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

» Zu den Beiträgen von Christian Schwell