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Steffi Graf: Eine Jahrhundert-Sportlerin wird 50

14.06.2019|09:55 Uhr|von Christian Schwell
Steffi Graf: Eine Jahrhundert-Sportlerin wird 50

Die größte deutsche Tennisspielerin aller Zeiten, in den Augen vieler die größte deutsche Sportlerin aller Zeiten, feiert heute einen runden Geburtstag. Stefanie Maria „Steffi“ Graf wird fünfzig Jahre alt.

Sie wird diesen Geburtstag - soviel ist sicher - wie es ihrem Charakter entspricht in aller Ruhe und Gelassenheit feiern. Und vor allen Dingen höchst privat. Denn die große Show war auch schon während ihrer aktiven Zeit nicht ihre Sache. Sie scheute eher das Rampenlicht außerhalb des Courts, fremdelte tendenziell mit der großen Aufmerksamkeit, die ihr aufgrund ihres immensen Erfolgs ja weltweit ganz zu recht geschenkt wurde.

Trotz  "Becker-Boom": Unerreicht erfolgreich war Steffi Graf

Denn auch wenn der ungeheure Aufschwung des Tennis in unerreichte Beliebtheits-Höhen ab Mitte der 80er-Jahre gemeinhin als „Becker-Boom“ gebrandet wurde: Auf dem Platz noch weitaus erfolgreicher als ihr medial auch schon damals omnipräsentes männliches Pendant war Steffi Graf. „Fräulein Vorhand“, wie Graf wegen ihres herausragenden Schlages genannt wurde, eilte über Jahre hinweg von einem Erfolg zum nächsten und setzte Rekordmarken. 

Der Weg zur Spitze beginnt mit drei Jahren

Der Weg in die absolute Tennis-Weltspitze war dabei schon früh vorprogrammiert. Laut ihrem Vater Peter schlug sie schon im Alter von drei Jahren mit einem abgesägten Holzschläger über Stunden hinweg Bälle gegen die Wand. Der Vater erkennt das unglaubliche sportliche Talent seiner Tochter früh, fördert und fordert sie. Nach diversen großen Erfolge in der Jugend , in der sie national auch schon im Erwachsenenbereich für Aufmerksamkeit sorgt und im Juniorinnenbereich auch die Altersklassen über ihr klar beherrscht, startet sie schon im Alter von 13 Jahren und vier Monaten bei den Profispielerinnen der WTA.

"Ich will es aber so"

Das frühe Einsteigen in die Welt der Profis wird von vielen Seiten scharf kritisiert. Man fürchtet – und es mangelt ja auch nicht an schlechten Beispielen – das vorzeitige Ausbrennen des Supertalents. Graf wischt diese Bedenken selbst mit dem schlichten Satz „Ich will es aber so“ weg. Das knappe Statement zeigt ihren Charakter. Schon in jungen Jahren ist die Deutsche voller Beharrlichkeit auf ihren Sport fokussiert. Und wirklich nur auf ihren Sport. Das Drumherum, der Glamour und der Trubel scheinen sie eher abzuschrecken, zumindest aber nicht zu interessieren.

Ab 1986 reiht Graf Erfolg an Erfolg  - mit dem "Golden Slam" als Krönung

Auch bei den Profispielerinnen lassen die Erfolge nicht lange auf sich warten. Graf gewinnt bereits 1986 als 16-Jährige ihr erstes Profiturnier. Und reiht von da an Erfolg an Erfolg. Allein in dem Jahr gewinnt sie noch fünf weitere Turniere, 1987 dann bereits mit den French Open einen ersten Grand Slam, um kurz darauf auch erstmals die Führung in der Weltrangliste zu übernehmen.

Insgesamt kommt sie in ihrer Karriere bis zum Rücktritt 1999 auf 107 Turniersiege, davon gleich 22 bei Grand Slams. Sie gewinnt siebenmal in Wimbledon, sechsmal Roland-Garros, wird fünffache US-Open-Siegerin und triumphiert bei vier Australian Open. Ihre herausragenden Schläge und ihre Maßstäbe setzende Athletik lassen sie 377 Wochen an der Spitze der Weltrangliste stehen – bis heute ein Rekord. Die Dominanz, mit der sie die Tenniswelt zeitweise beherrscht, kulminiert im Jahre 1988 mit dem „Golden Slam“, als sie nicht nur alle vier großen Turniere innerhalb des Kalenderjahres gewinnt, sondern auch noch Gold bei den Olympischen Spielen in Seoul holt.

Der letzte Titel in Paris ist ihre "wundervollste Erinnerung"

Ihren letzten Titel holte sie kurz vor ihrem Rücktritt 1999 mit knapp 30 Jahren in Roland-Garros nach langwierigen Verletzungsproblemen in einem schon fast verlorenen Endspiel gegen die Schweizerin Martina Hingis. Graf hat diesen letzten Titel als „wundervollste Erinnerung“ ihrer Karriere bezeichnet.

Vielleicht auch, weil er in die Zeit einer bedeutenden und prägenden privaten Veränderung fällt. Denn Graf ist seit 20 Jahren mit ihrem heutigen Ehemann Andre Agassi liiert, der damals ebenfalls in Paris den Titel holte. Die Liaison zwischen dem vordergründig so extrovertierten Amerikaner und der stillen Deutschen wurde lange mit Skepsis betrachtet. Zu Unrecht, denn die beiden absoluten Superstars des Tennis führen eine komplett skandalfreie Beziehung, die sich nur höchst selten in der Öffentlichkeit abspielt. Gerade Graf hat sich fast vollständig zurückgezogen.

Grafs öffentliche Auftritte sind selten geworden 

Während viele ihrer Tennis-Weggefährten dem Tenniszirkus erhalten geblieben sind und im Trainerbereich oder als TV-Kommentatoren und Kommentatorinnen weiter um die Welt ziehen, sind öffentliche Auftritte der „Gräfin“ echte Mangelware. Mal eine Veranstaltung für einen ihrer immer noch vorhandenen Sponsoren, mal ein Event für ihre Stiftung „Children for Tomorrow“ – ansonsten findet Steffi Graf öffentlich kaum statt. Ihr Privatleben mit Ehemann Andre und den beiden mittlerweile auch schon fast erwachsenen Kindern bleibt genau das, privat nämlich.

Und wenn es dann doch nochmal engeren Kontakt zum Tennis gibt, z.B. wenn sie sich wie vor einigen Jahren einer schwächelnden Angelique Kerber als Trainingspartnerin und Ratgeberin zur Verfügung stellt, erfahren das Medien und Tennisfans erst hinterher und eher beiläufig. Und selten von Graf selber. Auf die Frage nach dem „Warum“ würde sie wahrscheinlich mit jetzt 50 Jahren genau wie im Alter von 13 Antworten: „Ich will es so“. Sie ist sehr gut gefahren mit dieser Einstellung und dieser Art von Eigensinn. Herzlichen Glückwunsch auch dazu, Steffi Graf!

(Bilder © imago images / Sven Simon)

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Christian Schwell
am 14.06.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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