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Historische Wimbledon-Nervenschlacht: Djokovic lässt Federer-Traum platzen

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14.07.2019|20:08 Uhr|von Dennis Ebbecke
Historische Wimbledon-Nervenschlacht: Djokovic lässt Federer-Traum platzen

Er hatte einen Traum – und hat sich diesen am 14. Juli 2019 gegen Novak Djokovic nicht erfüllen können. Obwohl er bereits Matchbälle hatte, konnte Roger Federer seinen neunten Wimbledon-Titel nicht einfahren und damit auch nicht mit Rekordhalterin Martina Navratilova gleichziehen.

Noch nie zuvor war es dem Schweizer gelungen, Rafael Nadal (im Halbfinale) und Novak Djokovic (im Endspiel) in ein und demselben Grand-Slam-Turnier zu schlagen. Jetzt steht fest: Nach dem 7:6 (5), 1:6, 7:6 (4), 4:6, 13:12 (3) zu Gunsten des „Djokers“ bleibt es dabei. Letzterer gewann alle drei Tiebreaks in diesem 5-Stunden-Krimi – darunter einen wahrlich historischen.

Nachdem Federer den Serben bei einem Major zuletzt 2012 geschlagen hatte und im direkten Duell bereits in zwei Wimbledon-Finals (2014 und 2015) unterlegen war, wollte er diesmal von Beginn an die Richtung vorgeben - zunächst mit Erfolg. Das Spiel des "Maestros" zeichnete sich durch mehr Slice-Bälle und Serve-and-Volley als in den vergangenen Matches aus.

Djokovic rutscht aus und schenkt den zweiten Satz ab

Ausgerechnet im Tiebreak unterliefen Federer jedoch zu viele Vorhandfehler, während Djokovic zeigte, warum er die Nummer eins der Welt ist: In den wichtigen Momenten ist er schlichtweg zur Stelle. Schlechtes Omen für Roger: Bei einem Grand Slam konnte er diesen Gegner noch nie ausschalten, wenn er mit Satzverlust ins Match gestartet war.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs wurden die Zuschauer auf dem Centre Court jedoch Zeuge einer Szene mit Symbolcharakter. Der Titelverteidiger rutschte aus und machte damit den Weg für Federer zum ersten Break in diesem Match frei. Doch damit nicht genug: Djokovic kassierte insgesamt drei Breaks (!) in diesem Durchgang, den er nahezu kampflos abgab. 

Dritter Satz: Wieder ein Match auf Augenhöhe

Im Anschluss an diesen letztlich "abgeschenkten" Satz gönnte sich Djokovic eine Toiletten-Pause, die ihm sichtlich guttat. Im dritten Durchgang bekamen die Tennis-Fans in Wimbledon wieder ein Match auf Augenhöhe zu sehen.

Und wie bereits in Satz eins fiel die Entscheidung im Tiebreak. War es dort die Vorhand, die Federer Probleme bereitet hatte, konnte er sich diesmal auf seine Rückhand nicht verlassen. Djokovic hingegen zeigte wieder einmal, dass er sich genau im richtigen Moment fokussieren und ihn selbst ein "Hänger" wie in Satz zwei nicht aus der Ruhe bringen kann.

Kurios: Federer ohne Breakball gegen sich mit 1:2-Satzrückstand

Dennoch: Die 2:1-Satzführung entsprach nicht wirklich dem Spielverlauf. Der aktivere Akteur war Federer, der bis dato nicht einen einzigen Breakball zugelassen hatte. Im vierten Durchgang konnte sich der Schweizer dann belohnen, als ihm die Breaks vier und fünf in diesem Finale zum 5:2 glückten. Ein Aufschlagspiel (sein erstes überhaupt) gab der 37-Jährige zwar ab, ließ sich den Satzausgleich jedoch nicht mehr nehmen.

Nun schien alles möglich! Die neue Wimbledon-Regel besagt, dass im fünften Satz bei 12:12 der Tiebreak entscheiden würde. Ausgeschlossen war dieses Szenario nicht. Erstmals geriet diese Option jedoch bei 2:1 für Djokovic ins Wanken, als sich der Serbe Breakchancen erarbeiten konnte, die Federer (noch) abwehrte. Doch dann war es soweit: Djokovic holte sich das Break zum 4:2, weil der Netzangriff seines Gegenübers zu halbherzig anmutete.

Irrer fünter Satz: Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Als viele dachten, es würde so langsam dahingehen, zeigte der "Maestro" Nehmer-Qualitäten - und Djokovic, dass auch er Nerven hat. Der Serbe verlegte eine Vorhand. Re-Break! Und der Centre Court verwandelte sich in ein Fußballstadion.

Was danach folgte,  hatte all das zu bieten, was diesen Sport auszeichnet - von kniffligen Momenten bis hin zu einem Becker-Hecht von Djokovic, der dessen Ex-Trainer Boris Becker stolz gemacht haben dürfte. Je weiter dieser Satz voranschritt, desto deutlicher wurde allerdings, dass Roger in dieser Phase in der Lage war, die langen Ballwechsel nicht nur mitzugehen, sondern auch zu seinem Vorteil zu nutzen.

Federer macht 15 Punkte mehr als Sieger Djokovic

Die Belohnung: Federer holte sich unter dem ohrenbetäubenden Jubel seiner Fans das Break zum 8:7. Doch das war es noch nicht. Als wäre nichts passiert, wehrte der "Djoker" im Anschluss mal eben zwei Matchbälle ab und holte sich das Break zurück. Nerven-Flattern? Fehlanzeige! Auch nicht, als der Serbe bei 11:11 einen 40:0-Vorsprung noch verspielte, zwei Challenges Federer Recht gaben und sich dieser Breakbälle erarbeiten konnte. Doch im Stile eines Champions tat Djokovic seinen Teil für den historischen Tiebreak.

Federer hatte es im Anschluss besonders eilig und stellte zu Null auf 12:12. Der erste Tiebreak in der Tennis-Historie bei diesem Stande war perfekt - und dieser ging - wie die beiden anderen in diesem epischen Finale zuvor - an den "Djoker".

Wäre es nach der Gesamtpunktzahl gegangen, hätte der Sieger auf den Namen Roger Federer gehört, der mit 218:203 "gewann" (15 Punkte mehr als Djokovic). Der Rest ist Wimbledon-Geschichte!

(Bilder (c) imago images)

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Dennis Ebbecke
am 14.07.2019 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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