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Eine Kabinenbegegnung soll die Wende bringen

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24.08.2019|09:00 Uhr|von Adrian Rehling
Eine Kabinenbegegnung soll die Wende bringen

Bei den French Open schrieben Kevin Krawietz und Andreas Mies Tennisgeschichte. Sie waren das erste rein deutsche Doppel seit 82 (!) Jahren, das einen Grand-Slam-Titel gewinnen konnte. Nun will das Duo bei den US Open nach zuletzt eher durchwachsenen Wochen zurück in die Erfolgsspur finden. MyTennis sprach im Vorfeld des Turniers mit Kevin Krawietz über den unerwarteten Ruhm, die neue sportliche Situation und eine ganz spezielle Begnung in der Umkleidekabine.

MyTennis: Es gibt dieses legendäre Bild von Euch beiden, auf dem Ihr einige Meter voneinander entfernt im Pariser Sand alle Viere von Euch streckt. Hängt es schon eingerahmt an Deiner Wand?

Kevin Krawietz (lacht): Nein, soweit ist es noch nicht. Aber einer unserer Sponsoren hat es auf Postergröße anfertigen lassen und nutzt es als Autogrammkarte. Es sieht echt richtig cool aus. Wir sollten mal ein T-Shirt damit bedrucken lassen.

MyTennis: Genug Geld sollte dafür ja vorhanden sein. Für den French-Open-Sieg gab es für jeden von Euch 290.000 Euro. Hast Du Dir davon schon etwas Besonderes gegönnt?

Krawietz: Ich habe bisher noch nicht zugeschlagen, aber am Ende das Jahres überlege ich mir mal was. Da werde ich mir was gönnen, vielleicht eine Uhr."

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„I can’t describe that feeling“ . . #doubles #rg19 #kramies #titel

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MyTennis: Apropos Uhr bzw. Zeit - Ganze 82 Jahre mussten vergehen, bis sich wieder ein deutsches Duo einen so bedeutsamen Titel holen konnte. Wie fühlt sich das mit ein wenig Abstand an?

Krawietz: Immer noch großartig. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn wir an Paris zurückdenken. Das wollen wir auch weiterhin so mitnehmen. 

MyTennis: Ist dadurch auch der Druck gewachsen?

Krawietz: Das würde ich eigentlich nicht sagen. Natürlich kommt von außen was rein, die Erwartungen sind gestiegen, die Gegner bereiten sich noch akribischer auf uns vor. Aber damit müssen wir klarkommen, unser Niveau noch weiter anheben und die Konkurrenz noch besser scouten. Von Druck würde ich dennoch nicht sprechen.

MyTennis: Und wenn Paris diese bekannten 15 Minuten Rampenlicht waren, jetzt kein großer Erfolg mehr kommt?

Krawietz: Egal wie es in der Zukunft kommt: Ich werde immer mit Begeisterung auf diese French Open 2019 zurückblicken. Es war ein besonderer Moment für uns, für das gesamte deutsche Tennis. Es gibt so viele starke Doppelspieler, die gefühlt jahrelang in den Top 10 oder sogar Top 5 standen, aber nie einen Grand Slam gewonnen haben. Das kann uns keiner mehr nehmen.

MyTennis: Schnippisch gefragt: Also Füße hoch und genießen?

Krawietz: Auf keinen Fall. Das heißt nicht, dass wir jetzt einfach so laufen lassen. Es würde mich stören, wenn da jetzt nichts mehr kommt. Dafür sind wir beide zu ehrgeizig und arbeiten täglich daran, noch bessere Tennisspieler zu werden. Dafür gilt es, nicht wie zuletzt weiterzumachen, sondern wieder eine Schippe draufzulegen.

MyTennis: Du sprichst es an, zuletzt lief es nicht nach Wunsch. 2:8-Niederlagen seit Paris ...

Krawietz: So hatten wir uns das auch nicht vorgestellt. Aber mit den Auftritten bei den größeren Turnieren ist natürlich auch die Konkurrenz stärker geworden. Außerdem wissen unsere Gegner, dass wir eines der größten Turniere der Welt gewonnen haben. Das sorgt bei ihnen nochmal für zusätzliche Motivation. 

MyTennis: Gibt es eine Idee, wie Ihr Euch aus dieser Situation befreien könnt?

Krawietz: In Cincinnati kamen wir nach einer erneuten Niederlage im Match-Tiebreak in die Umkleide. Dort saß Bob Bryan, mit Bruder Mike wohl der beste Doppelspieler aller Zeiten. Wir haben gefragt, wie die Beiden das machen. Bob hat gelacht und uns erklärt, dass auch sie schwierige Zeiten hatten. Seine Empfehlung war ganz einfach: 'Keep flipping the coin'.

MyTennis: Also einfach weitermachen?

Krawietz: Ganz genau. Irgendwann fällt die Münze wieder auf die richtige Seite, wenn man dran glaubt und weiter hart arbeitet.

MyTennis: Dazu blieb Euch zuletzt gefühlt kaum noch Zeit.

Krawietz: Es stimmt schon. Wir hatten viele Termine, haben zum Beispiel mit NHL-Stars zusammen Streethockey gespielt. Es waren viele sehr, sehr coole Sachen dabei, die wir auch gern gemacht haben. Aber irgendwann war die Grenze erreicht, da haben wir uns gesagt: 'Hey, das ist jetzt too much'. Wir mussten lernen, auch einfach mal 'Nein' zu sagen.

MyTennis: Also kein frühes Aus in New York?

Krawietz (lacht): NEIN!

MyTennis: Im Ernst: Wie weit kann es gehen?

Krawietz: Es klingt banal, aber unser vorrangiges Ziel lautet: Bestens vorbereitet zu sein und einfach gut spielen. Wir wollen die Tage in New York nutzen und genießen, wieder eine gewisse Freude an unserem Spiel entwickeln. Und dann schauen wir mal. Von der enttäuschenden Erstrundenniederlage bis zum nächsten großen Erfolg ist alles möglich.

(Bild (c) imago images / PanoramiC)

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Adrian Rehling
am 24.08.2019 gepostet von:
Adrian Rehling
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Adrian liebt seinen Job. Social-Media-Spürnase, bringt das nötige Quäntchen Boulevard ins Team. Gute Laune in Person.

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