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Roland Garros: Werden die neuen Bälle zum Problem für Nadal?

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19.11.2019|16:00 Uhr|von Christian Schwell
Roland Garros: Werden die neuen Bälle zum Problem für Nadal?

Was das Material angeht, sind die meisten Profis eigen. Ob es um das Gewicht und die Balance des Schläger oder die Beschaffenheit und Zugkraft der Saiten geht: Jeder in der Weltspitze hat da seine ganz persönlichen Vorlieben und lässt sich das Spielgerät individuell auf die eigenen Vorstellungen und die eigene Spielweise abstimmen. Und wenn der Racktet-Tuner und der Besaiter ihre Jobs ordentlich erledigen, hat es der Spieler ja auch komplett in der Hand, womit genau in der Hand er auf den Ball einschlägt.    

Unterschiedliche Bälle  haben unterschiedliche Eigenschaften

Genau bei diesem Ball, also dem anderen "Spielgerät" beim Tennis, sieht das ganz anders aus. Hier bestimmt der jeweilige Turnierveranstalter, welches Modell verwendet wird. Und deren Spiel- und Sprungeigenschaften sind, das weiß auch der Hobbyspieler, je nach Marke durchaus sehr unterschiedlich. Und kommen tendenziell der einen oder anderen Spielweise mehr oder weniger entgegen.

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We are excited to announce that Wilson will be the Official Ball of @rolandgarros starting in 2020!

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Das Ball-Karussell dreht sich in Paris von Babolat Richtung Wilson

Für die Herstellerfirmen ist es natürlich besonders prestigeträchtig und werbewirksam, bei den vier Grand-Slam-Turnieren als offizieller Spielball vertreten zu sein. Während in Wimbledon ( seit 1902 Slazenger) und den US Open (seit 1979 Wilson) zumindest die Marken über Ewigkeiten hinweg die gleichen geblieben sind, hat es in Melbourne und Paris auch in der jüngeren Vergangenheit Wechselspiele gegeben. Bei den Australian Open sogar erst im letzten Jahr, als von Wilson auf Dunlop umgestellt wurde.

Jetzt dreht man auch in Roland Garros erneut am Ball-Karussell. Seit 2011 wurde dort mit Bällen der Marke Babolat gespielt, im nächsten Jahr wird aber ein Wechsel Richtung des amerikanischen Herstellers Wilson stattfinden. Der Vertrag mit der US-Firma, der auch den Besaitungs-Service beim Turnier und neben den Bällen diverse weitere co-gebrandete Wilson/Roland Garros-Produkte einschließt, läuft über die nächsten fünf Jahre. Die Abkehr von Babolat lässt doppelt aufhorchen. Erstens ist es eine französische Firma, die hier das Sponsoring des Grand Slams im eigenen Land verliert. Und zweitens ist es  der Schläger- und Saiten-Ausstatter Rafael Nadals. Also des Spielers, der sich in Paris die größte Dominanz der Tennisgeschichte bei einem der Slams aufgebaut hat.

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What is your ideal clay court combination? ⠀⠀ #PlayToBeWild

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Kein Vorteil mehr für Rafa?

Nadal hat das mit seiner ureigenen spinorientierten Spielweise geschafft. Und die letzten Jahre lang eben auch mit den Bällen seines eigenen Ausrüsters. Bei deren Einführung im Jahre 2011 unkte dann auch die direkte Konkurrenz, namentlich Roger Federer und Novak Djokovic, dass die damals neuen Bälle das Topspin-Spiel des Mallorquiners noch besser unterstützen als die zuvor verwendeten Filzkugeln der Marke Dunlop. Egal ob das nun stimmte oder ganz oder teilweise eine Mischung aus Einbildung und Verschwörungstheorie war: Einen Ball, der so gar nicht nach seinem Gusto ist, wird der Ausrüster seinem damals und heute besten Zugpferd bei dessen absoluten Lieblingsturnier zumindest sicher nicht bereitgestellt haben.   

Wilson dagegen hat hat keine eigenen (monetären) Interessen daran, vorrangig dem Weltranglistenersten einen besonders vorteilhaften Ball für die Jagd auf  den dreizehnten Titel in Paris zur Verfügung zu stellen. Man wird abwarten müssen, wie sich der neue Ball, den Wilson eigener Aussage nach speziell für die Sandplätze von Roland Garros entwickeln will, dann tatsächlich letztendlich spielt. Die Möglichkeit, dass sein Sprungverhalten die Topspin-Vorhand des Spaniers wenigstens etwas entschärft, ist aber durchaus gegeben. Vorteil durch den Ballwechsel also für die Konkurrenz, besonders auch für den zweimalig unterlegenen Finalgegner Dominic Thiem, der pikanterweise allerdings auch beim alten Ball-Hersteller Babolat unter Vertrag steht?   

Der Ball ist nur ein kleines Puzzleteil

Einerseits durchaus ja, denn jede Veränderung der Rahmenbedingungen ist zunächst mal eine Gefahr für denjenigen, der mit dem alten Setup am besten gefahren ist. Andererseits hält die langjährige Liebesgeschichte zwischen Rafa und Roland Garros in dieser Frage eben auch ein großes "aber" bereit: Seine ersten fünf Titel in Paris zwischen 2005 und 2010 holte Nadal in der Pre-Babolat-Zeit mit Dunlop-Bällen. "Neue Bälle" können also wahrscheinlich doch nur ein kleines Puzzleteil beim Vorhaben der Konkurrenz sein, den zwölffachen Gewinner mal wieder vom Thron zu stoßen.               

(Bild: (c) imago images / PanoramiC)  

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Christian Schwell
am 19.11.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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