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Kommt die Renaissance der einhändigen Rückhand?

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29.11.2019|10:00 Uhr|von Christian Schwell
 Kommt die Renaissance der einhändigen Rückhand?

Kein Schlag im Herren-Tennis wird so sehr über die "B-Note" bewertet wie die Rückhand. Spieler, die sie in ihrer beidhändigen Variante schlagen, können so effektiv, konstant und kraftvoll damit sein wie sie wollen - wirklich ins Schwärmen geraten Kommentatoren wie Fans eher, wenn der Ball einhändig geschlagen über das Netz fliegt. Bei den meisten anderen Schlägen im Tennis überwiegt bei der Beurteilung unabhängig von der Art der Schlagausführung, was letztendlich dabei heraus kommt. Die einhändige Rückhand dagegen wird zusätzlich immer wieder zurecht über ihre Ästhetik definiert. 

International erfreute und erfreut man sich über viele Jahre hinweg an den Rückhandschlägen von Federer, Wawrinka oder Gasquet. Und auch im deutschen Spitzentennis war die einhändige Rückhand lange dominant und immer präsent. Angefangen mit Boris Becker und Michale Stich, dann weitergeführt von Spielern wie Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber.    

Die beidhändige Rückhand dominiert im Welttennis seit Jahrzehnten mehr und mehr 

Genau deswegen wird der Schlag auch immer wieder ins Zentrum ängstlicher Diskussionen gesetzt. Alle paar Jahre wird er erneut medial als "vom Aussterben bedroht" ausgemacht. Und es ist ja auch klar zu sehen: Die beidhändige Rückhand, die erst Ende der 60er Jahre wirklich im Tennis etabliert wurde, hat spätestens seit den 70ern des letzten Jahrhunderts mit Spielern wie Jimmy Connors und Björn Borg einen echten Siegeszug angetreten, der sich in den 2000ern noch beschleunigte. Waren vor gut 10 Jahren ungefähr die Hälfte der besten 100 Profis mit einer einhändigen Rückhand unterwegs, sank die Zahl zuletzt dramatisch. 2016 war noch jeder fünfte ein Einhänder, aktuell findet man Ende der Saison 2019 nur noch 15 Spieler mit nur einer Hand am Schläger unter den Top 100. Das letzte Grand-Slam-Endspiel zwischen zwei Einhändern war das der Australian Open 2007, als Roger Federer den Chilenen Fernando Gonzales bezwang. 

Tsitsipas, Shapovalov, Thiem: Gibt es eine nachhaltige Renaissance des Einhänders?

Vor zwei Wochen machten nun aber wieder zwei jüngere Profis mit einhändiger Rückhand ein großes Finale unter sich aus. Stefanos Tsitsipas (21) und Dominic Thiem (26) spielten zwar nicht bei einem Grand Slam, aber bei den Tour Finals das Endspiel. Dieses hat schon 2017 mit Grigor Dimitrov ein weiterer Mittzwanziger mit einhändiger Rückhand für sich entschieden. Und in der letzten Woche sorgte dann mit Denis Shapovalov (Kanada), der sich 2019 auch schon ins Masters-Finale von Paris gespielt hat, ein weiterer ganz junger Spieler für Furore. Nach dem Endspiel wurde er von niemandem Geringeren als dem Weltranglistenersten Rafael Nadal als ein Spieler geadelt, der das besondere Etwas hat. Teil dieses "Etwas" ist mit Sicherheit seine beeindruckende, teilweise spektakulär im Sprung geschlagene einhändige Rückhand. 

Gibt es also eine nachhaltige Renaissance dieses Schlages in der Weltspitze? Schaut man sich die aktuelle Junioren-Weltrangliste an, ist davon eher nicht auszugehen. Nur zwei der besten 20 Junioren auf der Welt,  der Italiener Lorenzo Musetti und der US-Amerikaner Toby Kodat, sind Einhänder.  Der beidhändige Rückhand-Schlag ist gerade im Kinder- und Jugendbereich oft die verlockendere Alternative, weil es  - auch aus Kraft-Gründen -  einfacher gelingt, einen sicheren und kompakten und damit erfolgversprechenderen Schlag zu formen.

Die Variabilität als großer Pluspunkt

Allerdings hat die einhändige Rückhand-Variante trotzdem auch ihre Vorteile. Sie sieht eben nicht nur gut aus, sondern sorgt auch dafür, dass Spieler variabler mit einem guten Slice agieren, ein erfolgreiches "Transition-Game" Richtung Netz entwickeln und dort auch mit technisch guten Volleys punkten. Unter diesem Gesichtspunkt könnte es dann sogar indirekt zum langfristigen "Überleben" des Schlages im Profitennis beitragen, wenn nicht allzu viele Spieler auf dieses Mittel zurückgreifen und die die Pluspunkte der Technik für einige Spitzenspieler zu einer Art Alleinstellungsmerkmal werden. Thiem, Tsitsipas und Shapovalov machen es vor. Und auch der oben angesprochene Lorenzo Musetti hat es schon gezeigt. Mit 16 Jahren holte er sich im Januar den Junioren-Titel bei den Australian Open. Mit viel Variabilität in den Schlägen. Mit der Einhändigen gegen die komplette beidhändige Konkurrenz.     

(Bild: (c) imago images)    

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Christian Schwell
am 29.11.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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