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Rafael Nadal 2019: Zwei Grand Slams und die Rückkehr an die Spitze

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02.12.2019|16:00 Uhr|von Christian Schwell
Rafael Nadal 2019: Zwei Grand Slams und die Rückkehr an die Spitze

Die Bilanz des Rafa Nadal für die Saison 2019 liest sich triumphal: Siege in Roland Garros und New York und damit die Grand-Slam-Erfolge 18 und 19, dazu die Titel bei den Masters-Turnieren von Rom und Montreal und  - nach der Rückeroberung der Weltranglistenposition eins - als Sahnehäubchen noch der Mannschafts-Erfolg mit Spanien beim Davis Cup. Besser geht es kaum - und das in einem Jahr, in das der mittlerweile 33-jährige Mallorquiner nicht unbedingt komplett überzeugt gestartet war und das auch später noch schwierige Momente für in parat haben sollte.    

Ein Saisonauftakt der gemischten Gefühle

Der Saisonauftakt beim ersten Grand Slam in Melbourne geriet zu einer Angelegenheit gemischter Gefühle. Ende 2018 hatte sich Nadal einer Operation am Sprunggelenk unterziehen müssen, Bauchmuskeln und Knie machten ihm wiederholt Schwierigkeiten. Entsprechend wurde die Vorbereitung auf den ersten Saisonhöhepunkt auch zum Wettlauf mit der Zeit.

Den schien Nadal, der als Nummer zwei der Welt in die Saison ging,  zwei Wochen lang gewonnen zu haben, bevor er nach sechs glatten und überzeugenden Siegen im Finale dem Serben Novak Djokvic genau so glatt aber wenig überzeugend unterlag. Djokovic zeigte dem Spanier in dessen fünften Australian-Open-Endspiel ganz klar die aktuellen Grenzen auf. So chancen- und hilflos hat man Nadal in einem Spiel höchst selten erlebt, der Linkshänder fand über drei Sätze hinweg nie ein echtes  Mittel gegen das Grundlinien-Feuerwerk Djokovics. 

Nach Indian Wells stand die Saison auf der Kippe

Auch in der Folge hatte "Rafa" Mühe, auf der absoluten Höhe seines Schaffens zu agieren. In Acapulco verlor er schon im Achtelfinale knapp gegen Nick Kyrgios, in Indian Wells war es dann wie schon so oft wieder eine Entzündung im Knie, die Nadal nicht zu seinem Halbfinale antreten ließ. Anschließend sagte er nicht nur das folgende Masters in Miami ab. Wie Trainer Carlos Moya später erklärte, stand zu diesem Zeitpunkt bei einem ob der erneuten Verletzung frustrierten Nadal sogar die gesamte weitere Saison zur Disposition.       

Man entschied sich aber doch im Team Nadal, zur europäischen Sandplatzsaison wieder ins Wettkampf-Tennis einzusteigen. Die Rückkehr auf Nadals Lieblingsbelag, auf dem er die Konkurrenz wie kein zweiter über seine Karriere hinweg dominiert hat, gestaltete sich aber- zumindest für die Maßstäbe des "King of Clay" - auch noch eher holprig. In Monte Carlo scheiterte der 11-fache Sieger "schon" im Halbfinale am Italiener Fabio Fognini und auch anschließend gab es in Barcelona und Madrid gegen Dominic Thiem und Stefanos Tsitsipas Niederlagen in den Vorschlussrunden.    

Der Sieg in Rom als Wendepunkt Richtung Paris-Sieg

Gerade in diesem Moment, als Nadal angeschlagen und verunsichert wirkte und die Dominanz auf der roten Asche erstmals dauerhaft zu bröckeln schien, gelang es dem Linkshänder aus Manacor aber, beim Turnier in Rom eine Wende einzuläuten. Nicht nur, dass er seinen ersten Titel in diesem Jahr holte, war ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz. Vor allen Dingen die Art und Weise, in der Nadal Sätze über die Turnierwoche hinweg gleich reihenweise beherrschte, war ein Hinweis darauf, dass da einer den Schalter erfolgreich umgelegt hatte. 

Dieser Eindruck sollte sich dann in Paris bei Nadals zwölften Titelgewinn eindrucksvoll bestätigen. Der Sandmann war wieder da und auch Dominic Thiem konnte bei seinem zweiten Finale in Folge in Roland Garros nur einen Satz lang ernsthaft dagegen halten. 

Auf die Rasen-Niederlage folgt der Hartplatz-Triumph 

Auch bei seinem einzigen Rasenturnier des Jahres zeigte der Spanier dann in Wimbledon, dass er seine Form wiedergefunden hatte. Nach einem souveränen Lauf ins Halbfinale kam es wie zuvor in Paris zum heiß ersehnten Duell mit dem ewigen Rivalen Roger Federer. Diesmal setzte sich in ihrem ersten Aufeinandertreffen an der Church Road seit dem Final-Klassiker von 2008 aber der Schweizer durch.   

Nadal gelang es trotzdem, seine guten Leistungen auch im amerikanischen Hartplatz-Sommer fortzusetzen. Der Titel in Montreal mit einem Finalsieg über Daniil Medvedev war ein Fingerzeig darauf, dass Nadal auch bei den US Open eine Hauptrolle spielen könnte. Dass es in New York dann die exakt selbe Endspiel-Konstellation geben würde, damit rechneten zu diesem Zeitpunkt allerdings wahrscheinlich trotzdem nur wenige. Für Nadal war es in einem epischen Finale der äußerst hart erkämpfte 19. Grand-Slam-Erfolg, bei dem er nach einer komfortablen 2:0-Satzführung noch über fünf Sätze und an seine Grenzen gehen musste.


Nadal holt sich die Nummer eins und den Davis Cup

Danach schien es erst so, als würde eine Handgelenkverletzung einen erfolgreichen Saisonabschluss verhindern. Wie schon so oft  ging Nadal angeschlagen auf die Zielgerade des Jahres, ließ die Asien-Tour sausen und musste zusätzlich nach drei Siegen im Masters von Paris vor seinem Halbfinale gegen Denis Shapovalov kurzfristig wegen einer Bauchmuskel-Verletzung passen. Der mittlerweile wieder Weltranglistenerste trat dann aber in London bei den Tour Finals an, um seine Spitzenposition zum Jahresabschluss gegen Novak Djokovic zu verteidigen. Nach eher schleppenden Beginn gegen Alexander Zverev fuhr er noch zwei Vorrundensiege ein - das reichte zwar nicht fürs Halbfinale, aber in Kombination mit dem gleichzeitigen vorzeitigen Aus der Nummer zwei aus Serbien zur Sicherung der Nummer eins am Jahresende.   

Erfolge auch dank veränderter Taktik

Was dann noch folgte, war eine echte Energieleistung. Nadal führte beim Davis-Cup-Endturnier seine Spanier zum Sieg und trat dabei nicht nur fünfmal im Einzel, sondern auch noch dreimal im Doppel an. Dass er dies Mitte November noch konnte, ist wahrscheinlich auch das Ergebnis der Veränderungen in seinem Spiel, die 2019 noch deutlicher als in den Vorjahren zu erkennen waren.

Nadal und Moya haben erkannt, dass er im fortgeschrittenen Tennis-Alter nicht mehr in jedem Match vorrangig darauf setzten darf, vorrangig die Physis über den Ausgang entscheiden zu lassen. Entsprechend hat er sein Spiel umgestellt, versucht häufiger, Punkte früh im Ballwechsel zu entscheiden und sucht auch erstaunlich oft die Entscheidung am Netz. Dabei kommen dann auch seine lange von vielen unterschätzten Fähigkeiten bei Volley und Überkopfball zum tragen. Wie gut ihm diese Adaption in diesem Jahr gelungen ist, lässt sich an den überragenden Ergebnissen 2019 deutlich ablesen.   

(Bild: (c) imago images / ZUMA Press)      

     

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Christian Schwell
am 02.12.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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