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Die 5 geilsten Herren-Matches der Saison 2019

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05.12.2019|16:00 Uhr|von Christian Schwell
Die 5 geilsten Herren-Matches der Saison 2019

Auch die ATP-Saison 2019 hat wieder eine Vielzahl von interessanten, hochklassigen und spektakulären Matches produziert. Hier eine Auswahl von fünf Partien, die sich garantiert auch langfristig ins Gedächtnis der Fans einbrennen werden.   

04.08.2019 - Nick Kyrgios schlägt Stefanos Tsitsipas im Halbfinale von Washington:
6:4, 3:6,7:6 (7) 

Falls jemand ein Match sucht um irgendwelche Zweifler davon zu überzeugen, dass auch nach dem Rücktritt von Federer, Nadal und Co noch attraktives und emotionales und spektakuläres Tennis gespielt werden wird - hier ist eins: Das Duell zwischen dem Griechen Stefanos Tsitsipas und dem Australier Nick Kyrgios in Washington bot so ziemlich alles, was man sich von einem Tennisspiel wünschen kann. Und war gleichzeitig einer der Beweise dafür, dass auch ein Nick Kyrgios, der sich nicht in negativen Emotionen und komplett unnötigen Trickschuss-Serien komplett verliert, a) hochgradig unterhaltend und dazu noch b) äußerst erfolgreich sein kann. 

Kyrgios spielte mehr als einen Satz lang gegen einen ebenfalls gut aufgelegten Tsitsipas Tennis vom Feinsten und sah mit einer Satz- und Breakführung im Rücken schon fast wie der sichere (Zweisatz-)Sieger aus. Dann aber zog der junge Grieche seinen Kopf aus der Schlinge und erzwang den dritten Durchgang. In dieser Turnierwoche, die er am Ende ja auch mit dem Finalsieg über Daniil Medvedev krönen sollte, gelang es Kyrgios aber, mit solchen Rückschlägen klar zu kommen, seine spielerische Linie nicht zu verlassen und stattdessen den Fight  anzunehmen. Selbst als Tsitsipas zum wiederholten mal in diesem Turnier das Spiel verzögerte, weil er seinen Schuh wechseln wollte, nahm Kyrgios dies mit Humor und machte sich als "Paketbote" nützlich:

Im Tiebreak des dritten Satzes wehrte der Australier einen Matchball ab und verwandelte anschließend bei 8-7 seinen eigenen - nicht ohne vorher einen Fan dazu konsultiert zu haben, wohin er seinen Aufschlag platzieren solle. Kyrgios hat nach dem Turniersieg in der amerikanischen Hauptstadt davon gesprochen, sich dort in Bezug auf seine Vorbereitung professioneller als sonst verhalten zu haben. Und dass sich dies sofort in seinem Erfolg niedergeschlagen habe. Gerade nach den Rückfällen in negative Verhaltensmuster später im Jahr sollte er sich eventuell an diese Worte erinnern. 


02.06.2019 - Stan Wawrinka schlägt Stefanos Tsitsipas in Runde vier von Roland Garros:
7:6 (6), 5:7 6:4, 3:6, 8:6

Nicht, dass noch der Eindruck entsteht, dass die Highlights der Saison grundsätzlich aus Niederlagen von Stefanos Tsitsipas bestehen. Aber auch nach dieser spektakulären Partie war es der junge Grieche, der komplett enttäuscht als Verlierer den Platz verließ. Gewonnen hatte aber auf jeden Fall nicht nur Stan Wawrinka, sondern auch jeder Zuschauer, der diesen Kampf über fünf Stunden und neun Minuten miterleben durfte.

Beide Spieler ließen in diesem intensiven Sandplatz-Duell vor einem begeisterten Publikum alles auf dem Platz. Der Schweizer profitierte dabei vor allen Dingen von seiner Nervenstärke in den entscheidenden Situationen. In einer Partie auf absoluter Augenhöhe wehrte er insgesamt 22 Breakbälle seines Gegners ab, allein acht davon im entscheidenden Satz, der anders als bei den anderen drei Grand-Slam-Turnieren ausgerechnet auf der kräftezehrenden Asche von Paris noch bis zum  - diesmal für Tsitsipas - bitteren Ende ausgespielt wird. Für Tsitsipas war das Aus ein echter mentaler Schock, von dem er sich erst spät im Jahr wieder so richtig erholte. Das dann aber bei den ATP Finals mit Nachdruck. 


12.11.2019: Dominic Thiem schlägt Novak Djokovic in der Gruppenphase bei den ATP Tour Finals in London:
6:7 (5), 6:3, 7:6 (5)

Ein Match, das in seinem Ablauf eigentlich wie gemacht für das Mentalitäts-Monster namens Novak Djokovic war, am Ende mit Dominic Thiem aber doch einen anderen verdienten Sieger hatte. Für den Österreicher waren seine bisherigen drei Auftritte in London echte Lehrjahre gewesen. Gegen die Konkurrenz an der Spitze der Weltrangliste hagelte es in den Vorjahren zu diesem Zeitpunkt der Saison regelmäßig klare Niederlagen. Diesmal kam Thiem in einer anderen Verfassung und mit einem anderem Selbstbewusstsein auf Hartplatz in die O2 Arena. Das Spiel gegen Djokovic bezeichnete der 26-Jährige im Anschluss als das "vielleicht beste Match" seiner Karriere. Und man kann ihm da zustimmen. 

Gegen einen ganz sicher nicht schlecht spielenden Djokovic, der auf diesem Court und bei diesen Bedingungen schon die gesamte Weltelite in ihre Schranken verwiesen hat, zeigte Thiem eine herausragende spielerische Leistung. Aber auch ganz enorme Fähigkeiten in Bezug darauf, mit Rückschlägen innerhalb einer Partie umzugehen. Thiem spielte schon einen überragenden ersten Satz und geriet trotzdem in Rückstand. Abe ließ sich  nicht aus der Bahn werfen, sondern kam zurück, obwohl ihm zuvor nie ein Sieg auf Hardcourt gegen den Serben gelungen war. Auch diesmal sah er bei 1-4 im entscheidenden Tiebreak des dritten Durchgangs schon tendenziell wie der Verlierer aus. Mit einer kompromisslosen Aggressivität von der Grundlinie, die man gegen Djokovic bisher wahrscheinlich nur von Stan Wawrinka in seinem besten Zeiten erlebt hatte, gelang es Thiem aber, auch das noch gegen den wahrscheinlich besten Defensivspieler des Tennis zu seinen Gunsten zu biegen. 

08.09.2019 - Rafael Nadal schlägt Daniil Medvedev im Finale der US Open 2019:
7:5, 6:3, 5:7, 4:6, 6:4

Daran, dass dieses Match unter den Highlights des Jahres auftaucht, wird Rafael Nadal wahrscheinlich wenig Interesse gehabt haben, als er bei einer 2:0-Satzführung einem routinierten Start-Ziel-Sieg gegen den jungen Russen entgegen zu streben schien. Dann aber geschah Ungewöhnliches. Medvedev, der zwar in den Wochen vor den US Open seine überragende Form bewiesen hatte, aber in Endspielen auf dieser Ebene komplett unerfahren war, fügte sich nicht in sein scheinbar vorbestimmtes Schicksal. 

Stattdessen übernahm er mehr und mehr die Initiative und spielte aggressiver. Nadal, der als bester Front-Runner der Szene gilt, entglitt die Kontrolle über die Partie überraschend. Nicht nur den Satzausgleich musste er hinnehmen: Als das Match im fünften Satz dann mit zwei Breaks Vorsprung für den Spanier erneut schon entschieden schien, kam Medvedev noch einmal zurück - jedenfalls fast. Bei 5:4 aus Nadals Sicht und Breakball hatte Medvedev das Arthur Ashe Stadium längst in ein Tollhaus verwandelt. Der letzte Schritt zum Ausgleich sollte ihm dann aber doch nicht mehr gelingen. Nadal brachte sein Service durch und holte sich den 19. Grand Slam seiner Karriere, was ihn in absolute Tuchfühlung zu Roger Federer bringt. 


14.07.2019: Novak Djokovic schlägt Roger Federer im Finale von Wimbledon:
7:6 (5), 1:6, 7:6 (4), 4:6, 13-12 (3) 

Ähnlich wie die US-Open-Partie zwischen Nadal und Medvedev hatte auch das diesjährige Endspiel von Wimbledon - normal für ein Spiel über fünf Sätze - seine weniger spektakulären Phasen. Noch mehr als das Finale in New York erlangte es aber seine Epik durch die gesamte Dramaturgie und die äußeren Umstände. Niemals stand Roger Federer so dicht davor, sich seinen 21. Grand-Salm-Titel zu sichern. Und es wird ihm wohl auch niemand absprechen, dass er es sich durch sein Auftreten in diesem Match verdient gehabt hätte. Das Londoner Publikum, das zu fast 100 Prozent auf seiner Seite stand, schon gar nicht. Der Schweizer spielte über weite Strecken gegen Djokovic mit der genau richtigen Mischung aus Angriffslust und Kontrolle, schlug  fast 100 Winner und brillierte mit einer hohen Erfolgsquote am Netz. 

All das verließ ihn aber in den vier entscheidenden Phasen dieser Partie auf fatale Art und Weise. Einmal in den drei Tiebreaks der Partie, und dann in einem Ballwechsel kulminierend, als er bei 8:7 im fünften Satz zum Match Aufschlug und bei 40:30 seinen zweiten Matchball hatte. Seine Vorhand-Angriffsball geriet die entscheidenden Zentimeter zu kurz, der Lauf Richtung Netz etwas zu zögerlich und zu sehr auf den Fehler Djokovics hoffend. Der passierte kurz cross und holte sich am Ende im ersten bei 12:12 ausgespielten Endspiel-Tiebreak der Wimbledon-Geschichte den Titel gegen einen am Boden zerstörten Federer, der sich sehr bewusst war, welch große Chance er hier liegen gelassen hatte. Neben der Tragik für Federer bleibt von diesem bemerkenswerten Match aber auch die enorme Willensleistung Djokovics haften, der sich mit seinem Sieg und dem damit 16. Titeln bei Grand Slams auch weiter stark im Rennen um die meisten Turniersiege auf dieser Ebene  hält. 

(Bild: (c) imago images / ZUMA Press)  

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Christian Schwell
am 05.12.2019 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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PROFIS AUS DEM BEITRAG

Dominic Thiem
Austria Dominic Thiem ATP #3
Nick Kyrgios
Australia Nick Kyrgios ATP #40
Daniil Medvedev
Russia Daniil Medvedev ATP #5
Stefanos Tsitsipas
Greece Stefanos Tsitsipas ATP #6
Novak Djokovic
Serbia Novak Djokovic ATP #1
Roger Federer
Switzerland Roger Federer ATP #4
Rafael Nadal
Spain Rafael Nadal ATP #2
Stan Wawrinka
Switzerland Stan Wawrinka ATP #17