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ATP Cup: Gekommen um zu bleiben

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13.01.2020|09:45 Uhr|von Christian Schwell
ATP Cup: Gekommen um zu bleiben

Das war er nun, der erste ATP Cup. Die namensgebende ATP hat ihre Muskeln gegenüber der ITF spielen lassen, ihr Großprojekt aus dem Boden gestampft und in den engen Turnierkalender gepresst, nur sechs Wochen nach dem eigenen Team-Zukunftsprojekt des Tennisweltverbandes namens Davis-Cup-Finalturnier. Und sogar nur eine Woche vor dem eigentlichen ersten großen Saisonhöhepunkt, den Australian Open, die als Grand-Slam-Turnier ebenfalls unter ITF-Regie veranstaltet werden.

Die ATP hat geklotzt und nicht gekleckert

Dabei wurde geklotzt und nicht gekleckert. 10 Tage statt nur eine Woche Spielzeit wie beim Davis Cup in Madrid, gleich 24 statt 18 Teams, drei Austragungsorte quer über Australien verteilt, Ranglistenpunkte und 22 Millionen Dollar Preisgeld. Das Turnier wurde mehr oder weniger ohne Rücksicht auf Verluste mit aller Macht durchgedrückt. Der beliebte Hopman Cup, die einzige Veranstaltung im Kalender in der Frauen und Männer in einem Teamwettbewerb zusammen spielten, wurde trotz großer Beliebtheit bei Spielern und Zuschauern und einer 20-jährigen Tradition beerdigt. Genau so sind dem neuen Baby der ATP die regulären Turniere von Brisbane und Sydney zum Opfer gefallen. Auch wenn in dieser Woche jetzt in Adelaide ein neu geschaffenes Herrenturnier gespielt wird: Den nicht am ATP Cup teilnehmenden Spielern ist in der Summe ein Turnier verloren gegangen, bei dem es um Punkte, Preisgeld und Wettkampfpraxis Richtung Australian Open ging.

Andere Events im Schatten des neuen Wettbewerbs

Mit einem Verlust an Aufmerksamkeit wurde dagegen das Turnier in Doha und das gesamte Damentennis bestraft. Der alles erdrückende ATP Cup mit seinen unzähligen über den Tag verteilten Begegnungen ließ kaum medialen Platz für zeitgleich stattfindende andere Veranstaltungen, in Brisbane ließ er für die Damen beim WTA Turnier über Tage hinweg nicht einmal Platz auf dem Center Court. Die weiblichen Profis wurden nicht nur im übertragenen Sinne an den Rand gedrängt, sie mussten ihre Spiele komplett auf den Außenplätzen austragen.

Das Publikum nimmt den ATP Cup an

Trotz oder wahrscheinlich sogar auch wegen dieser brachialen Vorgehensweise kann die ATP die erste Ausgabe ihres Cups aber durchaus als großen Erfolg feiern. An zwei von drei Austragungsorten waren die Zuschauerzahlen besser als die der Vorgänger-Veranstaltungen, vor allen Dingen aber wurden die Begegnungen, gerade die ohne Beteiligung des Gastgeberlandes, vom Publikum in Australien sehr viel besser angenommen als die Davis-Cup-Endrunde im November in Madrid. Die Fans ließen sich von den Schwächen des Modus und der der Qualifikationsregeln, gerade in der Gruppenphase manchmal doch extremen Unterschieden im Leistungsniveau oder Duellen zwischen dem durchschnittlichen Tenniszuschauer eher unbekannten Profis, nicht abschrecken.

Viel Spieler-Engagement trotz Termin in der Vorbereitungsphase 

Und auch die Spieler haben das Turnier trotz seiner zeitlichen Nähe zu den Australian Open und obwohl noch niemandem klar sein kann, welchen Stellenwert ein Sieg in diesem neu geschaffenen Wettbewerb einmal in der Tennishistorie einnehmen wird, gut angenommen. Bis auf Roger Federer, der mittlerweile eh recht autark nur noch seine ureigenen Interessen verfolgt, haben sich die Topprofis dem Wettbewerb nicht verweigert. Im Gegenteil, der Team-Spirit scheint hier in vielen Fällen mal wieder wahre Wunder gewirkt zu haben und hat bei vielen Spielern dazu geführt, auch zu diesem eigentlich als höchst individuelle Vorbereitungsphase deklarierten Zeitpunkt der Saison - teilweise sogar emotional tendenziell überengagiert - alles für die eigene Mannschaft in die Waagschale zu werfen.

Dass dann diverse kaum zu beeinflussende Dinge auch noch oben drauf ganz im Sinne der ATP verlaufen sind, der neu geschaffene Videobeweis in wichtigen und kritischen Situationen erfolgreich zum Einsatz kam, es denkbar knappe Entscheidungen in den Doppeln gab und am Ende auch noch ausgerechnet die Teams des Weltranglistenersten und der Nummer zwei vor einem Quasi-Heimpublikum den Titel im Finale unter sich ausgemacht haben, hat bei der Premiere sein Übriges zum Erfolg beigetragen.

Vorteil für den Newcomer

Es bleibt weiterhin sehr fraglich ob es dauerhaft Sinn macht, gerade mit einem so kurzen Abstand hintereinander zwei sehr ähnlich aufgebaute Herren-Teamwettbewerbe wie den neuen Davis Cup und den ATP Cup zu spielen. Oder ob am Ende nur eines dieser Turniere überleben kann und sollte. Im direkten Vergleich hat sich das Newcomer-Event aber überraschend stark positioniert. Zumindest nach dem ersten Duell heißt es: Vorteil ATP Cup.

(Bild: (c)  imago images / AAP)

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Christian Schwell
am 13.01.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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