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Mal Genie, mal Rüpel - Eine absolute Legende wird 40

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27.01.2020|16:40 Uhr|von Fabian Buß
Mal Genie, mal Rüpel - Eine absolute Legende wird 40

Für die einen  war er einer der schillerndsten Persönlichkeiten auf der ATP-Tour, für die anderen ein Rüpel und ein schlampiges Genie, das zu wenig aus seinem Talent machte. Die Rede ist von Marat Safin. Am heutigen Montag feiert der Russe seinen 40. Geburtstag. Zurzeit ist er bei den Australian Open zu Gast. An dem Ort, wo er einen seiner größten sportliche Momente erlebte. 2005 gewann er in Melbourne einen seiner zwei Grand-Slam-Titel.

Marat Safin hat ohne Zweifel Tennisgeschichte geschrieben. Er gewann 15 Turniere (darunter zwei Grand-Slam-Titel), war neun Wochen die Nummer eins der Welt und holte mit Russlands goldener Generation den lang ersehnten Davis-Cup-Titel. Die nackten Zahlen werden der Karriere des Ausnahmesportlers aus Moskau allerdings nicht gerecht, denn der Russe hat nicht nur sportlich, sondern vor allem mit seinem extrovervierten Verhalten für reichlich Aufsehen gesorgt. Legendär ist sein Auftritt in Roland Garros, als er während seines Zweitrundensieges gegen Félix Mantilla auf dem Platz strippte und seine Hosen herunterließ - ganz zur Freude seiner zahlreichen weiblichen Fans. Zudem war er berüchtigt für seine Ausraster. Er zertrümmerte unzählige Schläger und legte sich gerne mit Schiedsrichtern an. Diese Wutausbrüche brachten ihn zwar viele unnötige Niederlagen ein, gleichzeitig wuchs dadurch aber auch seine Popularität. Denn die Fans wussten, wenn Safin auf dem Platz steht, dann bekommen sie Spektakel geboten. Mal Genie, mal Wahnsinn. Aber immer unterhaltsam.

Siege gegen Kuerten und Sampras in deren "Wohnzimmer"

Es zeichnete sich früh ab, dass der 1,93 Meter große Schlacks über enormes Talent verfügt. Safins Mutter war eine ehemalige Top-Ten-Spielerin in Russland, sein Vater führte einen Tennisclub in Moskau. Die Eltern trimmten ihren Sprößling früh auf den Profisport und der Plan ging auf. Mit 14 zog er nach Valencia, um auf Sand zu trainieren. Die Quälerei in der spanischen Sonne zahlte sich aus und 1997 spielte er mit 17 Jahren in Moskau sein erstes Match auf der Profitour. Der junge Kerl zeigte keine Angst vor großen Namen und bereits ein Jahr später sorgte er weltweit für Aufsehen, als er Andre Agassi und Gustavo Kuerten bei den French Open in jeweils fünf Sätzen bezwingen konnte. Die Karriere verlief zunächst nur in eine Richtung: Steil nach oben! 2000 gewann er mit den US Open sein erstes Grand-Slam-Turnier. Im Finale besiegte er völlig überraschend den viermaligen US-Open-Sieger Pete Sampras glatt in drei Sätzen in dessen "Wohnzimmer". Die Weltpresse verneigte sich und feierte Safin als neuen Superstar, doch der Gefeierte selbst hielt dem hohen Erwartungsdruck nicht stand.

Sein Tennisalbtraum heißt Roger Federer

Manche Experten behaupten heute, Safin selbst wollte dem Druck nicht stand halten. Denn die damalige Nummer eins der Welt konzentrierte sich nicht immer auf den Sport , sondern vergüngte sich lieber abseits des Courts auf Partys. 2002 unterlag der favorisierte Safin beispielsweise überraschend Thomas Johansson im Finale der Australian Open. Wohl auch deshalb, weil er damals zu lange in seinen 22. Geburtstag am Finaltag hineingefeiert haben soll. In seiner Spielerbox gab es im Endspiel zumindest einen ungewöhnlich hohem Damenanteil, die Safin den Ruf eines "Tennis-Playboys" einbrachten. Im insgesamt dritten Finalanlauf gelang ihm dann doch noch der lang ersehnte Sieg bei den Australian Open. 2005 bezwang er Lleyton Hewitt im Endspiel in vier Sätzen.

Der größer Rivale im Laufe seiner Karriere war Roger Federer, an dem sich Safin schier die Zähne ausbiss. Insgesamt zwölf Mal standen sich die beiden Legenden gegenüber, und nur zwei Mal konnte sich der Mann aus Moskau durchsetzen. Vor allem auf Rasen schaffte es der aufschlagstarke Russe nicht, den Schweizer zu bezwingen. So verlor er unter anderem das Finale beim Rasenturnier in Halle. "Er ist mit Abstand der Beste. Er spielte Katz und Maus mit mir", sagte Safin über Federer in einem Interview mit Socrates. Es sei ihm fast nie gelungen, läuferisch und spielerisch mit dem Rekordchampion mitzuhalten. "Es war jedes Mal der pure Albtraum“, so Safin. Seinen größten Triumph gegen den "Maestro" feierte Safin in Melbourne, als er ihn 2005 im Halbfinale ausschalten konnte.

Wechsel in die Politik nach dem Karrierende

Während Federer heute noch der gelben Filzkugel hinterherjagt, ist Safin längst Tennisrentner. Bereits im Alter von 29 Jahren beendete er nach der Saison 2009 seine Profikarriere. Regelmäßige Verletzungen und starke Leistungsschwankungen hatten Safin entnervt, sodass er die Lust am Tennis verlor. „Niederlagen interessieren mich nicht mehr. Das ist okay, es ist eben das Ende“, sagte er nach seinem letzten Auftritt bei den US Open.

Safin zog sich aus der Tenniswelt zurück und suchte sich eine neue Herausforderung außerhalb des Sports. Die fand er in der Politik. Bei der Parlamentswahl in Russland 2011 wurde Safin für Einiges Russland, die Partei Wladimir Putins, als Abgeordneter des Wahlkreises Nischni Nowgorod in die Duma gewählt. Sechs Jahre erfüllte er diese Aufgabe, ehe er sein Mandat zurückgab.

Trainerjob? Safin ist für alles offen

Knapp zehn Jahre nach seinem Rücktritt ist er nun wieder zurück auf der internationalen Tennisbühne. Bei der ersten Ausgabe ATP Cups in Australien Anfang 2020 fungierte er als russischer Teamkapitän. Auch beim Davis Cup und jetzt bei den Australien Open unterstützt er seine Landsmänner. Das Match von Karen Khachanov gegen Nick Kyrgios verfolgte er in dessen Spielerbox. Die Russen verfügen mit Daniil Medvedev, Andrey Rublev und eben Khachanov über drei riesige Talente, die von der Erfahrungs Safins enorm profitieren könnten. Der zweifache Grand-Slam-Champion ist einem Engagement als Trainer zumindest nicht abgeneigt. "Ich würde nicht ablehnen, aber es hat sich niemand gemeldet. Ich könnte nicht das ganze Jahr mitreisen, aber einige Wochen wären möglich. Die Spieler benötigen ohne keinen Babysitter", sagte Safin Ende 2019 beim Mastersturnier in Paris. Für den Tennissport wäre es auf jeden Fall eine Bereicherung, wenn solch eine Legende, die 2016  in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen wurde, wieder häufiger auf der ATP-Tour zu sehen ist. Denn Safin gehört noch immer zu den schillerndsten Persönlichkeiten, die dieser Sport zu bieten hat.

(Bild (c) imago images / Claus Bergmann und imago images / AA)

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Fabian Buß
am 27.01.2020 gepostet von:
Fabian Buß
Als kleiner Junge stand Fabian erstmals auf dem Tennisplatz und als Teenie schaute er fasziniert dem jungen Roger Federer am Hamburger Rothenbaum zu. Diese Faszination ist bis heute geblieben und spornte ihn an, Redakteur zu werden und über Sport zu berichten. Sein Motto: „Der Ball ist rund und man weiß nie, was passieren wird!“

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