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Unfassbarer Fight! Federer wehrt 7 Matchbälle ab

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28.01.2020|08:45 Uhr|von Adrian Rehling
Unfassbarer Fight! Federer wehrt 7 Matchbälle ab

Dieses Viertelfinale war einfach nur verrückt. In einem irren Spiel rang Roger Federer den krassen Außenseiter Tennis Sandgren nieder.

Am Ende eines verrückten Matches durfte der Schweizer ein 6:3, 2:6, 2:6, 7:6, 6:3 bejubeln. Schon vor dem Match hatte der 20-fache Grand-Slam-Sieger nur lobende Worte für seinen Kontrahenten parat: "Ich wundere mich, warum Tennys nicht höher in der Rangliste steht. Ganz ehrlich. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, spielt er sehr gut. Er hat jede Menge gute Elemente in seinem Spiel, die verdienen, dass er höher steht.

Im ersten Durchgang war es aber dennoch der große Favorit, der das Tempo kontrollierte. Ohne überragend zu sein, dominierte Federer gegen den 28-Jährigen, setzte sich Mitte des Durchgangs auf 4:2 ab und konnte sich nach 35 Minuten über die Satzführung freuen. Federer schien nach dem Drama gegen John Millman und dem Satzrückstand gegen Marton Fucsovics auf dem Weg zu einem Routine-Sieg zu sein.   

Im zweiten Satz verlor der Schweizer dann aber den Faden. Plötzlich häuften sich die Fehler und die Quote beim ersten Aufschlag ging nach unten. Sandgren konnte breaken - so überraschend, dass selbst Stuhlschiedsrichterin Marijana Veljovic zwischenzeitlich fälschlicherweise ein 3:1 für Federer verkündete. In Wirklichkeit aber spielte sich der Amerikaner nun frei und kam immer wieder zu schönen, aber vor allem leichten Punktgewinnen.

Der Amerikaner festigte das Break gegen einen Federer, dem seine Unzufriedenheit über das eigene Spiel in dieser Phase deutlich anzumerken war.  Immer wieder schüttelte der Schweizer nach diversen Rahmentreffern auf der Vorhandseite genervt den Kopf. Besserung stellte sich aber dennoch nicht ein. Im Gegenteil: Der 38-Jährige kassierte ein weiteres Break und damit den Satzausgleich.

Federer wird verwarnt und behandelt

Und die Sorgenfalten in der Federer-Box sollten nicht weniger werden: Auch das erste Aufschlagspiel in Durchgang drei ging für den unruhigen Weltranglistendritten verloren. Anschließend kam es dann zu einem Ereignis mit höchsten Seltenheitswert, denn der sonst so eloquente Federer kassierte auf Hinweis einer Linienrichterin tatsächlich eine Verwarnung wegen "verbal abuse" (Anm.: Beschimpfung).

Bei 0:3 aus der Sicht des Schweizers gab es dann eine mögliche Erklärung für seine Unruhe: Federer ließ sich behandeln, ohne das der genaue Grund vorher offensichtlich geworden wäre. Da die Behandlung außerhalb des Platzes stattfand, kamen aber vor allen Dingen Probleme im unteren Rücken- oder Leisten-Bereich in Frage.    

Als er auf den Court zürückkehrte, fragten sich alle: Was ist mit Roger Federer? Der Gesichtausdruck und auch die Körpersprache waren besorgniserregend, doch der Maestro brachte sein erstes Aufschlagspiel nach der Behandlung durch. Beim 2:4-Rückstand und Service Sandgren erspielte sich der Schweizer sogar ein 15:30 - Sandgren wankte aber nicht, machte drei Punkte in Serie. Und verwandelte kurz darauf mit dem fünften Breakball zur 2:1-Satzführung.

Sandgren lässt die ersten drei Matchbälle liegen

Während beim Amerikaner die Faust kam, ging Federer mit gesenktem Kopf zum Seitenwechsel. Der Weltranglisten-Dritte versuchte auch im anschließenden vierten Satz, die Ballwechsel so kurz wie möglich zu halten, spielte "One-Shoot-Tennis". Durchaus mit Erfolg, denn bis zum 5:4 für Sandgren blieb alles in der Reihe.

Würde der Außenseiter Sandgren sein Nervenkostüm stabil halten können? Vorerst ja, denn der Amerikaner erspielte sich nach knapp zweieinhalb Stunden den ersten Matchball. Tennys war gut in der Rallye, schlug dann aber eine leichte Rückhand ins Netz. Federer servierte ihm mit einem leichten Vorhandfehler den zweiten Matchball, aber erneut verzog Sandgren leichtfertig.

Mit einem großartigen Return sicherte sich die Nummer 100 der Welt die dritte Möglichkeit - und ließ auch diese Chance ungenutzt. Sandgren bekam zu spüren, wie schwer es ist, ein Match gegen Roger Federer auch wirklich so schließen. Kurz darauf stand es 5:5, also doch wieder alles in der Reihe. Und urplötzlich hatte Federer - nach einer genialen Vorhand genau ins Dreieck - die Breakchance auf dem Schläger. Aber dieses Mal zeigte sich Sandgren im Abwehren hellwach. 6:5 für den Amerikaner. Federer brachte seinen Aufschlag im Anschluss durch, der Tiebreak musste also entscheiden: Sensation oder Satz fünf?

Federer gibt sich einfach nicht geschlagen

Als sich Sandgren dann von 3:3 auf 6:3 und die Matchbälle vier bis sechs gesichert hatte, bereiteten sich alle auf die Sensation vor. Bis auf einer: Roger Federer. Zwei schnelle Punkte beim eigenen Aufschlag, dann ein überragender Punktgewinn zum 6:6-Ausgleich. Es blieb dabei: Gegen den Schweizer musst du ein Match erstmal zumachen.

Die nächste Möglichkeit hatte Sandgren direkt im Anschluss beim 7:6, der siebte Matchball. Wie schon so oft zuvor war der Amerikaner gut im Ballwechsel drin, ehe Federer ihn mit einem kurzen Slice ans Netz lockte - und erneut zu einem Fehler zwang. Dann war es an Federer, sich auf einmal den ersten Satzball zu sichern. Abgewehrt von Sandgren, mit einem Ass genau auf die Linie. Doch Roger hielt den Ball nun sicherer im Spiel, ging kaum Risiko, profitierte dafür aber von einem weiteren Fehler Sandgrens. Satzball Federer - diesmal verwandelte er nach einem spektakulären Schlagabtausch. Die Zuschauer in der Rod Laver Arena riss es von den Sitzen.

15:0 im Viertelfinale der Australian Open

Jetzt war es wieder da, das Vertrauen in sich selbst. In dem Wissen, selbst angeschlagen gegen die meisten Spieler der Welt gewinnen zu können. Beim 1:0 ließ Federer zwar noch zwei Breakchancen liegen, beim 4:2 war er dann aber zur Stelle. DIe Vorentscheidung, denn Sandgren war sichtlich ge- und entnervt.

Knapp eine Stunde zuvor mehr als am Rande einer Niederlage, nun einen genialen Lauf fortgesetzt. Denn wenn Roger Federer im Viertelfinale der Australian Open steht, ist er einfach nicht zu bezwingen. Das 15. Match - der 15. Triumph. Eine unfassbare Serie. Im On-Court-Interview sagte er: "Ich glaube an Wunder. Du musst auch einfach mal Glück haben. Und heute hatte ich unglaubliches Glück!"

Nun wartet der glückliche Schweizer auf seinen kommenden Gegner, der im Anschluss im zweiten Viertelfinale des Tages zwischen dem großen Titelfavoriten Novak Djokovic und Milos Raonic ermittelt wird.

(Bild (c) imago images / Xinhua)

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Adrian Rehling
am 28.01.2020 gepostet von:
Adrian Rehling
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Adrian liebt seinen Job. Social-Media-Spürnase, bringt das nötige Quäntchen Boulevard ins Team. Gute Laune in Person.

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