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Der irre 182-(!)-kmh-Return-Winner

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12.02.2020|15:10 Uhr|von Christian Schwell
Der irre 182-(!)-kmh-Return-Winner

Wenn es um echte "Schnellschüsse" auf der Vorhandseite geht, fallen im Bezug aufs Herrentennis immer wieder die gleichen Namen. Geht es um die Vergangenheit, wird gerne auf Fernando Gonzales oder James Blake verwiesen. Aktueller wird sehr oft der Argentinier Juan-Martin del Potro ins Spiel gebracht,  auch Nick Kyrgios, Gael Monfils oder Jo-Wilfried Tsonga haben ihre Vorhand über die Jahre hinweg schon öfter mal so richtig krachen lassen. 

Die Vorhand ist eigentlich Paires anerkannter Wackel-Schlag 

Benoit Paire, der Landsmann der beiden letztgenannten Franzosen, kommt in solchen Aufzählungen allerdings eher nicht vor. Ganz im Gegenteil. Egal ob als Return oder aus dem Ballwechsel heraus: Die Vorhand der 30-jährigen aktuellen Nummer 19 der Weltrangliste gilt als DIE große technische Bau- und Schwachstelle beim Rechtshänder. Es ist der Bestandteil seines Spiels, der ihn noch mehr als alle seine zumindest für die Erfolgsmaximierung im Profitennis wahrscheinlich nur suboptimalen Charaktereigenschaften davon abgehalten hat, die hohen Erwartungen, die man gerade in Frankreich lange an ihn hatte, vollständig zu erfüllen.   

Paire ist sich seiner Schwäche auch durchaus bewusst. In Interviews rät er höchstpersönlich davon ab, seine Vorhand-Bewegung zum Vorbild zu nehmen. Und auf dem Platz ist er in einer Ära, in der die allermeisten Profis mindestens zwei Drittel des Platzes mit der Vorhand abdecken, einer der ganz wenigen, der auch mittige Schläge des Gegners gerne mal lieber vorsichtshalber mit der beidhändigen Rückhand in Angriff nimmt.

Der 182 km/h-Kracher in Rotterdam

Gestern trat er beim Turnier von Rotterdam allerdings den Beweis an, dass zumindest sein Armzug im Fall der Fälle durchaus schnell genug ist um mit den brachialsten Vorhand-Hämmern der Szene mitzuhalten. Gegen den Slowenen Aljaz Bedene lag Paire nach verlorenem ersten Durchgang auch in Satz zwei aussichtslos zurück. Und entschloss sich dann bei einem harmlosen zweiten Aufschlag des Gegners mit der Vorhand voll durchzuladen.     

Ein Ausrufezeichen ohne Nachhaltigkeit  

Das Ergebnis war ein Schuss ins Eck, bei dem Paire eher weniger Maß nehmend als komplett frei schwingend den Ball auf sagenhafte 182 km/h beschleunigte. Naturgemäß konnte Bedene diesem Strahl nur hinterher schauen. Ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit war Paires Return-Kracher aber ganz und gar nicht. Der bekannteste Vollbart der Tour gewann zwar diesen Punkt direkt mit seinem ersten Schlag, insgesamt war seine Leistung als Returnierender aber weder vorher noch nachher dazu angetan, Bedene in Schwierigkeiten zu bringen. Zu diesem Punktgewinn gesellten sich über zwei Sätze gerade noch zwölf weitere Erfolgserlebnisse als Rückschläger, am Ende sollte trotz des rekordverdächtigen Ausrufezeichens eine klare 2:6, 4:6-Niederlage stehen.         

 Bild: (c) imago images / AAP | Screenshot: Twitter / TennisTV)

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Christian Schwell
am 12.02.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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