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Die schwersten Bewährungsproben der Tennis-Geschichte

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17.03.2020|16:00 Uhr|von Dennis Ebbecke
Die schwersten Bewährungsproben der Tennis-Geschichte

Das neuartige Coronavirus stellt die Welt auf den Kopf - und damit auch das globale Tennis. Während die aktuelle Saison vorübergehend pausiert, machen sich Spieler, Turnierdirektoren und Fans Sorgen um die Zukunft ihrer Sportart. Wir haben es mit der schwersten Bewährungsprobe der Tennis-Geschichte zu tun - jedoch nicht mit der ersten, wie die folgenden Beispiele vom Seles-Attentat bis zur momentanen Krise zeigen.

Beginnen müssen wir jedoch mit der dunkelsten Stunde unserer Historie, die die Welt über den Sport hinaus maßgeblich verändert hat: dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen.

Die Zeit nach dem "Golden Age"

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war in Bezug auf den Tennissport von einem Goldenen Zeitalter ("Golden Age") die Rede. Eine Ära, die mit der Machtübernahme des NS-Regimes ein furchtbares Ende fand. 1938 wurde der als "Tennis-Baron" bekannte deutsche Spieler Gottfried von Cramm von der Gestapo wegen angeblicher Homosexualität verhaftet. Die Zerstörung während des Krieges machte natürlich auch vor den Tennisplätzen dieser Welt nicht Halt. Der Center Court von Wimbledon war durch Bombenangriffe schwer beschädigt worden, das Stade Roland Garros wurde vorübergehend in ein Gefangenenlager umfunktioniert. Vor diesen Hintergründen ist es erstaunlich, dass alle Grand-Slam-Turniere bereits 1946 wieder ihren Betrieb aufnahmen.

Konkurrierende Verbände

Mit der Gründung der Spielergewerkschaft ATP 1972 für die männlichen Profispieler und der WTA für die weiblichen Profispieler ein Jahr später bekamen die Akteure endlich mehr Mitspracherecht. In den Jahren zuvor hatten vor allem die Spannungen zwischen den damals konkurrierenden Verbänden ILTF und WCT das Herren-Tennis vor eine harte Probe gestellt. Doch auch in den ersten Jahren nach der Gründung waren die Probleme noch an der Tagesordnung. Niki Pilic etwa wurde von der ILTF gesperrt, weil er zu einem Davis-Cup-Duell nicht erschienen war. Die ATP-Spieler erklärten sich solidarisch und riefen 1973 zu einem Wimbledon-Boykott auf. Knapp über 90 Spieler kamen dem nach.

Das Attentat auf Monica Seles

Die Bilder vom 30. April 1993 werden Tennis-Fans für immer in ihren Köpfen behalten. Monica Seles, die damals weltbeste Tennisspielerin wurde während ihres Viertelfinalmatches gegen Magdalena Maleewa am Hamburger Rothenbaum von einem gewissen Günter Parche während eines Seitenwechsels niedergestochen. Der "Anhänger" von Steffi Graf wollte mit diesem Attentat die Vormachtstellung der Jugoslawin (die 1994 US-Bürgerin wurde) beenden. Der psychisch gestörte Mann erreichte sein Ziel, denn die Deutsche übernahm wenige Wochen später die Führung in der Weltrangliste. Seles überlebte das Messerattentat zwar, hatte jedoch lange Zeit mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen. Und auch ihre eheamlige Konkurrentin Graf litt unter diesem schrecklichen Ereignis.

Bereits am Tag nach dem Attentat wurden die Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöht. Hinter jeder Spielerin saß ein Sicherheitsbeamter und die Bänke der Akteurinnen wurden 1,50 Meter weiter in den Platz hineingeschoben. Der Auswirkungen des Messerangriffs auf Seles sind bis heute im Tennis spürbar.

Buschbrände in Australien

Bereits der Start ins Jahr 2020 verlief alles andere als plangemäß. Bekanntlich startet jede neue Tennis-Saison in "Down Under". Schon im Vorfeld der Australian Open werden auf dem fünften Kontinent diverse Vorbereitungsturniere ausgetragen. Aufgrund der Buschbrände kam es diesmal aber zu unerwarteten Problemen. Große Rauchwolken über den Tennisanlagen waren im Januar an der Tagesordnung. Über Atemprobleme klagende Profis und Spielabbrüche waren die Folge - auch in der Qualifikation zum ersten Grand Slam des Jahres. Viel schlimmer als diese Begleiterscheinungen waren jedoch die fürchterlichen Auswirkungen der Brände auf die in Australien lebenden Menschen und Tiere.

Das Coronavirus

Der 12. März 2020 ging in die Tennis-Geschichte ein. An diesem Tag verkündete die ATP, dass die Tour aufgrund des Coronavirus für die nächsten sechs Wochen pausieren werde. Damit war klar, dass mindestens die Turniere in Indian Wells, Houston, Marrakech, Monte Carlo, Barcelona und Budapest nicht stattfinden werden - bis zum 26. April ruhen die Filzkugeln definitiv. Was danach passiert, ist Stand jetzt nicht seriös vorherzusagen. Die WTA-Tour ruht bis mindestens zum 2. Mai.

Keine Frage: Diese Maßnahmen sind die einzig richtige Entscheidung, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Dennoch sind die Folgen für die Turnierdirektoren und Spieler groß. Chaotische Ausreise-SituationenChaotische Ausreise-Situationen wie in Kasachstan und die Zukunftssorgen von SpielernZukunftssorgen von Spielern, die in der Weltrangliste nicht ganz vorne stehen, begleiteten uns in den vergangenen Tagen. Und das war erst der Beginn einer der schwersten Bewährungsproben der Tennis-Geschichte. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Liebe zu diesem einzigartigen Sport vieles verkraften kann. An diese Hoffnung sollten wir uns klammern ...

(Bild (c) imago images / Laci Perenyi / LaPresse / Montage)

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Dennis Ebbecke
am 17.03.2020 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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