Jetzt die App myTennis runterladen!

Auch unterwegs immer informiert bleiben & die Welt des Tennis entdecken.

Billboard : 4475835
Pro

Jennifer Capriati - Ein tragisches Wunderkind wird 44

Leaderboard : 4475810
Top : 4475800
29.03.2020|09:20 Uhr|von Christian Schwell
Jennifer Capriati - Ein tragisches Wunderkind wird 44

Die öffentlichen Auftritte der einst als Wunderkind titulierten Jennifer Capriati, die am 29. März ihren 44. Geburtstag feiert, sind rar geworden. Höchst selten, wie zuletzt bei den WTA Finals 2018, erspät man sie noch als Ehrengast bei einem Tennisturnier, ansonsten ist wenig zu sehen von der Amerikanerin und noch weniger zu hören über ihr aktuelles Leben. 

Zu früh im Rampenlicht

Das ist auch kein Wunder, denn Capriati ist leider zum Synonym einer Spielerin geworden, der ein allzu früher Eintritt ins Rampenlicht des Weltsports und ein Erwachsenenwerden unter dem Blick der Öffentlichkeit viel Schaden zugefügt hat. Sicher, auch Menschen jenseits von Starruhm haben oft mit Problemen zu kämpfen, diejenigen der Jennifer Capriati aber nicht mit der frühen Berühmtheit und dem noch früheren Drill zum Erfolg zu verknüpfen, erscheint blauäugig. 

Zum Erfolg gedrillt

Capriati wird von ihrem Vater Stefano schon ab dem Alter von drei Jahren bedingungslos mit der Zielsetzung einen Tennissstar zu erschaffen trainiert und aufgebaut. Das trägt tatsächlich auch frühe Früchte. Schon mit dreizehn Jahren wird sie 1990 Profi, nur eine Ausnahmegenehmigung der WTA macht das möglich. Vater Stefano hat darauf gedrängt, die Spielerinnen-Organisation nachgegeben. Als sie schon nach kurzer Zeit ein Endspiel erreicht, scheint der Erfolg ihm und den Verantwortlichen recht zu geben. 

Der Hype ist gerade in den USA entsprechend groß, die amerikanischen Tennisfans lechzen nach einer Nachfolgerin ihrer Erfolgsspielerin Chris Evert. "Wunderkind" und "Dream Teen" sind die Begrifflichkeiten, die für Capriati verwendet werden. Schon bevor ihre Karriere so richtig losgeht wird sie mit hochdotierten Werbeverträgen ausgestattet und hat finanziell ausgesorgt. Und das junge Mädchen erfüllt in den ersten Jahren auch weiter die Erwartungen, krönt erfolgreiche erste Jahre 1992 mit der olympischen Goldmedaille von Barcelona, wo sie die große Steffi Graf im Endspiel besiegt.


"Ich dachte dann, niemand mag mich"

Doch Capriati kann dem Druck des Gewinnen-Müssens nicht dauerhaft standhalten, verknüpft ihr persönliches Selbstwertgefühl mit ihrem sportlichen Erfolg und landet so in einer psychischen Sackgasse. "Ich dachte dann, niemand mag mich", beschreibt sie ihre Gefühle nach Niederlagen. Eine Pleite bei den US Open 1993 leitet eine erste Abkehr vom Tennis ein, fortan bestimmt Capriati andere Schlagzeilen, wird wegen Ladendiebstahls verhaftet und bekommt Drogenprobleme. All das wird von der Boulevardpresse natürlich genüsslich ausgeschlachtet.

Große Erfolge und große Probleme wechseln sich ab

Sie spielt aber auch wieder Tennis, in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eher mit mäßigem Erfolg, dann aber ab 2001 so gut wie nie zuvor: Capriati holt sich zweimal den Titel bei den Australian Open, triumphiert auch in Roland-Garros und wird die Nummer eins der Welt. Es ist eine Art retardierendes Moment in ihrem persönlichen Drama, denn auch diese Titel führen ihr Leben nicht endgültig in ruhigere Fahrwasser.

2004, sie ist erst 28 Jahre alt, verabschiedet sie sich mit Rückenproblemen endgültig vom Profitennis und kämpft im Anschluss erneut immer wieder mit persönlichen Problemen. Capriati leidet unter Depressionen und wird 2010 wegen einer Drogen-Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert. 2013 gibt es dann wieder Negativ-Schlagzeilen, als ihr Ex-Freund eine Klage wegen Körperverletzung und Stalking gegen sie anstrengt. Seitdem ist es ruhiger um sie geworden, Interviews und öffentliche Auftritte sind Mangelware. Man sollte dem Geburtstagskind wahrscheinlich wünschen, dass es so bleibt.    

(Bild: (c)  imago images / ZUMA Press)

WAS IST DEINE MEINUNG?
Lustig

LUSTIG

0

Liebe

LIEBE

0

Oh man...

OH MAN...

0

Wow

WOW

0

Traurig

TRAURIG

0

Wütend

WüTEND

0

Christian Schwell
am 29.03.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

» Zu den Beiträgen von Christian Schwell