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Stan, Domi oder Roger: Was ist eure Traum-Rückhand?

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07.04.2020|12:55 Uhr|von Christian Schwell
Stan, Domi oder Roger: Was ist eure Traum-Rückhand?

Die Rückhand in ihrer einhändigen Variante übt eine besondere Faszination auf Tennisfans aus. Es mag sein, dass Beidhänder häufig durchaus ähnliche Wirkung mit ihren Rückhandschlägen erzeugen, wenn aber von der Schönheit und Ästhetik des Schlages gesprochen wird, haben meist die Einhänder in der Diskussion die Nase vorne.

Zudem ist die ältere Variante des Grundschlags auch ein echter Überlebenskünstler. Seit beidhändige Rückhände in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts vermehrt in der Weltspitze aufgetaucht sind, wurde der Rückhand mit einer Hand am Griff immer wieder wenn nicht das Aussterben, so mindestens aber der Fall in die Bedeutungslosigkeit im Spitzensport prophezeit. Das ist nicht passiert, auch aktuell spielt noch ein Viertel der Top 20 bei den Herren den Grundschlag einhändig, von den ersten vier Spielern der Weltrangliste sind zur Zeit sogar die Hälfte Einhänder.

Gerade auch in der DACH-Region scheint es noch mehr als anderswo Anhänger dieser Schlagart zu geben. Becker, Stich oder Haas sind deutsche Beispiele, die herausragenden Österreicher Muster und Thiem zwei weitere. Und insgesamt 23 Grand-Slam-Titel durch die Einhänder Roger Federer und Stan Wawrinka sprechen für die Schweiz eine deutliche Sprache. Die drei Letztgenannten mischen auch aktuell noch mit ihren herausragenden Rückhänden in der absoluten Weltspitze mit.          

Stan Wawrinka: Das Powerpaket

Kaum ein anderer Spieler wird so sehr über seinen hart geschlagenen Rückhand-Drive definiert wie der Schweizer. In der Phase, in der sich Wawrinka recht spät in seiner Karriere noch vom underperformenden Top-20-Akteur zum Grand-Slam-Champion entwickelt hat, hat er sich in vielen Bereichen verbessert. Sein Aufschlag ist zu einer Waffe geworden, wie alle anderen Top-Spieler baut auch er viele Ballwechsel über seine Vorhand auf.

Den Unterschied aber macht weiterhin seine formidable Rückhand. Die kann er so beschleunigen, dass er auch von dieser Seite aus in der Lage ist, selbst gegen einen wie Novak Djokovic ganz regelmäßig Winner zu fabrizieren und diesen in Grundlinienduellen zu dominieren oder auszukontern. Ein Wawrinka in Form schafft es wie kaum ein zweiter, auf seiner Rückhandseite immer wieder auch unterschiedlich angespielt den Treffpunkt zu finden, der ihm eine maximale Kraftübertragung auf den Ball erlaubt. Das Resultat ist dann oft spektakulär und beendet den Punkt. 

 Dominic Thiem: Der späte Wechsler

Thiem hat sich auf Rat seines langjährigen Trainers Günter Bresnik erst spät dazu entschlossen, die Rückhand von der beidhändigen Variante auf den Einhänder umzustellen. Vordergründig ohne Not, denn auch mit beiden Händen am Schläger war der Österreicher schon ein absolut herausragender Juniorenspieler. Bresnik sah in der beidhändigen Rückhand Thiems aber nicht genügend offensives Potential. Die Umstellung war ein durchaus schwieriger und längerfristiger Prozess, auf dem Weg gab es auch spielerische Rückschläge. In Österreich kam damals Kritik auf, nicht jeder sah den Schritt als notwendig und sinnvoll an. Wenn man aber sieht, wie Thiem heute mit seiner Rückhand in der absoluten Weltspitze agiert und sie variantenreich und dominant einsetzt, kann man nur konstatieren: Alles richtig gemacht.


Roger Federer: Das Taktik-Genie

Obwohl Federer immer eine grundsätzlich technisch saubere und effiziente Rückhand hatte, stand dieser Schlag bei all den anderen Stärken des Jahrhundert-Spielers aus der Schweiz über weite Strecken seiner Karriere nicht so sehr im Rampenlicht. Mit Aufschlag, Vorhand oder Volley punktete Federer oft spektakulärer, dass seine taktisch klug und variantenreich eingesetzte Rückhand diese Schläge häufig entscheidend vorbereitete, übersah manch Beobachter dabei. So hatte auch der von Federer gerne eingesetzte Slice seine Berechtigung und seine anteil an vielen Erfolgen, weil der 20-fache Grand-Slam-Sieger mit dieser Variante über die Jahre unzählige Ballwechsel neutralisiert oder Gegner in unangenehme Platzpositionen getrieben hat. 

Ab seinem Comeback 2017 hat Federer dann einen neuen taktischen Ansatz aus dem Hut gezaubert. Und das mit Riesenerfolg. Vielleicht sogar ein wenig aus der Not geboren und wissend, dass er in dieser Phase seiner Karriere Ballwechsel abkürzen muss und eine Platzposition nahe an der Grundlinie noch essentieller für den Erfolg geworden ist, ging er dazu über, die Rückhand vermehrt offensiv im Aufsteigen zu nehmen. In den extremsten Ausformungen dieser Taktik spielt er den Ball eher als Halbvolley denn als herkömmlichen Grundschlag und macht den Platz damit klein und das Spiel extrem schnell. Bei solchen Schlägen zeigt sich regelmäßig, dass der mittlerweile 38-Jährige selbst für die Verhältnisse im Spitzentennis mit einer ganz außergewöhnlich guten Koordination gesegnet ist.


  (Bild: (c) imago images / ZUMA Press)

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Christian Schwell
am 07.04.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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