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An dieser Nummer eins biss Roger sich die Zähne aus

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14.04.2020|12:55 Uhr|von Christian Schwell
An dieser Nummer eins biss Roger sich die Zähne aus

Seit ein jugendlicher Schweizer im September 1997 zum ersten Mal auf der Weltrangliste geführt wurde, um in den nächsten Jahrzehnten die Tennisgeschichte zu verändern, hat es von damals Pete Sampras bis aktuell Novak Djokovic vierzehn Profis gegeben, die sich Weltranglistenerster nennen konnten und nicht Roger Federer hießen.

Federer konnte alle Einsen seiner Zeit schlagen - mit einer Ausnahme

Gegen alle diese "Einsen" hat Federer auch im Laufe seiner Karriere gespielt. Einige, wie Pete Sampras (0:1) oder Marcelo Rios (0:2), konnten tatsächlich nie ein Match gegen den Ausnahmespieler Federer gewinnen, andere haben sich durchaus erfolgreich zur Wehr gesetzt: Nicht nur Nadal (24:16) und Djokovic (27:23) haben eine positive Bilanz gegen den 20-fachen Grand-Slam-Sieger, auch der Russe Yevgeny Kafelnikov (4:2) und der Brasilianer Gustavo Kuerten (2:1) haben das Kunststück vollbracht, mehr Partien gegen Federer zu gewinnen als zu verlieren. 

Dreizehn dieser vierzehn Weltranglistenersten ist aber eines gemeinsam: Mindestens einmal in ihrer Karriere gingen sie gegen Roger Federer als Verlierer vom Platz. Einzige Ausnahme: Ausgerechnet der ehemalige Weltranglistenerste mit der Mini-Regentschaft von sage und schreibe einer Woche auf dem Ranking-Thron glänzt mit einer komplett weißen Weste gegen den Maestro: Der Australier Patrick Rafter, US-Open-Champ in den Jahren 1997 und 1998 aber Nummer eins nur für die Woche nach dem 26. Juli 1999, konnte bei drei Aufeinandertreffen immer die Oberhand gegen den Schweizer behalten. 

French Open 1999:  Rafter - Federer 5:7, 6:3, 6:0, 6:2 

Diese erste Runde von Roland-Garros war das Grand-Slam-Debüt des Roger Federer. Rafter dagegen war ein etablierter Weltklassespieler mit zwei Grand-Slam-Titeln auf der Habenseite. Entsprechend war es eher schon eine Überraschung, dass Federer dem Australier Satz eins abnehmen konnte. Danach deckte Rafter die noch vorhandenen spielerischen und mentalen Defizite Federers recht schonungslos auf und kam zu einem letztendlich ungefährdeten Sieg.

ATP Miami 2001: Rafter - Federer 6:3, 6:1

Im Viertelfinale von Miami sollte es im Folgejahr noch deutlicher für den Australier ausgehen. Federer musste in den beiden Runden zuvor jeweils harte Matches über drei Sätze bestreiten, im Achtelfinale rang er den Schweden Thomas Johansson mit 7:6, 5:7, 7:6 nieder. Solche Belastungen waren damals noch ungewohnt für den Jungprofi, außerdem schien die erste Niederlage gegen den Serve&Volley-Spieler Rafter noch im Kopf nachzuwirken. Ein müder und zu oft passiver Federer hatte so keine Chance.   


ATP Halle 2001: Rafter - Federer 4:6, 7:6, 7:6

Schon kurz darauf sollte es zur dritten und letzten Begegnung von Federer und Rafter kommen, diesmal in Halle auf Rasen. Wieder war es eine Viertelfinalpartie, diesmal konnte Roger Federer den Australier aber erstmals über das komplette Spiel fordern. Nur noch mit viel Glück und Geschick und bei Abwehr eines Matchballs konnte Rafter diesmal die Niederlage abwehren und seine blitzeblanke Bilanz so für die Ewigkeit retten.   

Spielstil und der rechte Zeitpunkt machen den Unterschied

Was hat nun den Unterschied gemacht zu all den anderen, die sich Federer nicht immer erfolgreich erwehren konnten? Sicherlich war der Spielstil Rafters ein Faktor. Zum Ende der 90er-Jahre hin wurden die konsequent ans Netz stürmenden Spieler langsam zu Exoten, Federer war das also nicht mehr gewohnt. Rafter konnte mit seiner aggressiven Spielweise noch vorhandene Defensiv-Schwächen Federers ausnutzen. Der war es eigentlich gewohnt, selbst das Spiel in die Hand zu nehmen und zu dominieren.  

Nicht vergessen darf man allerdings auch: Rafter hatte einfach das Glück, zur rechten Zeit auf Federer zu treffen. Und danach nicht mehr. Direkt nach der letzten Pleite gegen Rafter in Halle schlug Roger Federer in Wimbledon den großen Pete Sampras. Das war eine Art Initialzündung seiner Karriere, danach war er ein andrer Spieler. Einer, der regelmäßig mit dem Bewusstsein antrat, auch gegen die ganz Großen der Zunft bestehen zu können. 

(Bild: (c) imago images / MIS)    

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Christian Schwell
am 14.04.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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