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Eine spanische Wimbledon-Spezialistin wird 48

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16.04.2020|12:25 Uhr|von Christian Schwell
Eine spanische Wimbledon-Spezialistin wird 48

Rückblick: Wimbledon und das spanische Tennis sind Anfang der 1990er-Jahre zwei Gegensätze, die sich absolut nicht anziehen. Moderne Materialien bei den Schlägern und zunehmende Athletik bei Spielern und Spielerinnen haben das Spiel auf Rasen immer schneller werden lassen, gleichzeitig haben die Verantwortlichen noch keine Modifikationen am Rasen vorgenommen um diesem Trend entgegen zu steuern.

Von der Verweigerin zur strahlenden Siegerin

Die iberischen Profis, meist immer noch klassische Sandplatz-Spezialisten, mögen diese Bedingungen gar nicht, das schlägt sich auch deutlich in den Ergebnislisten nieder. Überhaupt gibt es zu diesem Zeitpunkt nur einen einzigen spanischen Sieger im Herren-Einzel, der Triumph von Manuel Santana aus dem Jahre 1966 wird aber eher als exotische Ausnahme betrachtet, die die Regel bestätigt. Bei den Damen gibt es bis dahin überhaupt keine Spanierin als Siegerin. Entsprechend fremdeln spanische Profis beider Geschlechter mit dem Turnier. Heute undenkbar ist es damals nicht mal unüblich für sie, einfach erst gar nicht zum Wimbledon-Turnier anzureisen. 

Auch Conchita Martinez, die am 16. März ihren 48. Geburtstag feiert, macht da keine Ausnahme. Beginnend mit ihrem ersten Profijahr 1988 nimmt sie regelmäßig an den anderen drei Grand Slams Teil, macht bis 1992 aber um Wimbledon einen Bogen. Wohlgemerkt als eine erfolgreiche und etablierte Spielerin, die in Paris und New York da schon insgesamt vier Mal das Viertelfinale erreicht hat. Ihr erster Auftritt 1992 in London endet dann auch schon früh in Runde zwei, aber schon ein Jahr später deutet die Rechtshänderin mit der kraftvoll geschlagenen einhändigen Topspin-Rückhand mit einer Halbfinalteilnahme gegen Steffi Graf an, dass ihr Spiel tatsächlich auch auf Gras Erfolgschancen besitzt.

1994 folgt dann das, was sich wahrscheinlich auch Martinez selbst nicht hat träumen lassen. Sie schlägt die große Martina Navratilova im Endspiel in drei Sätzen mit 6:4, 3:6, 6:3 und beendet damit im Prinzip die ruhmreiche Karriere der Amerikanerin. Es ist Navratilovas letztes großes Endspiel, später im Jahr tritt sie als Einzelspielerin zurück und kommt nur noch einmal für ein kurzfristiges Comeback 2004 wieder. 

Wimbledon bleibt der einzige Grand-Slam-Erfolg

Für Conchita Martinez bleibt es tatsächlich der einzige Sieg bei einem Grand Slam. Sie klettert zwar bis auf die Nummer zwei der Weltrangliste und hält sich insgesamt neun Jahre in den Top Ten, ein zweiter großer Einzel-Triumph will ihr aber nicht mehr gelingen: 1998 verliert sie das Finale der Australian Open, 2000 ist sie im Endspiel von Roland-Garros unterlegen. 2006 beendet sie schließlich ihre Profi-Karriere.       

Als Trainerin gelingt der zweite spanische Wimbledon-Streich

Als Trainerin verbindet sich ihr Name dann allerdings mit einem weiteren Grand-Slam-Sieg. Und das ausgerechnet wieder in Wimbledon als Betreuerin einer Landsfrau. Vor drei Jahren ist Martinez immer noch die einzige Spanierin mit Wimbledon-Erfolg auf der Habenseite, auch ihre insgesamt erfolgreichere Konkurrentin Arantxa Sánchez Vicario hat es an der Church Road nie zum Sieg geschafft. 2017 steht Garbine Muguruza, ebenfalls Spanierin, dann vor Wimbledon kurzfristig ohne Coach da. Die hat es 2015 zwar schon einmal ins Finale geschafft, davor und danach war Wimbledon aber auch für sie meist eine Veranstaltung unter dem Motto "Pleiten, Pech und Pannen".

Martinez übernimmt den Betreuerinnen-Posten bei Muguruza provisorisch, eigentlich ist sie zu diesem Zeitpunkt spanische Fed-Cup-Kapitänin. Und eine Geschichte, die eigentlich zu ausgedacht klingt um wahr zu werden, nimmt ihren Lauf. Die ruhige Art der Martinez scheint auf Muguruza, die sich sonst gerne hitzige Debatten mit ihrem Stamm-Coach Sam Sumyk liefert, leistungsfördernd zu wirken.

Die Magie der bisher einzigen Wimbledonsiegerin aus Spanien wirkt auch aus der Box heraus. Muguruza spielt sich nicht nur mit Ausnahme eines engen Achtelfinales gegen Angelique Kerber komplett souverän ins Endspiel, sondern schlägt dort auch Venus Williams deutlich mit 7:5, 6:0. Der zweite spanische Wimbledonsieg bei den Damen ist perfekt und beide tragen die Handschrift der Conchita Martinez, die sich so einen weiteren Platz im Geschichtsbuch des Damentennis sichert.   

(Bild: (c)imago images / Oliver Hardt)

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Christian Schwell
am 16.04.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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