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Wimbledon-Finale 2013: Als Lisicki die Riesenchance verpasste

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06.07.2020|14:00 Uhr|von Dennis Ebbecke
Wimbledon-Finale 2013: Als Lisicki die Riesenchance verpasste

Auf den 6. Juli 2013 wird Sabine Lisicki mit gemischten Gefühlen blicken. Es war der Moment, in dem sie den größten Erfolg ihrer Tenniskarriere feiern durfte, wobei ihr an diesem speziellen Tag nicht nach Feiern zumute war. Die Deutsche unterlag im Finale von Wimbledon Marion Bartoli relativ glatt mit 1:6, 4:6. Trotz der Niederlage in ihrem einzigen Grand-Slam-Endspiel darf "Bine" mit Stolz auf dieses Turnier zurückblicken.

Lisicki war zu diesem Zeitpunkt die erste DTB-Spielerin seit Steffi Graf 1999, die das Wimbledon-Finale erreichen konnte. Mit Siegen über Francesca Schiavone, Elena Vesnina und Sam Stosur hatte sich die Troisdorferin zunächst ihr Ticket für die zweite Woche des Majors gesichert. Allerdings gingen die Experten nicht davon aus, dass sie dem Turnier lange erhalten bleiben würde. Der Grund war ihre Achtelfinal-Gegnerin: Serena Williams. Die US-Amerikanerin galt Topfavoritin - nicht zuletzt, weil sie als Titelverteidigerin an den Start gegangen war und wenige Wochen zuvor die French Open gewonnen hatte.

Siegeswille, harte Aufschläge, positive Ausstrahlung

Doch Lisicki lieferte ihrer Kontrahentin einen unglaublichen Fight und konnte das Match tatsächlich in drei Sätzen für sich entscheiden, obwohl Serena zwischenzeitlich neun (!) Spiele in Folge holte. Spätestens von diesem Moment an zählte "Bine" zum erweiterten Favoritenkreis. Mit ihrem Mix aus unbändigem Siegeswillen, harten Aufschlägen und ihrem positiven Gemütszustand gelang es ihr sogar, die britischen Fans auf ihre Seite zu ziehen. Nach Erfolgen über Kaia Kanepi und Agnieszka Radwanska wurde ihr größter Traum schließlich Realität: Sie stand erstmals im Finale von Wimbledon.

Und vielleicht war ausgerechnet Letzteres - neben der unkonventionellen Spielweise ihrer Endspiel-Gegnerin Bartoli - das größte Problem an besagtem 6. Juli 2013: Lisicki wollte diesen Titel zu sehr. Ihr Traum, eines Tages auf dem Centre Court triumphieren zu können, hemmte sie an diesem Tag. Die Unbekümmertheit, mit der sie in den Runden zuvor ihre Kontrahentinnen zur Verweiflung getrieben hatte, gehörte auf einmal der Vergangenheit an.

Lisicki: "Ich war einfach zu überwältigt von der ganzen Situation."

"Ich habe immer davon geträumt, diese Schale einmal in der Hand zu halten", erklärte eine sichtlich enttäuschte Lisicki später. Jetzt, wo sie so kurz vor der Erfüllung ihres Traums stand, schien sie diese einmalige Aussicht zu hemmen. Zwar startete "Bum-Bum-Bine", wie sie aufgrund ihrer harten Aufschläge genannt wird, mit aggressiven Returns, für die sie mit dem frühen Break zum 1:0 belohnt wurde. Doch das schnelle Re-Break und die nervliche Anspannung machten ihre Gegnerin stark. Bereits während des Matches flossen bei der Deutschen die Tränen.

Nach etwas mehr als 80 Minuten durfte die Französin die begehrte Schale in die Höhe recken. Später machte Lisicki keinen Hehl daraus, dass sie "einfach zu überwältigt von der ganzen Situation" war. Rückblickend kann man vor der Leistung von Sabine Lisicki im Sommer 2013 den Hut ziehen. Der Einzug ins Wimbledon-Finale ist und bleibt ein großartiger Erfolg der heutigen Nummer 595 der WTA-Weltrangliste - und zwar nicht nur, weil sie Serena besiegen konnte, sondern vor allem, weil sie mit ihrer positiven Ausstrahlung Menschen aus aller Welt begeistern konnte.

Schade, dass sie in den darauffolgenden Jahren ihren Ansprüchen nie mehr wirklich gerecht werden konnte. Wer Lisicki nach 2013 als regelmäßige Final-Teilnehmerin auf der Liste gehabt hatte, wurde eines Besseren belehrt. Auch das ist eine Realität - wenn auch eine schmerzliche aus deutscher Sicht.

(Bild © imago images / GEPA pictures)

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Dennis Ebbecke
am 06.07.2020 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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