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6. Juli 1996: Der letzte Wimbledon-Triumph der Gräfin

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06.07.2020|13:00 Uhr|von Christian Schwell
6. Juli 1996: Der letzte Wimbledon-Triumph der Gräfin

Vor 24 Jahren gewinnt Steffi Graf am 6.7.1996 in souveräner Manier ihren insgesamt siebten Wimbledon-Titel. Im Finale besiegt sie wie im Vorjahr ihre zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere größte Rivalin, die Spanierin Arantxa Sanchez Vicario. Anders als 1995, als die wuselige Konter-Spielerin Sanchez Vicario der Deutschen lange Paroli bieten konnte und im Finale einen hochklassigen Fight über drei Sätze lieferte, gibt es diesmal einen relativ unspektakulären und ungefährdeten Erfolg mit 6:3, 7:5 für die Gräfin. Selbst auf YouTube hinterlässt dieses Finale im Nachhinein deshalb kaum Spuren, im Gegensatz zu den meisten anderen großen Erfolgen Grafs fällt es heute schwer, qualitativ gute bewegte Bilder aus diesem Match zu finden. 

Graf spaziert durch die 1996er-Wimbledon-Ausgabe

Der Erfolg für die Nummer eins der Setzliste und Titelverteidigerin hat sich schon das gesamte Turnier über angedeutet. Steffi Graf spaziert in diesem Jahr in für sie geradezu klassischer Manier durch das 128er-Feld. Bis ins Halbfinale hinein gibt sie auch gegen starke Gegnerinnen wie Jana Novotna  oder Martina Hingis keinen Durchgang ab, erst in der Vorschlussrunde gelingt der Japanerin Kimiko Date das Kunststück eines Satzgewinns gegen Graf. Diese rückt nach einem 2:6 in Satz zwei aber im entscheidenden dritten Satz ganz schnell auch hier wieder die Kräfteverhältnisse zurecht. Das anschließende Finale am zweiten Samstag des Turniers ist dann - wie schon beschrieben - eine klare Angelegenheit. Anders als 1995 kann sich Sanches Vicario diesmal nicht selbst aggressiv genug in Szene setzen, um dauerhaft die berühmte hart und flach geschlagene Vorhand Grafs zu entschärfen.  

Die letze Phase großer Dominanz geht langsam zu Ende

Gerade in der Rückschau wird aus diesem Wimbledon-Erfolg aber über den einzelnen Turniersieg hinaus etwas ganz besonderes. Es ist Grafs letzter Triumph im Dameneinzel an der Church Road, gemeinsam mit dem einige Wochen später folgenden ebenfalls letzten Sieg bei den US Open markiert er das Ende einer Ära, denn mit diesen beiden Titeln (und dem noch darauf folgenden Sieg bei den das Jahr 1996 abschließenden Tour Championships) endet die letzte Phase großer Dominanz über das Damentennis für Graf.

1995 und 1996: Sechs Grand-Slam-Titel bei sechs Auftritten 

In den Jahren 1995 und 1996 gewinnt sie insgesamt 16 Turniere, nur in ihrer allerbesten Zeit rund um den Golden Slam 1988 hat sie sich zuvor noch erfolgreicher präsentiert, was die Zahl der Titelgewinne angeht. In Bezug auf die Grand-Slam-Turniere gelingt der gebürtigen Mannheimerin jetzt Mitte der 90er Jahre aber sogar etwas, was sie selbst damals nicht erreicht hat: Graf gewinnt 1995 und 1996 alle sechs Grand-Slams an denen sie teilnimmt in Folge. Ganze 94 Wochen am Stück packt sie noch einmal auf ihren Status als Weltranglistenerste drauf und sichert sich damit für bis heute rekordträchtige insgesamt 377 Wochen den Platz an der Spitze des Rankings.

Erste Anzeichen des körperlichen Verschleiß  

In diese Jahre des absoluten Erfolgs mischen sich aber eben auch schon Anzeichen dafür, dass Steffi Graf das absolut herausragende Level nicht mehr lange wird halten können. Die Australian Open, die sie 1994 noch gewinnen konnte, muss sie in den beiden ansonsten erfolgsgeschwängerten Folgejahren schon verletzungsbedingt auslassen. Und Verletzungen werden dann spätestens ab 1997 immer mehr zum leistungslimitierenden Faktor bei Graf. Der Körper fordert Tribut für die ungezählten Trainings- und Wettkampf-Stunden seit frühester Kindheit. Sie spielt 1997 nur 19 Matches, verletzt sich am Knie und muss operiert werden. Auch in Wimbledon kann sie ihren Titel deswegen nicht verteidigen. Mitte dieses Jahres verliert sie dadurch auch die Führung in der Weltrangliste und wird nie wieder auf Platz eins zurückkehren. Im Juni 1998 fällt sie dann sogar bedingt durch eine einjährige Spielpause zum ersten Mal seit ihrem Einstieg 1983 komplett aus der Weltrangliste. 

Davenport und das Knie verhindern 1999 einen achten Sieg

Steffi Graf gewinnt nach 1996 noch ein Grand-Slam-Turnier, in ihrem letzten Jahr als Profi besiegt sie 1999 im Finale von Paris Martina Hingis in einem echten Dreisatz-Klassiker. Auch in Wimbledon spielt sie nach einer Drittrunden-Niederlage 1998 zum Ende ihrer Karriere noch einmal sehr erfolgreich und erreicht bei ihrem allerletzten Grand-Slam-Auftritt das Endspiel. Ein achter Sieg im insgesamt neunten Wimbledon-Finale wird ihr aber von Lindsay Davenport (USA) und wieder aufflammenden Kniebeschwerden verwehrt.

Sie reiht sich damit, bis dato gemeinsam mit der noch aktiven Serena Williams, hinter der neunmaligen Siegerin Martina Navratilova mit sieben Erfolgen im Dameneinzel an Nummer zwei auf der Wimbledon-Siegerinnenliste der Open Era ein. Das Rasen-Turnier in London trägt damit von allen vier großen Turnieren am meisten zu ihren insgesamt sage und schreibe 22 gewonnen Grand Slams bei.                           

(Bild: (c) imago images / Sven Simon)      

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Christian Schwell
am 06.07.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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