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Stich gegen Becker: Ein Wimbledon-Finale der Gegensätze

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07.07.2020|13:00 Uhr|von Dennis Ebbecke
Stich gegen Becker: Ein Wimbledon-Finale der Gegensätze

"Game, Set, Match Becker!" Mit diesen Worten kürte Stuhlschiedsrichter John Bryson den Leimener Boris Becker am 7. Juli 1991 zum König von Wimbledon - und das, obwohl dieser sein Finale gegen seinen Landsmann Michael Stich in drei Sätzen verloren hatte. Der Fehler des Unparteiischen, der den dreimaligen Champion Becker aus purer Gewohnheit zum Sieger erklärt hatte, passte ins Bild, denn kaum jemand hatte vor diesem Endspiel den Namen Stich auf dem Zettel. Letztendlich war es jedoch der Außenseiter, der glatt in drei Sätzen mit 6:4, 7:6, 6:4 triumphierte.

Auch wenn beide Finalisten dieses historischen Wimbledon-Finales aus Deutschland kamen, war es von vornherein ein Duell der Gegensätze. Stich gegen Becker. Der Intellektuelle, der mit großem Verstand an die Matches heranging traf auf den Kämpfer, der jedem Ball hinterherhechtete. Während Stich in seinem Heimatland respektiert wurde, wurde sein Gegenüber von Millionen Deutschen geliebt. Eine Liebe, die insbesondere der Tatsache geschuldet war, dass Becker 1985 als damals 17-Jähriger erstmals Wimbledon für sich entscheiden und eine ganze (Tennis-)Nation glücklich machen konnte.

Courier, Edberg, Becker: Michael Stich überraschte die Weltelite

Nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch im und um den All England Lawn Tennis and Croquet Club herum verehrten die Menschen Becker. Dementsprechend schwer hatte es dessen Final-Kontrahent, sich in die Herzen der Fans zu spielen. Allerdings: Mit seinen starken Auftritten in den bisherigen Matches 1991 hatte sich der Hamburger die Hochachtung des Publikums verdient. Das Draw bescherte ihm keine Selbstläufer, im Gegenteil: Stich musste beinahe die gesamte Weltelite ausschalten, um sich den Final-Traum zu erfüllen.

Nachdem Stich im Viertelfinale den amtierenden French-Open-Champion Jim Courier bezwungen hatte, überraschte er auch im Halbfinale gegen Titelverteidiger Stefan Edberg, der im Jahr zuvor höchstpersönlich Becker im Finale geschlagen hatte. Dass es für Letzteren erneut "nur" zum Vize-Titel reichen würde, wurde bereits zu Beginn des Finales deutlich - zumindest aus Sicht des Favoriten, der nicht nur sein erstes Aufschlagspiel verlor, sondern selbst spürte, dass an diesem Tag nicht viel funktionierte.

Game, Set, Match Stich!

Und auch das war Boris Becker: Er meckerte sich auf dem heiligen Rasen und vor den Augen von Prinzessin Diana in Rage. Sein "Ich spiele mir einen Mist zusammen" ist längst legendär. Ganz anders agierte Stich, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ - nicht einmal von dem berühmten Becker-Hecht und einem darauffolgenden Rückhand-Volley seines Kontrahenten. Becker fightete wie gewohnt, doch gegen die Präzision, die Aufschlagstärke und den Druck seines Gegners konnte er an diesem Tag nichts ausrichten.

Spätestens als Becker auch noch den zweiten Satz im Tiebreak verloren hatte, musste dieser erkennen, dass sich ein anderer Deutscher am 7. Juli 1991 in seinem eigenen "Wohnzimmer" einen Tick wohler fühlte. Michael Stich avancierte als Außenseiter zum bis heute letzten schwarz-rot-goldenen Wimbledon-Champion. Game, Set, Match Stich!

(Bild © imago images / Colorsport)

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Dennis Ebbecke
am 07.07.2020 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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