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Der Mann der Jimmy Connors entnervte

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10.07.2020|13:00 Uhr|von Christian Schwell
Der Mann der Jimmy Connors entnervte

Das Endspiel von Wimbledon im Jahre 1975 läuft ganz anders ab, als sich der Titelverteidiger Jimmy Connors das vorstellt. Connors ist selbst ein junger Wilder, er hat im Vorjahr den australischen Altmeister Ken Rosewall deklassiert und für eine Art Wachablösung gesorgt - die Zeit der zahlreichen arrivierten Sieger auf Gras aus "Down Under" ist endgültig vorbei, erst 1987 wird mit Pat Cash wieder ein Australier triumphieren. Connors liebt auf dem Platz den Kampf mit offenem Visier und manchmal auch losen Mundwerk, Tennis als ziemlich harte und direkte Auseinandersetzung mit dem Gegner. 

Ashe gibt Connors kein Tempo

Im Finale von 1975 trifft er aber auf einen, der sich dieser Konfrontation bewusst entzieht. Die Seitenwechsel vollzieht sein Kontrahent in einer Art Meditation mit geschlossenen Augen. Und im Spiel selbst bietet er seinem Landsmann Connors keine Angriffsfläche, schlägt den Ball bewusst viel ganz ohne Tempo in die Platzmitte. Als Jimmy Connors sich auch nur einigermaßen auf diese Spielweise eingestellt hat, ist die Partie schon fast gelaufen, denn Arthur Ashe führt mit 6:1, 6:1. Auch vom langsam seinen Rhythmus findenden Connors lässt sich Ashe nicht mehr aufhalten, er wird mit 6:1, 6:1, 5:7, 6:4 der erste und bisher einzige männliche schwarze Wimbledonsieger der Geschichte.


Psycho-Duell schon vor dem Turnier

Ashe gewinnt damit auch einen ganz persönlichen Kampf gegen Connors, der schon lange vor diesem Endspiel abseits des Tenniscourts begann. Ashe hat seinen Finalgegner für dessen Davis-Cup-Abstinenz als unpatriotisch kritisiert, der droht daraufhin mit einer Schadensersatzklage in Millionenhöhe wegen Rufschädigung. Auf dem Platz kann dann aber überraschend Ashe dem hohen psychologischen Druck dieses aufgeladenen Duells sehr viel besser standhalten.      

Drei Grand Slams und ein Davis-Cup-Sieg 

Der Wimbledonsieg für Ashe war ein bahnbrechender Erfolg zu einem Zeitpunkt, als People of Color insbesondere im Profi-Tennis noch viel mehr als heute eine Ausnahme waren. Er hatte aber schon vorher Maßstäbe gesetzt, war der erste Schwarze, der ins Davis-Cup-Team der USA berufen wurde, holte mit dieser Mannschaft 1968 den Pokal und war im selben Jahr auch bei den US Open erfolgreich. 1970 holte er seinen zweiten Grand Slam in Australien, 1975 folgte dann der erwähnte ganz große Erfolg beim wichtigsten Turnier des Tennis. Auf der Weltrangliste schafft Ashe es zwischenzeitlich bis auf Platz zwei. 

Namensgeber des größten US-Open-Stadions

Acht Jahre nach seinem Rücktritt vom Profisport nimmt das Leben des Arthur Ashe dann 1988 eine tragische Wendung. Aufgrund einer bei einer Herz-Operation verabreichten HIV-kontaminierten Blutkonserve erkrankt er an Aids, anders als heute ist das damals praktisch ein Todesurteil. Nur fünf Jahre später stirbt er am 6. Februar 1993 dann auch tatsächlich an der Krankheit. Posthum wird das größte Stadion der US Open 1997 nach ihm, der sich nach seiner Karriere persönlich und in Form einer Stiftung intensiv sozial gerade für schwarze Jugendliche eingesetzt hat, benannt.   

(Bild: (c)  imago images / Colorsport)         

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Christian Schwell
am 10.07.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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