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Struff im Exklusiv-Interview: „Ich finde es geil, bei den großen Turnieren dabei zu sein“

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31.07.2020|09:00 Uhr|von Björn Walter
Struff im Exklusiv-Interview: „Ich finde es geil, bei den großen Turnieren dabei zu sein“

Dieser Mann liebt seinen Sport. Im Moment ist wohl kaum ein Profi so heiß auf den Neustart wie Jan-Lennard Struff. Die deutsche Nummer zwei schlägt in dieser Woche bei der International Premier League in Halle/Westfalen auf. Eine Turnierserie, die Struffs Freund und Profikollege Andre Begemann mit viel Herzblut ins Leben gerufen hat.

„Wir wollten in der schwierigen Corona-Zeit eine Win-win-Situation für die gesamte Tennis-Community schaffen. Die Idee dahinter ist, Spielern viel Matchpraxis zu garantieren und dabei auch eine faire Bezahlung zu gewährleisten“, so Begemann. Der frühere Davis-Cup-Spieler, der seine größten Erfolge im Doppel errungen hat, ist stolz, dass er bei den Herren fast die gesamte deutsche Elite nach Ostwestfalen lotsen konnte.

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Happy to be part of @ipl_tennis in Halle this week 🔥 Images: @matchfotos

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Struff bringt sich in bei der IPL in Halle in Topform für die US Open

Neben Struff sind auch Philipp Kohlschreiber, Mischa Zverev und French-Open-Held Kevin Krawietz in Halle am Start. Über den Doppelspezialisten fegte „Struffi“ am Donnerstag mit einem famosen 6:2, 6:0-Erfolg hinweg. Von seinen bislang vier gespielten Matches hat die aktuelle Nummer 34 der Welt allerdings auch zwei verloren.

Warum ihn diese Niederlagen mächtig geärgert haben, mit welcher Gefühlslage er die US Open angeht und weshalb er schnellstmöglich wieder in den Touralltag zurückkehren will, erzählt Struff im Exklusiv-Interview mit myTennis.  



Stehen die Resultate für Sie im Vordergrund oder geht es hier in Halle eher um Training unter Wettkampfbedingungen?

„Ich ärgere mich schon, dass ich zwei Matches verloren habe bisher. Natürlich will ich immer gewinnen. Es ist dennoch so, dass wir hier viel trainieren und die Spiele auch als wichtige Trainingsmatches sehen.“

War deshalb beim Sieg gegen Krawietz auch ein wenig Wut im Bauch mit dabei?

„Ja, da war vielleicht auch bisschen Ärger über die zwei verlorenen Matches drin. Ich habe offensiv und aggressiv gespielt, sehr gut und sehr fokussiert. Es ärgert mich immer, wenn ich auf den Platz gehe und nicht gewinne. Ich war sauer, als ich gegen Mischa (Zverev; Anm. d. Red.) verloren habe. Ich war sauer, als ich gegen Tobi (Kamke) verloren habe. Dass ich heute gewonnen habe, war mir deshalb besonders wichtig.“

Von einem Exhibition-Charakter kann in Halle also keine Rede sein?

„Nein, Exhibition nicht. Da bin ich auch richtig schlecht drin. Wenn ich fürs Publikum irgendwie tolle Bälle spielen soll, dann klappt meistens gar nichts. Wenn ich mir so ein Match angucken würde, sind vielleicht eins, zwei coole Punkte oder zwei, drei Bälle durch die Beine toll. Ich bin aber immer ein Mega-Fan davon, voll Fokus zu haben. Ich hasse es auch, mir Freundschaftsspiele anzuschauen.“

Warum ist das Turnier bei den Spielern hier so gut angenommen worden?

„Bege (gemeint ist Organisator Andre Begemann) hat das sehr gut gemacht. Wir sind befreundet und kennen uns aus gemeinsamen Spielertagen. Ich finde es sehr gut, wie er das organisiert hat. Halle ist sowieso cool. Ich fühle mich hier sehr wohl, habe acht Jahre Bundesliga hier gespielt, kenne das Hotel. Hier hat man kurze Wege, kann die Familie mitnehmen. Für mich war natürlich auch wichtig, auf Hartplatz zu spielen. Es ist super, dass das geklappt hat.“

Auf Hartplatz wird auch in den USA gespielt. Sind sie bereit für den Neustart?

„Ja, natürlich! Klar bin ich ready. Ich möchte, dass es losgeht. Ich hoffe, die US Open werden stattfinden, aber man weiß nicht, was passiert. Dass Fotos vom Aufbau der Anlage geleakt wurden, ist ja schon mal ein gutes Zeichen.“

Gibt es dennoch ein mulmiges Gefühl oder überwiegt die Vorfreude?

„Die Vorfreude ist da, wieder Tour-Matches zu spielen. Das ganze Drumherum wird uns wohl noch ein bisschen begleiten. Darauf kann man sich nicht so freuen. Andererseits war New York immer ein Highlight des Jahres. Der Flug dahin, die Stadt – immer unglaublich alles. Jetzt dürfen wir gar nichts da machen. Immer nur vom Hotel zur Anlage. Das ist nicht der Traum, wofür man lebt. Dennoch freue ich mich, einfach generell wieder zu spielen.“

Sie haben sich früh entschieden, die US-Turniere in Angriff zu nehmen. Andere Profis wie Angelique Kerber oder Julia Görges werden die Reise über den Atlantik wahrscheinlich nicht antreten. Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, trotz aller Probleme nach New York zu fliegen?

„Ich finde es sehr wichtig fürs Tennis, dass es wieder anfängt. Ich möchte auch gerne spielen und vermisse den Wettkampf. Ich spiele Tennis einfach unfassbar gerne, deshalb finde ich es geil, bei den großen Turnieren dabei zu sein. Trotzdem kann ich die Bedenken von anderen Leuten verstehen. Es ist jedem selbst überlassen, ob er da spielen will. Man muss aber auch verstehen, dass eine „Angie“ Nummer eins der Welt war und Grand Slams gewonnen hat. Das ist eine andere Ausgangslage. Viele Spieler brauchen allerdings auch das Finanzielle, das sehe ich auch so. Man weiß natürlich nicht, wie es werden wird. Ich habe mich früh committed und will auch immer noch rübergehen. Ich freue mich darauf.“

Was ist bei den US Open drin für Sie?

„Wir haben die Ziele, die ich mir vor der Saison mit meinem Team gesetzt habe, etwas nachjustiert, weil die Saison ja nun deutlich kürzer ist. Was bei den US Open möglich ist, weiß ich nicht. Wir müssen erstmal schauen, wer spielt. Natürlich fahre ich da nicht hin, um erste Runde zu verlieren. Wenn ich hinfahre, bin ich ziemlich sicher gesetzt. Klar will ich dann weiterkommen. Letztes Jahr habe ich 2. Runde gespielt, ich habe schon mal 3. Runde gespielt. Natürlich sind meine Träume, da weiterzukommen. Ich würde lügen, wenn ich sage: dritte Runde reicht mir.“

Und danach geht’s direkt auf Sand weiter?

„Ich habe zuletzt in Kitzbühel in der Höhe auf Sand und danach in Berlin auf Rasen und Hartplatz gespielt. Es ist eine Challenge, aber das muss gehen. Körperlich fühle ich mich gut. Ich bin bereit.“

Das Gespräch führte Björn Walter

(Bild © Mathias Schulz)

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Björn Walter
am 31.07.2020 gepostet von:
Björn Walter
Redakteur
Schlägt aus dem zweiten Stock auf, kennt gute Beinarbeit jedoch nur vom Hörensagen. Tennis-Allzweckwaffe mit Herz für amüsante Geschichten abseits des Centercourts. In Redaktionskreisen als Ein-Mann-La-Ola-Welle für Rafael Nadal erprobt. Auch aktiv mit Laufschuhen und Rennrad.

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