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Rod Laver

Rod Laver: Roger Federers Idol feiert Geburtstag

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09.08.2020|10:00 Uhr|von Christian Schwell
Rod Laver: Roger Federers Idol feiert Geburtstag

Die Frage nach dem besten Tennisspieler aller Zeiten treibt Tennis-Fans in aller Welt wahrlich nicht erst in den letzten Jahren um, hat sich aber gerade zuletzt sehr stark auf die aktuelle Spieler-Generation mit den direkten Konkurrenten Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic fokussiert. Spieler vergangener Tennis-Generationen fallen bei dieser Debatte mehr und mehr unter den Tisch, für kaum einen trifft das so sehr zu wie für einen Australier, der den Tennissport aber zu seiner Zeit teilweise komplett beherrschte.      

Zwei Kalender-Slams als absolutes Alleinstellungsmerkmal

Rodney „Rod“ George Laver, Spitzname "The Rocket", der am 9. August 2020 seinen 82. Geburtstag feiert, hat dabei auch den "Big Three" tatsächlich noch immer das eine oder andere voraus: Anders als Federer, Nadal oder Djokovic hat er jedes einzelne der vier Grand-Slam-Turniere mindestens zweimal gewonnen. Und von seinem absoluten Alleinstellungsmerkmal, dem gleich zweimaligen Kalender-Slam (1962 und 1969) mit Siegen bei den Australian Open, in Roland-Garros, in Wimbledon und bei den US Open innerhalb eines Jahres sind die Herren aus der Schweiz, Spanien und Serbien trotz aller überragenden Erfolge über ihre gesamte Karriere hinweg immer ein ganzes Stück entfernt geblieben.         

Der schwierige Vergleich der Tennis-Generationen

Die ganz großen der Zunft auch über Epochen hinweg zu vergleichen und ihre Erfolge gegeneinander abzuwägen, bleibt so eine reizvolle Diskussion, die aber auch  schnell an ihre Grenzen stößt. Zu sehr hat sich der Sport über die Jahre entwickelt. Laver hätte zum Beispiel wahrscheinlich im heutigen Tennis mit seiner Körpergröße von nur 1,73m bei aller Spielkunst Probleme, rein athletisch in der absoluten Spitze mithalten zu können und ähnliche Erfolge wie in seiner besten Zeit in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu feiern. Andererseits spielte der Linkshänder die damalige Konkurrenz mit sehr viel weniger Material-Unterstützung als heutige Profis an die Wand, die Holzschläger mit ganz kleiner Schlagfläche forderten ein Höchstmaß an Technik vom Spieler, um akzeptable Ergebnisse in Bezug auf Tempo und Präzision zu erzielen. 

Laver mit dem Statistik-Nachteil

Ab den 90er-Jahren sind, angefangen mit Pete Sampras, andere Spitzenprofis statistisch an Rod Laver vorbeigezogen. Der durfte als Profi von 1963 bis zum Beginn der Open Era 1968 einen großen Abschnitt seiner Karriere lang nicht an den damals den Amateuren vorbehaltenen Grand-Slam-Turnieren teilnehmen. Wie viel potentielle Siege bei den großen vier Turnieren ihm dadurch durch die Lappen gegangen sind illustriert die Tatsache, dass er nach der Verschmelzung von Amateur- und Profi-Wettbewerben in den Jahren 1968 und 1969 sofort die letzten fünf seiner insgesamt elf Grand-Slam-Triumphe im Einzel folgen ließ. Auch bei der Gesamtzahl der Turniersiege befindet er sich gegenüber seinen Nachfolgern im Statistik-Nachteil: Von über 200 Einzeltiteln über 23 Jahre hinweg finden nur 52 den Weg in die offiziellen Geschichtsbücher der ATP.        

"The Rocket" hat die absolute Wertschätzung von Federer, Nadal & Co

Was allerdings mehr als das reine Zahlenwerk für die übergroße Bedeutung des Rod Laver im Tennissport spricht, ist die exorbitante Wertschätzung, die er bis heute gerade von denen erfährt, die ihn  - was die reine Grand-Slam-Bilanz angeht - überflügelt haben. Schon nach seinem allerersten Sieg bei den US Open 1991 nannte der junge Pete Sampras an erster Stelle den Australier als Vorbild, auch Rafael Nadal hat immer wieder auf Laver als möglichen besten Spieler aller Zeiten verwiesen. Und Roger Federer hat seinem ausdrücklichem Idol sogar zu Lebzeiten ein Denkmal der besonderen Art gesetzt, indem er sein 2017 aus der Taufe gehobenes Turnier-Spektakel  "Laver Cup" benannt hat. Rod Laver lässt es sich auch mit über 80 Jahren nicht nehmen, "seiner" Veranstaltung regelmäßig beizuwohnen. Genau wie er auch ein gern und oft gesehener Gast bei den Australian Open ist, deren Hauptstadion ebenfalls seinen Namen trägt.

Auch nach seiner langen aktiven Karriere Karriere ist er ein Kämpfer geblieben, ließ sich auch von einem Schlaganfall, der ihn mit Ende 50 ereilte, nicht langfristig aus der Bahn werfen, sondern erlernte mühsam das Sprechen und Laufen neu, um später sogar gegen die Prognosen aller Ärzte wieder Tennis spielen zu können. Der Versuchung, höchstselbst den Vergleich zwischen der äußerst erfolgreichen aktuellen Tennis-Generation bei den Herren und seinen eigenen Leistungen auf dem Platz zu ziehen ist er bis heute gerne geschickt ausgewichen: "Du kannst der dominierende Spieler deiner Zeit sein, aber ich glaube nicht, dass einem der Titel des Besten aller Zeiten gebührt."


(Bilder: (c) imago images / ZUMA Press | imago images / United Archives International)

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Christian Schwell
am 09.08.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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