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Der Überflieger vor Federer & Co: "Pistol Pete" wird 49

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12.08.2020|11:30 Uhr|von Christian Schwell
Der Überflieger vor Federer & Co: "Pistol Pete" wird 49

Wenn es jemanden gibt, der mit Fug und Recht mit einem weinenden Auge auf die derzeitige Ära im Profitennis, in der sich gleich drei Ausnahmespieler in einem faszinierenden Wettrennen als Rekordbrecher betätigen, blicken könnte, so ist das Pete Sampras.

Der Allerbeste bis Federer & Co kamen

Der Amerikaner, der am 12.8.2020 seinen 49. Geburtstag feiert, konnte nach seinem endgültigen Rücktritt im Jahre 2003 eigentlich davon ausgehen, dass Marken wie die seiner insgesamt vierzehn Grand-Slam-Erfolge, wenn schon nicht für die Ewigkeit, so doch für einen nicht absehbaren Zeitraum das Non­plus­ul­t­ra im Herrentennis bleiben würden. Was nicht nur der erfolgsverwöhnte Sampras nicht ahnen konnte: Schon sechs Jahre später war es damit vorbei, Roger Federer überflügelte ihn 2009 in Wimbledon mit seinem 15. Grand-Slam-Triumph, bald sollten dem Schweizer auch noch Rafael Nadal und Novak Djokovic folgen - Sampras rutschte in dieser wie in vielen anderen objektiven und subjektiven ewigen Ranglisten des Tennis aus den Top drei. 

Dabei ist der Rechtshänder aus der amerikanischen Hauptstadt Washington absolut ein Spieler, der die 90er-Jahre im Tennis geprägt hat. Er ist der erfolgreichste Profi der letzten Spielergeneration, die man klar in Angriffs- und Verteidigungskünstler oder Spezialisten für verschiedene Bodenbeläge einordnen konnte, bevor Veränderungen bei Saiten, Bällen und Belägen die Spielstile immer mehr vereinheitlichten. Sampras war der Prototyp des Angriffsspielers, der seinem starken Aufschlag fast immer ans Netz folgte und Duelle an der Grundlinie gerne zügig mit seiner schnellen Vorhand beendete, die ihm den Spitznamen "Pistol-Pete" einbrachte.    

Dynamische Effizienz und stoische Ruhe 

Lief das Spiel des Amerikaners rund, hatte es mit seiner Athletik und Dynamik eine beeindruckende Effizienz. Der erste und vor allen Dingen auch der zweite Aufschlag besaß eine praktisch konkurrenzlose Mischung aus Schnelligkeit und Präzision. Gerade auf Rasen musste Sampras oft anschließend nur noch mit einem einfachen Volley die Ernte einfahren - wenn der Ball überhaupt zurück kam. So faszinierend das für seine Fans war: Es gab auch Kritiker, die diese immer gleiche und auf schnelle Punktgewinne ausgerichtete Spielweise trotz aller Erfolge als eintönig einstuften.

Mehr noch als sein strategischer Ansatz verhinderte aber vielleicht sein introvertiertes Auftreten auf dem Platz, dass Sampras in der globalen Publikumsgunst so hoch stieg wie es einem, der sechs Mal in Folge das Jahr als Nummer eins beendet, angemessen gewesen wäre. Der Mann mit der einhändigen Rückhand spielte meist stoisch dreinblickend und hochkonzentriert seinen Stiefel runter und gab den Fans während des Spiels wenig Einblick in seine Gefühlswelt - gerade aus seiner amerikanischen Heimat war man aber an extrovertierte Charaktere wie John McEnroe, Jimmy Connors oder Sampras' Rivalen Andre Agassi gewöhnt und schätzte oftmals neben deren Spielkunst auch die Ego-Show auf dem Court. Diese bot ein Sampras einfach nicht an.

Bei den Australian Open reißt die Fassade unter traurigen Umständen

Mindestens einmal riss allerdings diese Fassade konzentrierter Ruhe - leider aus einem ganz traurigen Anlass. 1995 wurde er in seinem Viertelfinalmatch bei den Australian Open gegen Landsmann Jim Courier von einem Fan mit den Worten "Do it for your Coach!" angefeuert. Es war ein Verweis auf Trainer Tim Gullikson, der zu diesem Zeitpunkt schwer erkrankt war und später auch seinem Gehirntumor erliegen sollte. Sampras brach daraufhin auf dem Platz in Tränen aus. So schlimm die Umstände dieser Szene auch waren: Dass Sampras hier seinen Gefühlen freien Lauf ließ, brachte ihm viele Sympathien ein und veränderte seine Wahrnehmung bei vielen Fans positiv.

Gegen Agassi oft die Nase vorn

Seine Erfolge zwischen 1990 und 2002 waren sowieso über jeden Zweifel erhaben. Mit vierzehn Grand Slams (allein sechs Titeln in Wimbledon), 64 Turniersiegen insgesamt und 286 Wochen an der Spitze der Weltrangliste sticht er klar aus der goldenen US-Generation mit Grand-Slam-Siegen seiner Zeit mit Andre Agassi, Jim Courier und Michael Chang heraus.

Auch im direkten Duell gegen seinen größten Konkurrenten Agassi, der vom Auftreten und vom Spielstil her einen geradezu perfekten Gegensatz zu seinem Landsmann darstellte, hat er über die Karriere der beiden hinweg mit 20 Siegen gegenüber 14 Niederlagen recht deutlich die Nase vorn. Noch ärgerlicher für Agassi liest sich die Bilanz bei den US Open: Ob 1990, 1995, 2001 oder 2002 - immer wenn sich die beiden beim für sie vermeintlich wichtigsten Event trafen, ging am Ende Sampras als Sieger vom Platz. Lediglich was den Karriere-Slam angeht, heißt es "Vorteil Agassi". Während Sampras in Roland-Garros mit nur einer Halbfinalteilnahme nie wirklich in Titel-Schlagdistanz kam, machte der Mann aus Las Vegas eben dort seine Titelsammlung der vier größten Turniere der Welt komplett.

Ein Rückkehr in den Profizirkus ist nicht geplant

Während viele seiner prominenten Gegner auch nach dem eigenen Karriereende nicht vom Profizirkus lassen konnten und wieder als Trainer oder Medien-Mitarbeiter auf der Tour unterwegs waren oder sind, hat Sampras eigenem Bekunden nach keine derartigen Ambitionen. Nur hin und wieder spielt er seit seinem Rücktritt Schaukämpfe und zeigt, dass er auch noch in seinen 40ern in der Lage ist, dem Ball beim Aufschlag locker auf 200 km/h zu beschleunigen. Mit seiner Frau Bridgette und zwei Söhnen hat er sich mittlerweile in Kalifornien niedergelassen.   

(Bild: (c) imago images / Mary Evans)           

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Christian Schwell
am 12.08.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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