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Der Mann mit den Baseball-Schlägen: Jim Courier wird 50.

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17.08.2020|13:00 Uhr|von Christian Schwell
Der Mann mit den Baseball-Schlägen: Jim Courier wird 50.

Einige jüngere Tennisfans kennen Jim Courier vielleicht nur als TV-Mitarbeiter, der On-Court-Interviews der originelleren Art mit den Superstars der Szene führt. Tatsächlich war der Amerikaner, der am 17. August 2020 seinen 50. Geburtstag feiert, mal selber so einer. Zwischen 1991 und 1993 holte er vier Grand-Slam-Siege, stand bei allen vier großen Turnieren mindestens einmal im Finale und war insgesamt 58 Wochen lang die Nummer eins der Weltrangliste.  

Erster Grand-Slam-Triumph 1991 in Paris  

Courier war Bestandteil einer ganz außergewöhnlichen Generation des US-amerikanischen Herrentennis. Nachdem 1989 Michael Chang in Paris und 1990 Pete Sampras in New York schon große Titel geholt hatten, schien 1991 eigentlich Andre Agassi der logische nächste Major-Sieger aus Amerika zu sein, hatte er doch seinerseits bereits zwei große Endspiele erreicht. Ausgerechnet Courier, der wie Agassi in der Nick Bollettieri Tennis Academy ausgebildet worden war und schon dort eher im Schatten des extrovertierten Mannes aus Las Vegas gestanden hatte, machte im Finale von Roland-Garros 1991 aber zunächst eine dicken Strich durch diese Rechnung. Er schlug den Favoriten 3:6, 6:4, 2:6, 6:1, 6:4 und schickte ihn damit in eine weitere Grand-Slam-Warteschleife, die noch bis Wimbledon 1992 andauern sollte.

Für Courier war der Titel in Paris dagegen der Startschuss zu seinen drei absolut erfolgreichsten Jahren. Der in Florida gebürtige 1,85m große Rechtshänder spielte den für Bollettieri-Schüler typischen kraftvollen Grundlinien-Stil, seine Schläge kamen optisch aber durchaus unkonventionell daher. Seine Technik war geprägt von extremen Griffen und kurzen und ganz kompakten Ausholbewegungen, die an Baseball-Schläge erinnerten - was Ausrüster Nike später dazu animierte, Courier auch mit Textilien die an Baseball-Uniformen erinnerten, auf den Platz zu schicken.

Vier Grand-Slam-Siege in drei goldenen Jahren

Dank seiner überragenden Athletik produzierte Courier aber auch aus diesen kurzen Schwüngen heraus Grundschläge mit enormer Power. Seine Vorhand, die er sehr gerne als Inside-Out-Schlag einsetzte, war sicherlich eine der härtesten ihrer Zeit. Diese Vorhand, seine Physis und auch sein in diesen Jahren nimmermüder Kampfeswille trugen Courier zu drei weiteren Triumphen bei Grand-Slam-Turnieren. Er verteidigte 1992 seinen French-Open-Sieg und holte sich in Australien 1992 und 1993 ebenfalls zwei Titel in Folge. Er war der erste Spieler, der nach den Siegen in den an die Anlage in Melbourne grenzenden Yarra River  sprang.   

Mitte 1993 kommt der Bruch in Couriers Karriere 

Der Bruch dieser Erfolgsserie kam dann aber Mitte 1993. Courier musste innerhalb weniger Wochen zwei ganz herbe Niederlagen verkraften, als er est im Finale von Paris nach einer 2:1-Satzführung noch dem jungen Sergi Bruguera in fünf Sätzen unterlag und damit einen möglichen dritten Triumph in Folge verspielte und danach im Wimbledonfinale in vier Sätzen Pete Sampras unterlegen war.

Fortan gelang es ihm ganz offensichtlich seltener, die nötige Motivation für seinen aufwändigen Spielstil dauerhaft auf den Platz zu bringen. Courier verlor den Fokus aufs Tennis. Die Tatsache wurde besonders durch eine Episode beim Masters Cup in Frankfurt deutlich, als er den Seitenwechsel bei seinem Gruppenspiel gegen Andrei Medvedev dazu nutzte, gedankenverloren in einem Buch zu lesen. Kein Tennis-Buch, sondern die Novelle "‘Maybe the Moon" von Armistead Maupin. Genützt hat es nichts, Courier verlor die Partie noch nachdem er selbst vier Matchbälle nicht verwerten konnte. 

Rücktritt mit 29

Überhaupt war die stärkste Phase in der Tenniskarriere des Amerikaners spätestens ab 1994 endgültig  vorbei. Courier hatte weiter mit Motivationsproblemen zu kämpfen, auch eine Nervenentzündug im Arm machte ihm später zu schaffen. 1995 schaffte er nochmal vier Turniererfolge und auch später trug er sich noch sporadisch in Siegerlisten ein, bei den Grand Slams schaffte er es aber nach 1993 nie wieder in ein Finale. Am 9. Mai 2000 folgte dann der Rücktritt vom Profitennis mit nur 29 Jahren. 

Den Spaß, den Sport wenigstens zu begleiten, hat er aber in späteren Jahren offensichtlich wiedergefunden. Courier hat nach seinem Rücktritt bereits für diverse Fernsehsender gearbeitet und ist - wie schon erwähnt - beim Publikum besonders wegen seiner humorvollen Interviews auf dem Platz äußerst beliebt. Zwischen 2010 und 2018 war er auch Kapitän des US-Davis-Cup-Teams mit dem er selbst als aktiver Spieler zuvor zweimal den Cup holen konnte.       

( Bilder: (c)imago images / Schreyer | imago images / Norbert Schmidt)

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Christian Schwell
am 17.08.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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