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Überlebenskünstler! Murray fightet sich zum Comeback

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01.09.2020|23:00 Uhr|von Christian Schwell
Überlebenskünstler! Murray fightet sich zum Comeback

Andy Murray hat seine Kämpfer-Qualitäten ein weiteres Mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nachdem er mehr als zwei Sätze lang wie der sichere Verlierer gegen Yoshihito Nishioka aus Japan aussah, holte er sich die Partie noch mit 4:6, 4:6, 7:6 (5), 7:6 (4), 6:4.  

Murray hatte durch seinen Sieg über Alexander Zverev nach fast einjähriger Abstinenz von der Tour Zweifel an dessen aktueller Leistungsfähigkeit geweckt, bei genauerem Hinsehen ließ aber auch der "Cincinnati"-Auftritt des Schotten einige Fragen offen. Denn zwei überzeugenden und erfolgreichen Dreisatz-Matches gegen Tiafoe und Zverev folgte eine arg unterdurchschnittliche Leistung bei der Niederlage gegen Raonic.

Heute gab es für die aktuelle Nummer 115 der Welt allerdings eine gänzlich andere Aufgabenstellung als gegen den aufschlagstarken Kanadier. Der Linkshänder Nishioka, Nummer 45 der Welt und ohne Spielpraxis aber mit der Empfehlung von zwei gewonnenen Grand-Slam-Runden im Januar in Melbourne nach New York angereist, ist im Gegensatz zu Raonic keiner, der den Gegner einfach überpowern kann. Stattdessen muss er sich auch auf die Abnutzungs-Schlachten von der Grundlinie einlassen, die eigentlich immer die Spezialität des ehemaligen Weltranglistenersten Murray waren. 

Murray tut sich von Beginn an schwer

Es zeigte sich aber schnell, dass es der Champion von 2012 in seinem ersten Grand-Slam-Match nach seiner Hüft-Operation alles andere als einfach habe würde. Der quirlige Japaner ergriff mit seiner Vorhand und gutem Winkelspiel in den Grundlinienduellen immer wieder die Initiative, Murray dagegen unterlief der eine oder andere einfache Fehler zu viel. So reichte Nishioka ein Break zum Satzgewinn mit 6:4.

Der Schotte kommt zunächst einfach nicht in die Partie

Im zweiten Durchgang setzte sich dieses Bild in für Murray bedenklicher Art und Weise fort. Yoshihito Nishioka bewegte den 33-Jährigen geschickt, beim Versuch selber bestimmender zu werden war die Fehlerquote Murrays einfach zu hoch. Der deutlich erfahrenere Spieler schien weiter nicht richtig auf dem Platz zu sein und ließ die erforderliche Wettkampf-Spannung zumindest dem Augenschein nach vermissen.

Der Japaner nutzte das zu gleich zwei weiteren Breaks. Zwar erwachten die Lebensgeister des dreifachen Grand-Slam-Siegers zur Mitte des Satzes etwas und er konnte ein Break wieder wettmachen, letztendlich holte sich Nishioka aber mit einem zweiten 6:4 ganz verdient die doppelte Satzführung. 

Jetzt war der Weg in Runde zwei für Murray schon sehr weit. Und ein sofortiges weiteres Break für seinen 24-jährigen Gegner ließ die Hoffnungen der Murray-Fans auf ein spektakuläres Comeback weiter ins Bodenlose sinken. Der versuchte nun aber immerhin zu variieren, durch flachere Schläge mehr Druck zu erzeugen und auch mal Serve & Volley einzustreuen. Erstmals im Match zeigte das etwas Wirkung bei Nishioka, der Murray schließlich das Rebreak zum 3:3 mit einem Doppelfehler schenkte. Plötzlich war das lange vermisste Feuer in Murray Spiel wenigstens phasenweise da.              

In Satz drei und vier wird der Tiebreak zur Rettung

Murray schaffte es jetzt endlich, Nishioka mit mehr Intensität in die Defensive zu drängen. Und wurde belohnt. Im Tiebreak erspielte er sich eine 6-4 Führung. Seinen zweiten Satzball nutze er schließlich und schickte damit das Match in die Verlängerung. 

Auch im Verlauf von Satz vier konnte er sich allerdings nie einen klaren Vorteil erspielen. Im Gegenteil, bei 5:6 und Matchball gegen sich stand er so dicht vor dem Aus wie nie in dieser Partie. Er rettete sich aber erneut in den Tiebreak und zeigte hier wie schon im Satz zuvor zuvor eine Steigerung, der Nishioka nicht genug entgegen setzen konnte. Mit 7-4 machte Murray einen Satzausgleich, der anderthalb Sätze zuvor noch komplett utopisch erschien, tatsächlich perfekt.      

Zwei Lobs bringen Murray endgültig auf die Siegerstraße 

Trotz des für ihn äußerst unglücklichen Verlaufs, trotz der ungenutzten Chancen: Noch war der Widerstand des unermüdlichen Japaners nicht gebrochen, noch einmal bäumte er sich auf und schaffte tatsächlich das erste Break im Entscheidungssatz. Murray schlug aber zurück, holte sich das Rebreak mit einem herrlichen Topspsin-Lob und hatte forthin den Vorteil, immer mit dem Aufschlag vorlegen zu können. Schon bei 5:4 sollte sich das entscheidend auszahlen: Nach vier Stunden und 39 Minuten war es erneut ein klug eingesetzter Lob, der ihm letztendlich den Sieg bescherte.   


(Bild (c) imago / ZUMA Press)

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Christian Schwell
am 01.09.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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