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FINALE! Zverev feiert historisches Comeback

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12.09.2020|01:40 Uhr|von Adrian Rehling
FINALE! Zverev feiert historisches Comeback

Wahnsinn! Alexander Zverev hat es im Halbfinale der US Open auf den Gipfel getrieben. Ein 0:2-Rückstand und eine bis dahin schwache Leistung machten kaum noch Hoffnung auf das Endspiel - dann aber die triumphale Rückkehr.

Kurz vorweg: Das Duell gegen Pablo Carreno Busta hatte nicht die Qualität eines Grand-Slam-Halbfinals. Da waren sich alle Experten einig. Aber dennoch wird das Spiel in die Geschichte eingehen. Weil Zverev nämlich noch das geschichtsreife Comeback schaffte und mit 3:6, 2:6, 6:3, 6:4, 6:3 gewann.

Es war ein Spiel mit so vielen interessanten Vorzeichen. Beim Aufschlag zum Beispiel: Zverev hatte bis zum Halbfinale 92 Asse auf dem Konto, Carreno Busta nur 19. Der Deutsche servierte allerdings auch 41 Doppelfehler, der Spanier nur deren neun. Auch interessant: Zverev schlug mit 247 zu 147 mehr Winner, begann mit 184 zu 129 aber auch viel mehr leichte Fehler. Und stand zudem exakt zwei Stunden mehr als sein Widersacher auf dem Platz. 

In Durchgang eins sollte es allerdings recht schnell gehen. Beim Stand von 1:1 ließ Zverev eine Breakchance liegen, wurde danach ganz kalt erwischt. Eine leichte Rückhand verzogen zum ersten Aufschlagverlust, kurz darauf gleich noch ein kassiertes Break zum 1:5 hinterher. Natürlich die Vorentscheidung, auch wenn "Sascha" sich noch ein Break zurückholte. Am Satzverlust nach 40 Minuten konnte er allerdings nicht mehr rütteln, vollendete ihn vielmehr erneut mit einem unnötigen Rückhandfehler.

Bruder Mischa: "Ich glaube, Sascha war zu nervös"

Ein Umstand, der dem Deutschen aber noch keine Panik verschaffen sollte. Auch in Runde drei gegen Adrian Mannarino sowie im Viertelfinale gegen Borna Coric lief Zverev einem Satzrückstand hinterher - und drehte die Partien noch. Was allerdings deutlich mehr Sorgen machen musste, war der erneute, frühe Aufschlagverlust zum 0:1. Carreno Busta feuerte eine Rückhand-Longline nah an die Linie, Zverev konnte nur hinterherschauen. Und es ging vorerst so desaströs weiter für Deutschlands Nummer eins. Aufschlagspiel Carreno Busta zu Null, dann servierte "Sascha" dem Spanier das nächste Break auf dem Silbertablett. Zwei Doppelfehler in Serie, eine völlig unbedrängte Vorhand ins Netz, fertig war das 0:3.

Was folgte? 0:4, 0:5. Zverev ließ frustriert die Schultern hängen, vermied aber immerhin die Höchststrafe. Am deutlichen Satzverlust konnte er aber nichts mehr ändern. Und nun musste dem Deutschen wirklich bange werden ob der so großen Grand-Slam-Finalchance. Ein 0:2-Satzrückstand nach nicht einmal eineinhalb Stunden. Der zugeschaltete Bruder Mischa sagte: "Ich glaube, Sascha war zu nervös." 

Ob der ältere Zverev in diesem Moment um eine nicht unbedingt mutmachende Statistik Bescheid wusste? Zverev hatte noch nie zuvor einen solchen Rückstand wettmachen können. Ohnehin schafften dies in einem US-Open-Halbfinale erst fünf Profis zuvor. Doch im dritten Durchgang wurde der 23-Jährige urplötzlich lockerer. Verwandelte mit einem herrlichen Vorhand-Longline zum Break zum 3:1, ließ sich auch vom anschließenden Aufschlagverlust nicht beirren, sondern schlug erneut mit einem Break zu. Die Führung hatte Zverev nicht nur bis zum 5:3 inne, sondern veredelte mit einem bärenstarken Aufschlagspiel. Zwei Asse und zweite weitere starke erste Aufschläge später stand es nur noch 1:2 nach Sätzen.

Die Nerven lagen auf beiden Seiten blank

Boris Becker gab im TV-Studio die weitere Marschroute vor: "Er muss sich jetzt darauf konzentrieren, warum er den dritten Satz gewonnen hat. Weil er ins Risiko gegangen ist." Ins Risiko: Ja. In die Ästhetik: Nein. Es war ein Match auf sehr überschaubarem Niveau. Ein Hin und Her bezogen darauf, wer weniger Fehler machen und Nerven zeigen sollte. Anfang des vierten Satzes war es Carreno Busta, der sich den Aufschlag zum ersten Mal abnehmen ließ. Doch anstatt nun souveräner zu werden, schlug Zverev einen derben Doppelfehler zum 0:40, kassierte kurz darauf das Rebreak zum 2:2. Dennoch setzte der Deutsche den entscheidenden Nadelstich: Carreno Busta wurde in seinen Aufschlägen kürzer und langsamer, "Sascha" nutzte die Schwäche mit einem Vorhand-Winner zum Break zum 4:3. Der fünfte Durchgang war nun zum Greifen nahe. Und tatsächlich war das 6:4 kurz darauf vollbracht, vollendet mit einem Ass von Alexander Zverev

Erneut wurde Bruder Mischa zugeschaltet, der schwärmte: "Sascha ist halt ein Phänomen. Er ist unglaublich." Und der jüngere Bruder lief nun heiß. Direkt zu Beginn des fünften Satzes holte sich der DTB-Profi das Break zum 1:0. Während Zverev weiterhin fit wirkte, zeigte Carreno Busta nun körperliche Mängel. Der Weltranglisten-7. und Favorit nutzte diese Schwäche konsequent, spielte endlich das Tennis, das er vermutlich auch selbst so von Anfang an von sich erwartet hätte. Nach exakt 3:23 Stunden machte Zverev den Fünfsatz-Erfolg perfekt und krönte sich damit zum jüngsten Grand-Slam-Finalisten seit 2010.

Der Endspiel-Gegner wird im Anschluss im Kracher-Halbfinale ermittelt. Für viele Experten ist das Duell zwischen Dominic Thiem und Daniil Medvedev eine Art vorweggenommenes Finale.

(Bild (c) imago images /Xinhua)

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Adrian Rehling
am 12.09.2020 gepostet von:
Adrian Rehling
Redakteur
Adrian liebt seinen Job. Social-Media-Spürnase, bringt das nötige Quäntchen Boulevard ins Team. Gute Laune in Person.

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