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Dominic Thiem ist jetzt Grand-Slam-Champion

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14.09.2020|02:20 Uhr|von Adrian Rehling
Dominic Thiem ist jetzt Grand-Slam-Champion

Ein Grand-Slam-Finale als Duell unter guten Kumpels. Ein mit Spannung erwarteter Endspiel-Kracher. Nach zwei einseitigen Sätzen für Zverev konnten am Ende beide begeistern - und Sieger Dominic Thiem schrieb Geschichte.

Im Vorfeld des Matches gegen Dominic Thiem hatte "Sascha" ganz sachlich analysiert: "Es sind noch zwei Spieler im Turnier verblieben. Einer von beiden wird den Pokal in die Höhe stemmen. Also habe ich eine Chance." Damit spielte der DTB-Profi auf den Fakt an, dass ihn ein Großteil der Experten als Außenseiter eingestuft hatte. Doch Zverev strafte alle Skeptiker lange Zeit lügen. 6:2, 6:4, Break vor im dritten Satz. Alles sah nach einem Triumph des Deutschen aus. Aber Thiem schlug zurück - und holte sich die folgenden drei Sätze tatsächlich noch mit 6:4, 6:3, 7:6.

Chance zur 2:0-Satzführung nach nur 61 (!) Minuten

Den ersten Nadelstich setzte Zverev nach nur wenigen Augenblicken. Bei 1:1 und Breakball ging er mutig ans Netz und vollstreckte zum frühen Break. Zu dieser Zeit hatte der Deutsche satte 6:1-Winner auf dem Konto. Und genauso sollte es weitergehen: Während sich "Sascha" entschlossen zeigte, gut servierte und wenig Fehler machte, lief bei Thiem überhaupt nichts zusammen. Ein Blick auf die Aufschlagstatistiken unterstrich das am beeindruckendsten: Bei Zverev waren es 68 Prozent beim ersten Service, in zwölf von 13 Fällen konnte er dann auch den Punkt erzielen. Und Thiem? Der brachte nur unterirdrische 37 Prozent beim ersten Aufschlag ins Feld. Folgerichtig servierte Zverev nach genau einer halben Stunde mit einem Ass zur Satzführung aus.

Auch zu Beginn des zweiten Durchgang dasselbe Bild. Wieder ein früher Aufschlagverlust des ÖTV-Profis zum 1:2, Thiem hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 13 leichte Fehler auf dem Konto. Nach nur 43 Minuten! Wenig später das Doppelbreak Zverevs zum 4:1, eingefahren mit einer hohen Vorhand in die Mitte, auf die "Domi" abermals keine Antwort fand. Nach nur 61 Minute hatte "Sascha" dann bei 6:1, 5:1 die erste Möglichkeit zur 2:0-Satzführung. Doch anstatt mit einem vermeintlich leichten Vorhand-Volley den Durchgang zuzumachen, stand es wenige Minuten später plötzlich nur noch 5:4. Letztlich brachte Zverev den Satz aber doch durch, verwandelte den fünften Satzball mit einer interessanten Kick-Aufschlag-Rückhand-Longline-Winner-Kombination.

Der erste österreichische Triumph in New York

Und auch im dritten Durchgang setzte Alexander Zverev den ersten Nadelstich mit einem Break zum 2:1. Doppelt eingeladen von Dominic Thiem, der nach Einstand zwei völlig unnötige Fehler fabrizierte. Becker analysierte vollkommen treffend: "Weltklasse-Schlägen folgen Kreisklasse-Fehler." Genauso auch beim folgenden Aufschlagspiel des Deutschen, denn dieses Mal konnte der Österreicher zum ersten Mal umgehend zurückschlagen. Mit einem starken Rückhand-Return bei Breakball seinerseits. Bis zum 5:4 für Thiem blieb danach alles in der Reihe, ehe "Domi" im entscheidenden Moment zuschlug. Zverev verschlug eine leichte Vorhand, der erste Satzgewinn für die Nummer drei der Welt war perfekt.

Sollte doch noch einmal Hoffnung einkehren? Der letzte Profi, der nach 0:2-Satzrückstand noch ein US-Open-Endspiel für sich entscheiden konnte, war ein gewisser Pancho Gonzalez im Jahr 1949. Es entwickelte sich nun die beste Phase des Matches, denn nun spielten beiden Profis endlich das, was von ihnen erwartet wurde. Die Folge: Weniger Fehler und deutlich bessere Ballwechsel. Eine überragende Rallye verwandelte Thiem zu zwei Breakbällen, beide wehrte Zverev allerdings stark ab. 3:3, alles weiter in der Reihe. Es brach erneut die entscheidende Phase an - und wie schon im vierten Durchgang war es Thiem, der sich das bessere Ende sicherte. Zverev schlug bei Breakball ebenso eine leichte Vorhand ins Netz wie später beim ersten Satzball Thiems. Zum fünften Mal in Serie musste ein Grand-Slam-Endspiel im fünften Satz entschieden werden.

Und im Fünften? Direkt der nächste Rückschlag für den Deutschen. Nach nur zwei Minuten und einem verschlagenen Rückhand-Cross kassierte er das Break. Doch "Sascha" fightete. Holte sich mit einem schwierigen Rückhand-Passierball die Breakchance, die ihm Thiem leichtfertig gewährte. 1:1, alles wieder auf Null. Bei 4:3 für Zverev dann die vermeintliche Entscheidung. Erst setzte Thiem eine Vorhand ins Netz, dann machte der Deutsche mit einem Netzangriff Druck und schaffte das Break zum 5:3. Doch es passte zum Match, dass der Österreicher mit einem zu guten Vorhand-Return das Rebreak schaffte. Spannender konnte es wirklich kaum sein. Thiem drehte jetzt noch einmal mächtig auf: 5:5-Ausgleich, Break zum 6:5. Danach ließ sich der 27-Jährige vom Physio behandeln, der Körper machte sich langsam bemerkbar. Zverev schaffte das Rebreak, der Tiebreak musste tatsächlich die Entscheidung bringen. Hier setzte sich final "Domi" mit einem 8:6 durch.

Der Rest war riesiger Jubel bei Dominic Thiem, der sich zu Boden fielen ließ und damit österreichische Tennisgeschichte schrieb. Der erste US-Open-Sieger aus der Alpenrepublik überhaupt. Ein Tag, der "Domi" für immer in Erinnerung bleiben wird.

(Bild (c) USTA/ Pete Staples 2020)

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Adrian Rehling
am 14.09.2020 gepostet von:
Adrian Rehling
Redakteur
Adrian liebt seinen Job. Social-Media-Spürnase, bringt das nötige Quäntchen Boulevard ins Team. Gute Laune in Person.

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