Jetzt die App myTennis runterladen!

Auch unterwegs immer informiert bleiben & die Welt des Tennis entdecken.

Billboard : 4475835
Pro

Der Mann mit der Kappe wird 50

Leaderboard : 4475810
Top : 4475800
22.09.2020|12:30 Uhr|von Christian Schwell
Der Mann mit der Kappe wird 50

In Wirklichkeit wurde Marc-Kevin Goellner natürlich tatsächlich am 22.09.1970 als Diplomatensohn im brasilianischen Rio geboren (übrigens der Grund dafür, dass der Umlaut aus seinem Familiennamen verschwunden ist) und feiert somit 2020 seinen 50. Geburtstag. Für die deutsche Tennis-Öffentlichkeit datiert seine Geburtsstunde aber auf den 18. April 1993, als er laut Pass schon 22 Jahre alt ist.

Der Sieg gegen Lendl als Geburtsstunde für die Öffentlichkeit 

An diesem Tag schlägt er im Endspiel des Sandplatz-Turniers von Nizza den großen Ivan Lendl und trägt fortan die Hoffnungen und die Erwartungen der Nation, dass es nach Boris Becker und Michael Stich im deutschen Herrentennis einfach nahtlos so weiter gehen kann mit den ganz großen Erfolgen, eine Zeit lang auf seinen schmalen Schultern. 

Goellner hat damals auch durchaus das, was man wohl Starqualitäten nennt. Nicht nur ein attraktives Offensiv-Tennis von der Grundlinie, auch eine Persönlichkeit, die die Zuschauer mitfiebern und an den Emotionen auf dem Platz teilhaben lässt. Er ist ein Sympathieträger, viel mehr Sonnyboy als der als spröde wahrgenommene Michael Stich und unkomplizierter als ein Boris Becker, der nach den ganz frühen Jahren seiner Karriere in den 90ern beginnt, öffentlich Ecken und Kanten zu entwickeln. Goellners Spitzname "Baby Bum Bum", den die Boulevard-Presse ihm verpasst, zeugt schon von der Sehnsucht, wieder eine gänzlich unkomplizierte Persönlichkeit im Stile des ganz jungen Beckers für die großen Schlagzeilen parat zu haben.   

Die umgedrehte Kappe wird zum Markenzeichen

Vor allen Dingen hat Goellner aber ein eigenes echtes Markenzeichen: Die umgedrehte Baseball-Kappe auf dem Kopf. Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Das war 1993 noch praktisch ein Alleinstellungsmerkmal, ein ungewöhnlicher Hingucker, eine jugendlich-modische Extravaganz, die sich nicht jeder "traut". Entsprechend gibt die Mütze ihm einen extremen Wiedererkennungswert und öffnet Vermarktungschancen. So reißen sich dann auch die Hersteller um ihn, Goellner wird in den Jahren nach 1993 für einige große Textil-Marken werben, selbst TV-Spots werden mit ihm gedreht.

Sportlich eher im Team erfolgreich

Sportlich bleibt er dann aber hinter den riesigen Erwartungen zurück. Platz Nummer 26 bleibt seine beste Platzierung in der Weltrangliste, große Erfolge feiert er eher, wenn er im Team agiert. Noch 1993 ist er Teil der siegreichen deutschen Davis-Cup-Mannschaft, 1996 holt er zusammen mit David Prinosil die Bronzemedaille im olympischen Doppel, mit dem selben Partner steht er auch im Finale der French Open. Dazu kommen gleich fünf Mannschaftsmeisterschaften mit Blau-Weiß-Neuss in der Tennis Bundesliga.

Dass es im Einzel auf der Tour nicht für noch mehr gereicht hat, macht er später an der übertriebenen Erwartungshaltung, sowohl der der Öffentlichkeit als auch seiner eigenen fest: "Der Druck war enorm" rekapitulierte Goellner noch vor einigen Wochen in einem Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung. 2005 beendet er seine Profi-Zeit schließlich endgültig.        

Eigene Akademie in Köln 

Goellner ist dem Tennis aber trotzdem erhalten geblieben und gibt seine vielfältigen Erfahrungen mittlerweile erfolgreich weiter. In Köln leitet er eine Tennisakademie und betreut ambitionierte Nachwuchs-Spieler. Und wenn er selbst zum Schläger greift, erkennt man ihn auch mit 50 noch - falls man ihn nicht sowieso erkennt - an der umgedrehten Kappe auf dem Kopf. 

(Bild: (c) imago images / HJS)

WAS IST DEINE MEINUNG?
Lustig

LUSTIG

0

Liebe

LIEBE

0

Oh man...

OH MAN...

0

Wow

WOW

0

Traurig

TRAURIG

0

Wütend

WüTEND

0

Christian Schwell
am 22.09.2020 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

» Zu den Beiträgen von Christian Schwell