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Martina Hingis: Ein "Wunderkind" wird 40

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30.09.2020|11:15 Uhr|von Dennis Ebbecke
Martina Hingis: Ein "Wunderkind" wird 40

Die Schweizerin Martina Hingis, die in ihrer Jugend als eins der zahlreichen "Wunderkinder" im Tennis galt, dies im Gegensatz zu vielen anderen dann aber auch mit diversen großen Erfolgen bestätigt hat, feiert am 30.09.2020 einen runden Geburtstag und wird 40.

Ganz früh ging es für Hingis steil nach oben

1994 gab sie bereits als erst Dreizehnjährige ihr Debüt auf der Tour, am Ende dieses Jahres wurde sie auf Rang 87 der Rangliste geführt. Kurze Zeit später gewann Hingis mit nur 14 Jahren als jüngste Spielerin der Geschichte bei den Australian Open ein Grand-Slam-Match und spielt sich im Laufe ihrer ersten vollen Profisaison hoch bis auf einen sensationellen 16. Platz in der Damen-Weltrangliste.

Auch in den nächstenJahren ging es mit der Karriere der Schweizerin weiter steil nach oben: 1996 holte sie ihren ersten Einzelturniersieg im schwäbischen Filderstadt, beendete das Jahr schon auf Platz 4. Ihr Doppelsieg in Wimbledon an der Seite von Helena Sukova zeigt zusätzlich die große spielerische Qualität, die Hingis schon in diesen frühen Jahren hatte. Im Gegensatz zu vielen Spielerinnen ihrer Generation aber auch zu vielen weiblichen Profis heute glänzte sie mit einem äußerst variantenreicheren Tennis, spielte taktisch klug und mit viel Variabilität und zeigte auch keine Scheu vor Netzangriffen.

Grand-Slam-Siege und Platz eins mit nur 16 Jahren

Die hohe Trainingsintensität in der Kindheit und Jugend unter Anleitung ihrer Mutter Melanie Molitor trug Früchte, Anfang 1997 explodierten die Leistungen des Ausnahmetalents dann nochmal geradezu. Hingis holte sich zu Saisonbeginn ihren ersten Grand-Slam-Titel bei den Australian Open und verlernte in der Folge zeitweise das Verlieren. Nach Turniersiegen in Tokio, Paris und Key Biscane (Miami), wo sie im Endspiel der großen Monica Seles mit 6:2, 6:1 überhaupt keine Chance ließ, erklomm Hingis schließlich als jüngste Spielerin der Geschichte mit nur 16 Jahren die Spitzenposition der Weltrangliste. Die Schweizerin löste dabei die Jahrhundert-Spielerin Steffi Graf ab, die  - durch eine Knieverletzung gehandicapt - tatenlos zusehen musste, wie Hingis an ihr vorbei zog. Hingis beendete so einer Ära, denn Graf gelang es anschließend nicht mehr, die Nummer eins zurückzuerobern. Hingis dagegen holte sich 1997 auch noch die Titel in Wimbledon und den US Open und war eindeutig die beste Spielerin der Welt.


1999: Die French-Open-Niederlage als Karriere-Knackpunkt

Eine jahrelange Dominanz im Stile ihrer Vorgängerin Steffi Graf blieb ihr aber verwehrt. Zwar holte sie bei den Australian Open 1998 und 1999 noch  zwei weitere Grand-Slam-Titel, ansonsten flachte ihre Erfolgskurve aber etwas ab, auch weil ihr in Person von Lindsay Davenport eine neue ernsthafte Konkurrentin im Kampf um die Weltspitze erwuchs.  

Zudem hatte Hingis jetzt auch an anderen Fronten mit vorher nicht gekannten Problemen zu kämpfen. Sie wurde verletzungsanfälliger und verlor auch teilweise die zuvor recht uneingeschränkte Gunst des Publikums, weil ihr einst als kokett und erfrischend wahrgenommene selbstbewusste Äußerungen und Verhaltensweisen nun mehr und mehr öffentlich als Arroganz ausgelegt wurden.

Höhepunkt dieser Entwicklung und gleichzeitig Knackpunkt in Hingis' Einzelkarriere war dann das French-Open-Finale 1999 gegen eine kurz vor dem Karriereende stehende Steffi Graf. Haushoch führend verzettelte sich Hingis in Diskussionen über Linienrichter-Entscheidungen und bringt so das Publikum gegen sich auf. Gnadenlos ausgebuht verspielte sie den sicheren Sieg noch in drei Sätzen und musste anschließend komplett aufgelöst weinend von ihrer Mutter zur Siegerehrung wieder zurück auf den Court  Philippe-Chatrier geführt werden. Im Rückblick betrachtet erholte sie sich nie vollständig von dieser bitteren Erfahrung: Anschließend gewann sie im Einzel kein Grand-Slam-Turnier mehr. 2003 trat sie erstmals vom Tennis zurück, ein Einzel-Comeback 2006 endete nach einem Jahr unrühmlich mit einer Doping-Sperre wegen Kokainkonsums. 

"Spätes Glück" in Doppel und Mixed

Im Doppel und Mixed dagegen kehrte Martina Hingis anschließend zwischen 2013 und 2017 nochmal sehr erfolgreich auf die Center-Courts der Tenniswelt zurück und holte sich mit verschiedenen Partnerinnen und Partner große Titel. Im Halbfinale der WTA Finals 2017 spielte sie  dann schließlich an der Seite ihrer Doppelpartnerin Chan Yung-Jan letztes Profi-Match. Das Zahlenwerk der Erfolge der jetzt Vierzigjährigen beeindruckt weiterhin: Hingis erspielte sich insgesamt mehr als 107 Turniersiege, davon 64 im Doppel und 43 im Einzel.  
 


(Bild: (c)imago images / ZUMA Press)

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Dennis Ebbecke
am 30.09.2020 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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