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Thomas Muster: Mit unbändigem Ehrgeiz zur Legende

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02.10.2020|12:15 Uhr|von Dennis Ebbecke
Thomas Muster: Mit unbändigem Ehrgeiz zur Legende

Um eine Tennis-Legende zu werden, muss man möglichst viele Titel gewonnen haben. Genau das hat Thomas Muster getan - nämlich 44 im Einzel an der Zahl. Doch Erfolge alleine reichen nicht aus, um Menschen über Generationen hinweg zu begeistern und zu prägen. Wer immer wieder aufsteht, nachdem er am Boden lag. Wer seine Kritiker mit Leistung eindrucksvoll verstummen lässt. Und wer von Ehrgeiz getrieben den Bogen auch mal überspannt - der hat das Zeug zum Helden in der Welt des Sports.

Der Österreicher, der am heutigen 2. Oktober seinen 53. Geburtstag feiert, hat nicht nur das Zeug dazu. Nein, Muster ist eine lebende Legende, weil er im Verlauf seiner Karriere all die eingangs beschriebenen Facetten gezeigt hat - und weil er zudem für kleine Kontroversen sorgte, die einen Sportler ausmachen und in ein hochspannendes Gewand hüllen.

Kein gewonnenes Wimbledon-Match - und trotzdem Nummer 1 der Welt

Ein Beispiel gefällig? Muster avancierte einige Monate nach seinem großen French-Open-Triumph 1995 für insgesamt sechs Wochen zur Nummer eins der Welt (ab Februar 1996). Der Mann aus der Steiermark konnte 80 Prozent seiner Finalmatches für sich entschieden. Doch so kurios es klingen mag: In Wimbledon, dem wohl prestigeträchtigsten Grand Slam, gelang ihm nicht ein einziger Sieg - und hier ist nicht etwa ein Turniersieg gemeint. Thomas Muster konnte in seiner gesamten Profi-Laufbahn tatsächlich kein Match auf dem heiligen Rasen an der Church Road gewinnen. Lediglich 1994 holte er gegen den Deutschen Alexander Mronz zwei Sätze, alle anderen Duelle verlor er glatt in drei Sätzen.

Extreme dieser Art gibt es im Tennis nur selten zu bewundern. Anhand des Beispiels Thomas Muster wird deutlich, dass man trotz Niederlagen seine Träume verwirklichen kann ... und dass man sich auf seine Stärken fokussieren muss. Und diese konnte der Linkshänder am besten auf Sand ausspielen. Und wie!

Becker und Chang bissen sich 1995 die Zähne aus

Im April 1995 fügte Muster seinem damaligen deutschen Rivalen Boris Becker eine der schlimmsten Niederlagen seiner Karriere zu, wie Letzterer später zugeben sollte. Auf dem Weg zum Titel in Monte Carlo war der Österreicher im Halbfinale beinahe kollabiert. Der Fast-Zusammenbruch hielt den Kämpfer jedoch nicht davon ab, im Endspiel gegen Becker zwei Matchbälle abzuwehren und sich den Titel in fünf Sätzen zu sichern. Kurze Zeit später triumphierte Muster im French-Open-Finale gegen Michael Chang - sein erster und einziger Grand-Slam-Titel.

Spätestens seit seinem Erfolg in Paris gilt der heute 53-Jährige als der erfolgreichste österreichische Tennisspieler aller Zeiten - auch wenn sich der amtierende US-Open-Champion Dominic Thiem so langsam anschickt, Muster diesen Rang streitig zu machen. Apropos Thiem: Im Januar 2020 erklärte Österreichs Nummer eins die kurze Zusammenarbeit mit seinem damaligen Trainer Muster während der Australian Open für beendet. Die beiden unterschiedlichen Charaktere hatten offensichtlich nicht zueinander gepasst.

Thomas Muster hatte als Spieler immer seinen eigenen Kopf, als Coach dürfte das heute nicht anders sein. Doch genau mit diesem unbedingten Siegeswillen und seinen gewissen Eigenarten hat er sich an die Spitze der Tenniswelt gespielt. Sein Topspin war - insbesondere auf Sand - gefürchtet, seine gelegentlichen Netzangriffe und seine einhändige Rückhand verliehen seinen Auftritt die nötige Prise Unberechenbarkeit.

So belehrte er John McEnroe eines Besseren!

Niemand spielte gerne gegen den Österreicher - ein größeres Lob konnte man ihm vermutlich kaum bereiten. Und wer ihn unterschätzte, wurde sofort eines Besseren belehrt. Kurz vor den French Open 1995 brachte etwa Legende John McEnroe folgendes Statement über die Lippen: "Für mich gewinnt Muster nicht die French Open. Denn ich habe ihn nie bei einem der großen Turniere etwas Besonders tun gesehen. Er erstickt bei den Grand Slams." Der Ausgang dieser Geschichte ist hinlänglich bekannt ...

(Bild (c) imago images / Pressefoto Baumann)

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Dennis Ebbecke
am 02.10.2020 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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