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Giganten-Schlacht: „Domi“ muss sich Kumpel Diego nach irrem Krimi beugen

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06.10.2020|20:40 Uhr|von Björn Walter
Giganten-Schlacht: „Domi“ muss sich Kumpel Diego nach irrem Krimi beugen

Was für ein irrer Abnutzungskampf! Brutaler als der Viertelfinalkrimi zwischen Dominic Thiem und Diego Schwartzman kann ein Tennismatch kaum ablaufen. Endlos lange Ballwechsel, stürmische Böen und zwei Spieler, die sich vom ersten bis zum letzten Punkt bis zur totalen Erschöpfung alles abverlangen. Es war kein hochklassiges Duell, dafür aber ein ungemein spannendes.

5:08 Stunden und fünf hochintensive Sätze benötigte Diego Schwartzman, um US-Open-Champion Dominic Thiem aus allen Träumen zu reißen. Der Argentinier gewann das Kumpel-Duell mit 7:6 (1), 5:7, 6:7 (6), 7:6 (5) und 6:2.

Schwartzman gewinnt irres Marathon-Match

Der Südamerikaner hatte im Vorfeld noch in weiser Voraussicht gescherzt: „Domi hat so getan, als wenn er mir ein Bein stellt. Gemacht hat er es aber nicht.“ Auf dem Platz musste die Freundschaft dann allerdings erst einmal ruhen. Nach einer Abtastphase zu Beginn erarbeitete sich Thiem das erste Break, nachdem Schiedsrichterin Louise Engzell einen Stopp des Österreichers an der Linie gesehen hatte.

Schwartzman reagierte prompt: Das Rebreak war die Basis für den Teilerfolg des 28-Jährigen im Tiebreak. Thiem agierte in der Endphase dieses Durchgangs viel zu fehleranfällig. Mit den windigen Bedingungen auf Court Philippe Chatrier kam die Nummer drei der Welt in dieser Phase nicht gut zurecht.

Thiem bringt 2:1-Satzführung nicht ins Ziel

Dem Kampfgeist des 27-jährigen Lichtenwörthers konnte dies aber nichts anhaben. Thiem wirkte erschöpft, ließ sich aber nie hängen. Schwartzman konnte beim Stand von 4:4 im zweiten Durchgang zwar sieben Breakbälle teilweise sensationell abwehren, den Satzausgleich aber nicht verhindern. Weil der 1,70 Meter kleine Gaucho plötzlich von der Grundlinie die Sicherheit verlor, war Thiem zurück im Geschäft.

Nun wurde es vogelwild: Insgesamt acht Breaks führten zu einer unglaublichen Achterbahnfahrt im dritten Satz. Thiem lag bereits mit 1:3 und 3:5 zurück, hatte im Tiebreak aber dennoch das bessere Ende für sich. Das lag in erster Linie an der Inkonsequenz des Weltranglisten-14. Immer als Schwartzman den Sack zu machen konnte, flatterten die Nerven. Trotz eines Satzballs und der Möglichkeit auszuservieren, verpasste es „El Peque“ den verdienten Lohn einzufahren.

Achterbahnfahrt bis zur totalen Erschöpfung

Wer nun gedacht hatte, dass Thiem nach seiner couragierten Vorstellung in der Kurzentscheidung und einer 2:0-Führung im vierten Satz, das Match endlich unter Kontrolle hatte, sah sich erneut getäuscht. Schwartzman ließ sich an diesem epischen Dienstag einfach nicht abschütteln. Vier Spielgewinne in Folge für den Finalisten von Rom sorgten für den nächsten Wendepunkt in diesem unfassbaren Sandplatz-Thriller. Selbst eine Behandlungspause an der von Blasen schmerzenden Hand warfen den kleinen Kämpfer nicht um.

Doch als es darum ging, den Satz zuzumachen, fehlte Schwartzman einmal mehr die letzte Überzeugung. Nach einem Wahnsinns-Vorhandball aus dem Lauf und zwei weiteren abgewehrten Satzbällen war Thiem wieder da. Beide Spieler agierten nun wie in Trance. Nichts schien mehr unmöglich. Auf der letzten Rille holte der zweifache French-Open-Finalist die letzten Reserven aus dem geschundenen Körper heraus. Vergeblich! Schwartzman war im Tiebreak der Mutigere. Folgerichtig musste das Kumpel-Duell in der ultimativen Verlängerung, einem fünften Satz, entschieden werden.

„Domi“ bricht ein

Dort war Thiem am Ende seines Lateins angelangt. Das Fünfsatz-Match gegen Stopp-Virtuose Hugo Gaston hatte zu viele Körner gekostet. Schwartzman wirkte den entscheidenden Tick frischer. Nach dem Break zum 2:4 ging nichts mehr für den ÖTV-Star.

Bis zu seinem ersten Halbfinale auf Grand-Slam-Ebene hat der Argentinier nun bis Freitag Zeit, sich von den Strapazen zu erholen. Dort trifft er auf Sandplatzkönig Rafael Nadal oder Supertalent Jannik Sinner aus Italien. Das Match soll noch heute Abend über die Bühne gehen.

(Bild (c) imago images / PanoramiC)

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Björn Walter
am 06.10.2020 gepostet von:
Björn Walter
Redakteur
Schlägt aus dem zweiten Stock auf, kennt gute Beinarbeit jedoch nur vom Hörensagen. Tennis-Allzweckwaffe mit Herz für amüsante Geschichten abseits des Centercourts. In Redaktionskreisen als Ein-Mann-La-Ola-Welle für Rafael Nadal erprobt. Auch aktiv mit Laufschuhen und Rennrad.

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