Jetzt die App myTennis runterladen!

Auch unterwegs immer informiert bleiben & die Welt des Tennis entdecken.

Billboard : 4475835
Stefan Edberg

Stefan Edberg: Beckers Dauerrivale wird 55

Leaderboard : 4475810
Top : 4475800
19.01.2021|10:00 Uhr|von Christian Schwell
Stefan Edberg: Beckers Dauerrivale wird 55

In der reinen Bilanz der Grand-Slam-Titel im Einzel liegt er mit sechs Titeln knapp hinter den Konkurrenten seiner aktiven Zeit namens Ivan Lendl, Mats Wilander und Boris Becker, eine absolute Legende des Tennissports ist er trotzdem: Stefan Edberg feiert am 19.01.2021 seinen 55. Geburtstag.  


Auch Edbergs Stern geht 1985 auf

Besonders mit der Profilaufbahn seines deutschen Dauerrivalen Boris Becker ist die Karriere des 1966 im schwedischen Västervik geborenen Rechtshänders eng verknüpft. Auch sein Stern geht im Herrentennis wie der des gut ein Jahr jüngeren Beckers im Jahr 1985 auf Rasen auf, allerdings ein paar Monate später: Er holt sich seinen ersten Grand-Slam-Titel bei den Australian Open, die damals noch auf Rasen und nicht zu Beginn der Saison, sondern zum Jahresabschluss im Dezember ausgetragen werden.

Im Endspiel schlägt Stefan Edberg dort seinen Landsmann Mats Wilander, anders als dessen Spielstil und der vieler anderer in den 80ern und 90ern erfolgreichen Schweden hat sein Matchaufbau aber wenig mit dem des großen schwedischen Vorbilds Björn Borg zu tun: Edberg spielt eine einhändige Rückhand und klassisches Serve-and-Volley, angeblich ist das aus der Not geboren: Edberg will so schon in der Jugend seine Schwächen an der Grundlinie kaschieren. 

Serve-and-Volley in Perfektion

Der Aufschlag dient ihm dabei weniger als z. B. Boris Becker dazu, schon den direkten Punktgewinn zu erzwingen. Vielmehr sieht er ihn als  Vorbereitungsschlag, um an Netz vorzurücken und dort den Ballwechsel über seine Athletik und mit seinen absolut herausragenden Volleys abzuschließen. Entsprechend spielt Edberg den Aufschlag gerne als hoch abspringende Kick-Variante, die ihm Zeit gibt, weit nach vorne aufzurücken. Die Service-Bewegung mit dem extrem gebeugten Rücken und dem zunächst tief hängenden Schläger ist dabei so charakteristisch, dass später im Jahr 1995 klar zu erkennen ist, wen sich die Australian Open bei ihrem neuen Logo zum Vorbild genommen haben: Die Silhouette des abgebildeten Aufschlägers ist klar die des Siegers von 1985 und 1987. 

Edberg und Becker dominieren in Wimbledon

Genau wie in Australien kann Edberg auch bei den US Open (1991 und 1992) und in Wimbledon (1988, 1989) zweimal den Titel holen. Dort in London gibt es Ende der 80er-Jahre eine Zeit, in der er zusammen mit Boris Becker absolut dominant ist. Gleich dreimal in Folge stehen sich die beiden ab 1988 in Endspielen gegenüber. Zweimal geht dabei Edberg als Sieger vom Platz -  Niederlagen, die Becker, der den Center Court von Wimbledon als sein Wohnzimmer betrachtet und keinen Hehl daraus macht, dass er sich für den besseren Spieler hält, schwer treffen.

Eine seiner bittersten Niederlagen muss der aber auch Edberg seinerseits  in Wimbledon gegen einen anderen Deutschen einstecken: Michael Stich schlägt ihn auf seinem Weg zum Titel 1991 im Halbfinale in vier Sätzen, ohne dass Edberg auch nur einmal sein Service abgibt. Drei verlorene Tiebreaks brechen dem schwedischen Favoriten das Genick und verhindern eine vierte Final-Teilnahme. Bei den French Open, dem einzigen der vier großen Turniere, das er nie gewinnen kann, erlebt er eine weitere große sportliche Enttäuschung seiner Laufbahn, als er 1989 im Endspiel am ganz jungen Michael Chang scheitert und so seine beste Chance liegen lässt, auch diesen Titel zu holen. 

41 Titel und die Nummer eins der Welt

Davon abgesehen verläuft die Karriere Edbergs aber über die Maßen erfolgreich. Insgesamt 41 Titel holt er bis zu seinem Rücktritt 1996 auf der Tour, er und nicht Rivale Becker ist es, der der den großen Ivan Lendl schließlich dauerhaft entthront und sich 1990 an die Spitze der Weltrangliste setzt. Diese Position hält er insgesamt 72 Wochen, dazu ist er auch noch 15 Wochen lang der laut Rangliste beste Doppelspieler der Welt, holt auch in dieser Disziplin drei Grand Slams. Über seine sportlichen Erfolge hinaus gilt Edberg seine ganze Laufbahn lang auch als äußerst fairer Sportsmann, der entsprechende jährlich vergebene Preis der ATP Tour trägt mittlerweile seinen Namen.

Rückkehr ins Rampenlicht als Federers Coach

Nach seinem Rücktritt 1996 kehrt Stefan Edberg Ende 2013 noch mal ins Rampenlicht des Profisports zurück, als er unter äußerst viel Medien-Interesse das Traineramt bei Superstar Roger Federer übernimmt. Bis 2015 krönen die beiden ihre Zusammenarbeit zwar nicht mit einem Grand-Slam-Erfolg, viele Beobachter erkennen in dieser Zeit aber eine positive Veränderung im Spiel des Schweizers, der in der gemeinsamen Arbeit zurück zu einer aggressiveren Spielweise findet.

Abseits des Tennisplatzes bleibt Edberg geschäftlich sowieso anders als sein Weggefährte Becker durchgehend erfolgreich. Es mutet fast als Ironie des Lebens an, dass er zu Hause in Schweden eine Kapitalgesellschaft führt, deren Hauptzweck es ursprünglich war, sichere Anlagemöglichkeiten für ehemalige Profisportler anzubieten. Auch ansonsten ist sich der ruhige Edberg treu geblieben. Ohne Schlagzeilen in der Boulevardpresse lebt er, der seit 1992 verheiratet ist und zwei Kinder hat, mittlerweile auf einem Bauernhof in der Nähe von Växjo. 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Tennis-Point (@tennis_point_official)

(Bild: (c) imago images / Norbert Schmidt)

WAS IST DEINE MEINUNG?
Lustig

LUSTIG

0

Liebe

LIEBE

0

Oh man...

OH MAN...

0

Wow

WOW

0

Traurig

TRAURIG

0

Wütend

WüTEND

0

Christian Schwell
am 19.01.2021 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

» Zu den Beiträgen von Christian Schwell