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Melbourne vor 30 Jahren: Willensstarker Becker entthront Lendl

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27.01.2021|10:00 Uhr|von Dennis Ebbecke
Melbourne vor 30 Jahren: Willensstarker Becker entthront Lendl

Blickt man auf die aktive Karriere von Boris Becker zurück, wird man unweigerlich Zeuge seiner außerordentlichen Willenskraft. Er hechtete zuweilen belagsübergreifend nach jedem Ball, bis es wehtat - und kämpfte sich nach Verletzungen immer wieder zurück. Die Auftritte des Leimeners bei den Australian Open 1991, die er letztendlich für sich entscheiden sollte, untermauern in vielerlei Hinsicht, wie wichtig die richtige Einstellung im Tennissport ist.

Bevor der damals 23-Jährige am 27. Januar 1991 im Finale auf seinen ewigen Kontrahenten Ivan Lendl treffen sollte, setzte er sich gegen Jeremy Bates, Marian Vajda, Omar Camporese, Wayne Ferreira, Guy Forget und Patrick McEnroe durch. In Erinnerung blieb insbesondere sein Drittrunden-Match gegen den Italiener Camporese, in dem Becker nicht nur einmal am Rande einer Niederlage gestanden hatte. Am Ende triumphierte der Deutsche nach über fünf Stunden mit 14:12 im entscheidenden fünften Satz.

"... dann hat man das Gefühl, nichts mehr zu verlieren."

Auch wenn dieses Marathon-Duell jede Menge Kraft gekostet hatte, bewertete es Becker später einmal als mitentscheidend für seinen ersten Melbourne-Titel. "Der Effekt ist, wenn man so ein Spiel gewinnt, dann hat man das Gefühl, nichts mehr zu verlieren. Dann spielt man freier", erklärte der Ex-Tennisprofi im Rahmen seiner späteren Tätigkeit als Eurosport-Experte.

Vermutlich war es dieses Gefühl, "nichts mehr zu verlieren", das ihn im Melbourne-Finale 1991 aus einer Bredouille befreite. Spätestens nach dem deutlichen 1:6 im ersten Satz deutete wenig auf Becker als Champion hin. Zum einen stand ihm der Mann gegenüber, der seinen dritten Australian-Open-Triumph in Folge anstrebte, zum anderen hatte der DTB-Spieler mit einer Verspannung der Rückenmuskulatur zu kämpfen. Doch aufgeben kam für "Bobbele" nicht infrage. Er ließ den Physiotherapeuten auf den Platz kommen, der mit Hilfe einer Massage zum Wunderheiler avancieren sollte.

Die irre Final-Wende: Angeschlagener Becker entthront Lendl

Im Anschluss bekam die Welt einen hochkonzentrierten, vor Willensstärke nur so strotzenden Deutschen zu sehen, der das Finale völlig auf den Kopf stellte. Becker gewann die Sätze zwei bis vier und krönte sich nach nur knapp drei Stunden Spielzeit mit 1:6, 6:4, 6:4, 6:4 zum König von Melbourne. Nach seinem großen Erfolg wirkte der Champion selbst sprachlos, konnte kaum begreifen, wie ihm dieser Turnaround noch gelungen war. "Das ist ein unglaublicher Moment für mich. Ich kann nicht viel sagen, es tut mir leid", lautete sein kurzer Kommentar im Rahmen der Siegerehrung.

Sein erster Erfolg beim sogenannten "Happy Slam" hatte eine weitere historische Sternstunde zur Folge: Boris Becker ging als erster deutscher Weltranglistenerster in die Tennisgeschichte ein, indem er Stefan Edberg überholte, der bei den Australian Open im Halbfinale an Lendl gescheitert war. Zwar musste der Leimener die Spitzenposition drei Wochen später an den Schweden zurückgeben, holte sich den Platz an der Sonne im Anschluss an Wimbledon allerdings wieder.

Eine interessante Randnotiz: Die erneute Erklimmung des Tennisthrons hatte Becker einem gewissen Michael Stich zu verdanken, der mit seinem Sieg im Wimbledon-Halbfinale gegen Edberg seinem deutschen Konkurrenten den Sprung auf Rang eins erst ermöglicht hatte. Becker "bedankte" sich im Finale auf dem heiligen Rasen - wenn auch ungewollt - auf seine Art: indem er das Endspiel gegen seinen deutschen Konkurrenten verlor.

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(Bild (c) imago images / Norbert Schmidt)

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Dennis Ebbecke
am 27.01.2021 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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