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Unverhofft kommt oft: Beckers letzter Grand-Slam-Titel 1996

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28.01.2021|10:00 Uhr|von Dennis Ebbecke
Unverhofft kommt oft: Beckers letzter Grand-Slam-Titel 1996

Am 28. Januar 1996, also ein gutes Jahrzehnt nach seinem ersten Grand-Slam-Titel, gelang es Boris Becker ein letztes Mal in seiner Karriere, ein Major für sich zu entscheiden. Der damals 28-Jährige setzte sich im Finale der Australian Open in vier Sätzen mit 6:2, 6:4, 2:6, 6:2 gegen den fünf Jahre jüngeren, aufstrebenden Michael Chang durch. Soweit die Fakten! Wichtiger sind jedoch die Emotionen, die insbesondere die deutschen Tennisfans mit diesem magischen Moment verbinden.

Fünf Jahre waren seit Beckers letztem Triumph in "Down Under" vergangen. Mit seinem Melbourne-Erfolg von 1991Melbourne-Erfolg von 1991 hatte er damals bewiesen, dass man mit reiner Willenskraft Berge versetzen kann. So quälte sich der Leimener gegen Omar Camporese mit 14:12 im Fünften in die nächste Runde und drehte später das Finale gegen Ivan Lendl trotz starker Rückenschmerzen.

Nach seinem Titel 1991 gelang Becker in Melbourne gar nichts mehr - bis ...

Auch diesmal, besagte fünf Jahre später, brauchte es einen Kraftakt, wollte "Bobbele" seine Fans im heimischen Deutschland zu Unzeiten in den frühen Morgenstunden aus dem Bett locken. Zugegeben: Es sprach nicht viel für einen Durchmarsch des DTB-Stars, da dieser nach seinem ersten Melbourne-Sieg beim "Happy Slam" nichts mehr zustande gebracht hatte. Einmal setzte er aus (1994) und zweimal war in Runde eins Schluss (1993, 1995). Das Erreichen der dritten Runde (1992) war dabei das höchste der Gefühle.

Die Australian Open 1996 begannen für Boris Becker ähnlich schleppend. Sowohl gegen Greg Rusedski als auch gegen Thomas Johansson musste er über fünf Sätze gehen und dementsprechend Körner lassen. Dass er im Anschluss gegen Magnus Larsson, Brett Steven, Yevgeny Kafelnikov und Mark Woodforde dennoch insgesamt nur einen Satz abgeben musste und souverän ins Finale marschieren konnte, war kaum zu erklären. Auch für den Protagonisten selbst, der nach seinem Finalsieg über Chang demütig resümierte: "Um die Wahrheit zu sagen: Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einen Grand Slam in mir habe."

Immerhin: Vielleicht war der Gewinn der ATP-WM 1995 in Frankfurt wenige Monate zuvor (übrigens auch gegen Chang im Finale) ein kleiner Fingerzeig. Und natürlich hatte Becker bei den Australian Open auch ein wenig davon profitiert, dass große Konkurrenten wie Pete Sampras oder Thomas Muster bereits frühzeitig gestrauchelt waren. Je näher der Deutsche in Richtung Endspiel steuerte, desto lauter wurden die Stimmen, die sich ein Finale zwischen ihm und Andre Agassi wünschten. Dazu sollte es bekanntlich nicht kommen - angeblich, weil sich der US-Amerikaner einem Match gegen Becker nervlich nicht gewachsen fühlte. Im Vorfeld hatte es einige Duelle Becker vs. Agassi gegeben, in denen Provokationen an der Tagesordnung waren.

Verzichtete Agassi absichtlich auf ein Finale gegen Becker?

In seiner Autobiografie Open erklärte der heutige Ehemann von Steffi Graf später, dass er sein Halbfinale gegen Landsmann Chang quasi absichtlich verloren hatte: "Ich weiß, dass ich gewinnen kann, aber ich weiß auch, dass ich verlieren werde. Das Letzte, was ich im Moment gebrauchen kann, ist ein weiterer heiliger Krieg gegen Becker." 

Agassi scheiterte tatsächlich glatt in drei Sätzen und ließ dadurch Chang im Finale den Vortritt. Dort angekommen, erlebte der 23-Jährige einen erfahrenen Gegner, der mit allen Wassern gewaschen war. Becker wusste genau, an welchen Stellschrauben er zu drehen hatte, um die Euphorie seines jüngeren Kontrahenten im Keim zu ersticken. Der Leimener änderte immer wieder das Tempo, stellte sein Spiel um und setzte mit diesem undurchschaubaren Auftreten immer wieder kleine Nadelstiche - nicht zuletzt, indem er regelmäßige seine Schläger, Shirts und Schuhe wechselte.

Am Ende stand sein sechster und letzter Grand-Slam-Titel, den er im Übrigen exakt genauso feiern sollte, wie seinen Melbourne-Triumph fünf Jahre zuvor, der ihm damals den Sprung an die Spitze der Weltrangliste eingebracht hatte: Boris Becker rannte aus dem Stadion, um seine Freude (und den Druck) im Flinders Park zwischen den Gummibäumen in die Welt hinausschreien zu können. Gut gebrüllt, Löwe Boris, du König von Melbourne!

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(Bild (c) imago images / Hasenkopf)

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Dennis Ebbecke
am 28.01.2021 gepostet von:
Dennis Ebbecke
Redakteur
Dennis ist seit vielen Jahren als Sportredakteur tätig, fühlt sich vor allem in der Welt des Tennis und des Fußballs zu Hause. Auch auf dem Court trifft man ihn hin und wieder an, doch ein Blick auf seine LK beweist: Er verbringt deutlich mehr Stunden am Schreibtisch als auf dem Tennisplatz.

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