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Jennifer Capriati: Traumkarriere ohne Happy End

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29.03.2021|10:00 Uhr|von Christian Schwell
Jennifer Capriati: Traumkarriere ohne Happy End

Die Geschichte der WTA ist nicht gerade arm an tatsächlichen oder vermeintlichen Wunderkindern. Zurzeit ist es Coco Gauff, die als Projektionsfläche für die Faszination vieler Fans dafür dient, dass eine ganz junge Spielerin in die Weltspitze vordringt, um dort möglichst rekordträchtig früh für Furore zu sorgen und Titel einzuheimsen. 

Gauff hat dabei Vorgängerinnen in ihren Landsfrauen Serena und Venus Williams, bei denen der Sprung in die Weltspitze im Teenageralter  - zumindest in der Außensicht - dauerhaft gut gelaufen ist. Beide haben ihrem "Frühstart" in die Weltkarrieren ungewöhnlich lange und noch ungewöhnlicher erfolgreiche Karrieren folgen lassen. Beide haben über die Jahre hinweg ganz offensichtlich nicht nur nicht den Spaß an ihrem Sport verloren, sondern außerdem auch noch ihr privates Leben gemeistert.

Jennifer Capriati: (zu) früh im Rampenlicht

Blickt man nur wenig weiter speziell auf das amerikanische Damentennis zurück, kommt einem in Person von Jennifer Capriati, die am 29. März ihren 45. Geburtstag feiert, allerdings auch sofort eine Ex-Spielerin in den Sinn, deren Weg (anders als der des Sister Acts Venus und Serena) der jungen Coco Gauff nicht unbedingt nur als Vorbild, sondern eher auch als Warnung dienen sollte. 

Capriati  wird in Amerika schon als "Next big Thing" gehandelt, bevor sie im Alter von erst dreizehn Jahren 1990 bei ihrem ersten Profiturnier in Boca Raton die Erwartungen bestätigt und ins Finale vordringt, um dann wenig später aus dem Stand ins Halbfinale der US Open zu stürmen. Die US-Medien lechzen nach einer heimischen Spielerin, die den 1989 zurückgetretenen Superstar Chris Evert in ihrer Beliebtheit ersetzen kann, entsprechend groß ist der Hype, der um Capriati entsteht und entfacht wird.    

Die Teenagerin, die von frühster Kindheit an von ihrem Vater Stefano mit dem Ziel "Tennisprofi" gedrillt wurde, um dann möglichst früh ins kalte Wasser namens Profitennis geworfen werden zu können, kann mit dieser Mischung aus medialer Beachtung und öffentlicher Erwartung nicht dauerhaft umgehen. Sie spielt aber zunächst trotzdem noch sehr erfolgreich, gewinnt Turniere, dringt ins Halbfinale von Grand-Slam-Turnieren vor und krönt diese Karrierephase 1992 mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille in Barcelona.


Triumphe und Tragik wechseln sich ab

Jede Niederlage kratzt aber an der fragilen Psyche, weil sich Capriati, wie sie später selber sagen wird, in ihrer Eigenwahrnehmung nur über ihre Erfolge auf dem Court definiert.  Ab 1993 werden ihre Probleme überdeutlich. Nach einer Erstrundenniederlage bei den US Openverliert pausiert sie vom Tennis, wird wenig später wegen eines Ladendiebstahls verhaftet.

Später folgt eine Verhaftung wegen Marihuana-Besitzes und eine Drogentherapie. Dinge, die bei jungen Erwachsen (und nicht nur bei denen) durchaus vorkommen, aber sich eben normalerweise nicht noch zusätzlich wie bei Capriati im Brennglas der Medien abspielen. Bei Capriati führt das zu Burnout und Selbstmordgedanken. Umso erstaunlicher, dass sie nicht nur auf den Tennisplatz zurückkehrt, sondern auch noch große Erfolge feiert: 2001 gewinnt sie die Australian Open und die French Open, 2002 verteidigt sie sogar ihren Titel in Melbourne. 

Karriereende schon mit 28 Jahren

Dauerhaft bleibt ihre Versöhnung mit dem Tennis aber nicht. Mit erst 28 Jahren spielt sie im Jahr 2004 ihr letztes Match, auch die endgültige Abkehr vom Profisport bringt ihr Leben aber zunächst nicht in die Spur. Immer wieder gerät sie bis in die 2010er-Jahre hinein in die Negativschlagzeilen. Es geht um Drogen, Essstörungen und massive Beziehungsprobleme.

Danach wird es ruhiger um sie, bei ihren ganz wenigen öffentlichen Auftritten blockt sie Fragen zu ihren privaten Lebensumständen mittlerweile komplett ab. Was bleibt, ist im Rückblick eine Karriere mit beeindruckenden Erfolgen, von denen die allermeisten Tennisprofis nur träumen können, für die Jennifer Capriati aber offensichtlich einen hohen persönlichen Preis gezahlt hat. 
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(Bild: (c)  imago images / ZUMA Press)    
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Christian Schwell
am 29.03.2021 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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