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Vor 26 Jahren: Als Boris seine „schlimmste Niederlage“ erleiden musste

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24.04.2021|10:00 Uhr|von Björn Walter
Vor 26 Jahren: Als Boris seine „schlimmste Niederlage“ erleiden musste

Es war ein Match für die Ewigkeit. Ein denkwürdiges Duell zweier ungleicher Spieler, das auch nach 26 Jahren immer noch tief verankert ist im kollektiven Tennis-Gedächtnis. Wir blicken zurück auf den 30. April 1995. Den Tag des Endspiels beim traditionsreichen Sandplatzturnier in Monte Carlo zwischen der deutschen Tennis-Legende Boris Becker und Österreichs Aushängeschild Thomas Muster.

Ein Finale mit historischer Bedeutung. Für den Deutschen war es „die schlimmste Niederlage“ überhaupt, wie Becker später zugab. Das lag zum einen daran, dass der seinerzeit 27-jährige Leimener danach nie wieder so dicht an den ersehnten und unerfüllten Triumph bei einem Sandplatzturnier herankam.

Becker kämpft vergeblich gegen den Sandplatzfluch an

Die Art und Weise der Niederlage war aber mindestens genauso bitter. Becker hatte in seiner Wahlheimat bereits 1989 und 1991 im Endspiel gestanden. Im dritten Anlauf wollte er nun endlich die Siegertrophäe in den Himmel recken.

Die Vorzeichen standen außergewöhnlich gut. Denn Muster war im Halbfinale gegen Andrea Gaudenzi nach einem Kraftakt beinahe kollabiert. „Ich habe meinen Körper nicht mehr gefühlt. Ich habe nur darauf gewartet, auf den Boden zu fallen. Ich konnte meine Beine nicht mehr spüren. Alles, was ich tat, war Instinkt. Ich erinnere mich nicht an die letzten Punkte. Ich kann mich nicht erinnern, wie das Ergebnis am Ende war“, erklärte der damals beste Sandplatzspieler der Welt, der im Nachgang mit einem Zuckerschock sogar im Krankenhaus behandelt werden musste.

Dramatisches Halbfinale im Vorfeld

Muster, der mit bis dahin 25 Titeln auf der roten Asche im Fürstentum als haushoher Favorit galt, war also extrem geschwächt. Keine 24 Stunden später stand der Steirer allerdings wieder auf dem Platz. Es galt schließlich, eine unfassbare Serie auszubauen. Seine letzten 19 Endspiele auf Sand hatte Muster allesamt gewonnen.

Aufgrund der gegebenen Umstände rechnete sich Becker dennoch Siegchancen aus. Zu Beginn des Matches wurde der Wimbledon-Held jedoch übel von Muster vorgeführt. Der gleichaltrige Österreicher hatte einen Volley fälschlicherweise im Aus gesehen und sich nach dem Schlag resigniert umgedreht. Der Ball klatschte allerdings auf die Linie. Becker war so irritiert davon, dass er seine Rückhand vorbei am unbeteiligten ÖTV-Star ins Aus beförderte. Muster quittierte den Fauxpas mit einem schelmischen Grinsen.

Muster düpiert seinen Rivalen auf kuriose Weise

Trotz des Schocks wandelte der Deutsche seine Wut in traumhaftes Offensivtennis um. Becker holte sich die ersten beiden Sätze und sah bereits wie der sichere Sieger aus. Doch Muster gab nicht auf. Der dritte Durchgang ging mit 6:1 an den Österreicher. Im Tiebreak des vierten Satzes hatte „Bum-Bum-Boris“ dann den Sieg auf dem Schläger. Es stand 6:4 für Becker, der nun mit zwei Matchbällen den Sandplatzfluch endgültig beenden konnte.

Doch das Risiko war zu hoch. Der Rotschopf hämmerte seinen zweiten Aufschlag mit 200 km/h übers Netz. Daneben! Nachdem auch die zweite Chance vertan war, schlug Muster mit dem Gewinn eines epischen Ballwechsels beim Stand von 6:6 zurück. Es folgte der Satzausgleich und der totale Einbruch Beckers.

4:6, 5:7, 6:1, 7:6 (6), 6:0. Nach 3:17 Stunden verwandelte Muster seinen ersten Matchball gegen den bitter enttäuschten Deutschen. „Ich weiß nicht, wie ich das Match gewonnen habe. Nachdem was gestern passiert ist, hätte ich nie gedacht, dass ich heute spielen kann. Ich möchte den Ärzten danken, die fantastisch waren. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, zu gewinnen. Das ist einer der besten Tage in meinem Leben“, strahlte Muster nach seiner grandiosen Aufholjagd.

Wundersame Wiederauferstehung weckt Zweifel

Becker gab sich zunächst als fairer Verlierer: „Ich hatte alle Chancen in der Welt. Aber er hat nicht aufgegeben. Ich fühlte mich selbstbewusst. Ich habe auch vorher bei meinem zweiten Aufschlag riskiert, weil er so einen guten Return hat. In diesem Moment hatte ich das gute Gefühl, einen riskanten zweiten Aufschlag schlagen zu können.“

Auf der anschließenden Pressekonferenz konnte er allerdings nicht verbergen, wie sehr ihn die Wiederauferstehung Musters verwunderte. Der sei im Halbfinale gegen Gaudenzi noch auf dem Platz „gestorben“ und wehrt wenige Stunden später zwei Matchbälle ab und gewinnt den fünften Satz mit 6:0. Für die indirekten Dopingvorwürfe wurde Becker von der ATP im Nachhinein sogar zu einer Geldstrafe von 20.000 US-Dollar verdonnert.

Die Streitigkeiten legten Becker und Muster später bei, einen Sandplatztitel sollte der „rote Baron“ trotzdem nicht mehr gewinnen. Für den Sieger lief es besser. Muster krönte sein Traumjahr 1995 einen Monat später mit dem Titel bei den French Open, der ihm auch dabei half am 12. Februar 1996 den Thron an der Weltranglistenspitze zu besteigen.

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(Bild (c) IMAGO/ HJS)

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Björn Walter
am 24.04.2021 gepostet von:
Björn Walter
Redakteur
Schlägt aus dem zweiten Stock auf, kennt gute Beinarbeit jedoch nur vom Hörensagen. Tennis-Allzweckwaffe mit Herz für amüsante Geschichten abseits des Centercourts. In Redaktionskreisen als Ein-Mann-La-Ola-Welle für Rafael Nadal erprobt. Auch aktiv mit Laufschuhen und Rennrad.

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