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Arantxa Sánchez Vicario: Steffi Grafs kleine große Rivalin wird 50 

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18.12.2021|11:00 Uhr|von Christian Schwell
Arantxa Sánchez Vicario: Steffi Grafs kleine große Rivalin wird 50 

Wenn es um die größten Widersacherinnen der 22-maligen Grand-Slam-Siegerin Steffi Graf geht, darf neben Gabriela Sabatini und Monica Seles der Name einer nur 1,69 m großen Spanierin nicht fehlen: Arantxa Sánchez Vicario, die sich zwischen 1988 und 1996 insgesamt 36 Mal mit der Deutschen duellierte, feiert heute ihren 50. Geburtstag.

Dass die am 18. Dezember 1971 in Barcelona geborene Schwester der beiden ebenfalls Profitennis spielenden älteren Brüder Emilio und Javier Sánchez dabei auf lediglich acht Siege gegen die „Gräfin“ kam, täuscht ein wenig über ihre großen Erfolge gerade auch in diesem direkten Duell und insgesamt in dieser äußerst starken Ära des Damentennis hinweg. 

Das heutige Geburtstagskind schlug Graf oft dort, wo es dieser vermutlich besonders weh getan hat: Zweimal jeweils bei den Grand Slams von Paris und New York, dazu auch noch zweimal vor heimischen Publikum in Hamburg. Gleich dreimal löste sie die Deutsche dazu als Weltranglistenerste ab.

Der Stern der Spanierin steigt in Paris auf

Erstmals erregt Sánchez Vicario, die im Alter von vier Jahren mit dem Tennisspiel begann und mit vierzehn Jahren Profi wurde, in der größeren Tennisöffentlichkeit für Aufsehen, als sie 1988 mit 16 Jahren die ehemalige Weltranglistenerste und siebenmalige French-Open-Siegerin Chris Evert (USA) in der dritten Runde von Paris besiegt.

Dass dieser Erfolg, obwohl Evert da schon 33 Jahre alt ist und wegen einer Fersenverletzung nicht ihr besten Tennis spielt, ein Fingerzeig auf die Zukunft ist, zeigt sich nur ein Jahr später.

Da steht sie, gerade mal 17 Jahre alt, im Finale des Turniers und ringt dort mit Steffi Graf eine aktuelle Nummer eins, die in der absoluten Blütezeit ihres Schaffens steht und gerade fünf Grand Slams in Folge gewonnen hat, in einem Klassiker des Damentennis nieder.

Unbändige Kampfkraft und taktisches Verständnis

Sánchez Vicario hat – trotz einer gefährlichen beidhändigen Rückhand – nicht die Schlaghärte einer Graf oder Seles, macht dies vor allen Dingen mit unbändigem Willen und Laufbereitschaft wett, kann aber auch taktisch überzeugen. Die Rechtshänderin definiert sich zwar grundsätzlich als Konter-Spielerin, nutzt über ihre Defensiv-Qualitäten hinaus sich bietende Gelegenheiten aber auch immer wieder konsequent und aggressiv aus. Nicht umsonst wird sie in ihrer Karriere neben ihren 29 Einzeltiteln auch noch ganze 69 Triumphe (davon sechs bei Grand Slams) im Doppel feiern, 1995 ist sie zeitgleich die Nummer eins im Einzel und im Doppel.

Als Solistin gewinnt sie nach der Premiere in Roland-Garros noch drei weitere Grand-Slam-Titel. 1994 und 1998 ist sie erneut auf der geliebten roten Asche von Paris erfolgreich, 1994 holt sie sich auch auf Hartplatz bei den US Open einen großen Titel. Im Endspiel übrigens mal wieder gegen Steffi Graf und mal wieder in einem engen Dreisatz-Match. In Wimbledon und bei den Australian Open reicht es nicht zum ganz großen Wurf, jeweils zwei Endspielteilnahmen zur Mitte der 90er-Jahre beweisen aber, dass eine Einordnung der Spanierin als reine Sandplatzspezialistin absolut zu kurz greift.

Wie so oft: die Probleme kommen nach der Karriere

Sánchez Vicario kehrt dem Profitennis 2002 den Rücken, 2004 spielt sie noch einmal einige wenige Konkurrenzen im Doppel, um dann endgültig in den Profi-Ruhestand zu gehen. Sie heiratet zweimal und hat einen Sohn und eine Tochter aus ihrer zweiten Ehe, die 2019 geschieden wurde.

Auch finanziell wird es für sie nach ihrem Karriereende zeitweise holprig: Sie ist in Steuerangelegenheiten verstrickt und schockt die spanische Öffentlichkeit 2021 in einer Biografie mit dem Vorwurf, ihre Familie habe die gesamten Einnahmen ihrer Laufbahn veruntreut und ausgegeben. Ein Gerichtsverfahren in dieser Sache endet dann 2015 mit einem Vergleich.

Statt auf diese Phase ihres Lebens wird Arantxa Sánchez Vicario aber an ihrem runden Geburtstag wahrscheinlich lieber an die Jahre zurückdenken, als sie eine goldene Ära des Damentennis in den 80ern und 90ern mitgeprägt hat. In einem Interview aus dem Jahre 2017 sagte sie: „Ich hatte eine wundervolle Karriere und war privilegiert, genau das zu tun, was ich gerne machen wollte.“

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(Bilder © imago images / ZUMA Wire / Norbert Schmidt)

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Christian Schwell
am 18.12.2021 gepostet von:
Christian Schwell
Redakteur
Christian ist wie so viele im Zuge des Becker-Booms zum Tennis gekommen. Ein Tennis-Verrückter, der seine Texte gerne mit etwas Humor würzt. Der ist besser als sein Tennisspiel. Glaubt er.

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