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Meine 45 Minuten mit Federer off the Record

16.09.2022|09:00 Uhr|von Adrian Rehling
Meine 45 Minuten mit Federer off the Record

Noch heute überkommt mich eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Tag im Juni 2019 zurückdenke!

Interview mit Roger Federer. Im Vorfeld der (damals noch) Noventi Open in Halle/Westfalen. 30 Minuten. All in. Mir gegenüber sitzt eine der Legenden im Sport schlechthin, vielleicht sogar der GOAT. Über 1000 Siege im Profisport. Etliche Grand-Slam-Titel, Masters-Triumphe, "normale" Turniersiege, auch Olympia-Medaillen hat er geholt. Doch all das merke ich in diesem Gespräch nicht. Es ist eine Unterhaltung auf gefühlter Augenhöhe. Weil er es so will!

Roger gibt geduldig die Antworten auf Fragen, die er vermutlich schon x-fach gehört hat in seiner Karriere. Erzählt mir, er habe "immer probiert, Kind zu bleiben." Er hat es nicht nur probiert, tatsächlich sitzt ihm häufig der Schalk im Nacken. Ein Superstar, der am Boden geblieben ist. 

So verrät mir Federer schließlich - off the Record - dass er sich nichts sehnlicher wünsche, als die Welt zu bereisen. Bitte was? Ich frage nach: "Meinst Du das ernst?" Er antwortet und fragt zugleich: "Ja, total. Reist Du viel?" Worauf ich wiederum bejahe. Plötzlich bin nicht mehr ich der Fragensteller, sondern Roger ist es. "Wo hat es Dir am besten gefallen?" / "Was kannst Du mir und meiner Familie empfehlen?" / "Wie ist es in Berlin? Ich war erst einmal kurz dort."

Federer wird mir ein Leben lang Gänsehaut bescheren

Gefühlt fragt mir der Maestro während dieser 45 Minuten Löcher in den Bauch. Eine Dreiviertelstunde, die ich nicht auf Tonband habe. Aber eine Dreiviertelstunde, von der ich noch jede Sekunde meinen Enkeln berichten kann. Denn dieser Smalltalk hat sich so fest bei mir eingebrannt, den bekomme ich nie wieder aus dem Kopf.

Immer wieder kommt der ATP-Verantwortliche und weist Federer daraufhin, dass er doch einen Trainingsplatz reserviert habe. Doch das stört Roger nicht, er bohrt weiter. "Du wohnst also in Berlin, kommst aber aus Bielefeld. Korrekt?" Korrekt. "War das nicht ein großer Schritt?" 

Sorry, kneif mich mal bitte jemand. Er hört einfach nicht auf. Es fühlt sich wirklich verrückt an, gefühlt von ihm interviewt zu werden. Ob er sich davon überhaupt etwas merken wird? Die Antwort folgt nur wenige Tage später, im Anschluss an eine Pressekonferenz. Ich bitte Roger noch um ein gemeinsames Selfie. Zwar verpöhnt unter Journalisten, mir aber völlig egal in diesem Moment. Plötzlich fragt er: "Und, wohnst du jetzt die Tage in Bielefeld?" Schon wieder so ein Moment: Bitte was? Er hat es sich wirklich gemerkt.

Es sind 75 Minuten, die ich mit Roger Federer im 1:1-Gespräch zusammensitzen darf. Einige Tennis-Kollegen kommen auf das Vielfache an Gesprächszeit mit dem Maestro, werden vielleicht auch diese Zeile belächeln. Ich aber weiß: Es sind Momente, die ich nie wieder vergessen werde. Und auch die Gänsehaut bei den Gedanken daran wird nie wieder verschwinden.

Danke, Roger Federer! Danke für alles!

(Bild © IMAGO / Shutterstock)

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Adrian Rehling
am 16.09.2022 gepostet von:
Adrian Rehling
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